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Crash oder nur eine Korrektur?

Stefan Riße

Wann immer Aktienkurse in die Knie gehen, stellt sich diese eine Frage: Ist das nur eine womöglich sogar gesunde Korrektur im Aufwärtstrend oder der Beginn eines längerem Abwärtstrends, also eines Bärenmarktes oder gar Crashs? Diese Frage werde ich am Dienstag, 13. Februar, um 18:00 Uhr in allen Details diskutieren, und zwar im Webinar (https://www.werthstein.com/webinar/ Hinzufügen) mit Giles Keating, dem langjährigen Chief Investment Officer der Credit Suisse, und einem der besten Börsianer, die ich in meiner nun auch schon über 30jährigen Karriere kennenlernen durfte. Ich werde ihm dann die Fragen stellen, doch heute hier versuchen, den aktuellen Rückschlag aus meiner Sicht einzuordnen. Denn von der richtigen Beantwortung hängen zwei Handlungsempfehlungen ab, die unterschiedlicher nicht sein können. Ist es nur eine Korrektur, dann ist es die Möglichkeit, günstiger noch mal einzusteigen oder nachzukaufen. Markieren die jüngsten Kursverluste aber den Beginn eines ausgedehnten Bärenmarktes, dann hieße es jetzt noch raus, bevor die Verluste immer größer werden.

Korrektur war extrem überfällig

So oder so mussten die Kurse zurückkommen. Nachdem die Wall Street seit der Wahl Donald Trumps keinen Verlustmonat hingelegt hatte, was es in der Geschichte in dieser Länge noch nie gab, explodierten die Kurse zum Jahresanfang richtiggehend. Die von mir seit vielen Jahren beobachteten Stimmungsindikatoren gaben Rekordverkaufssignale, denn die Euphorie war gemessen beispielsweise an den US-Börsenbriefen so hoch wie seit 1987 nicht mehr. Damals folgte dann ein Crash, der dem Dow Jones den größten Tagesverlust der Geschichte einbrachte mit einem Minus von 22,3 %, was damals 508 Punkte entsprach auf knapp 1.800 Punkte. Es dauerte dann anderthalb Jahre, bis die Wall Street ihre Höchststände wieder erreichte. Es gab in der Geschichte zwar bedeutend längere Bärenmärkte, zuvor aber mal ausgestiegen zu sein, wäre damals besser gewesen.

Baissefaktor oder Angstfaktor Zinsen

Wenn man untersucht, was Aktien nachhaltig und länger ins Rutschen bringt, dann gibt es eigentlich nur einen Faktor, nämlich die Liquidität. Diese wird gesteuert über die Zinsen, die kurzfristigen wie langfristigen. Wann immer hier Konkurrenz zu Aktien entstand oder das Geldmengenwachstum durch restriktive Maßnahmen der Notenbanken gebremst wurde, folgten ausgedehnte Kursverluste, wenngleich erst mit einer Zeitverzögerung von meistens mehr als einem Jahr. Zuvor ist der Einfluss von Zinserhöhungen eher psychologischer Natur. Das bedeutet, die Angst vor steigenden Zinsen bringt die Aktien unter Druck. Dieser Einfluss führt – wie bei politischen Ereignissen – oft jedoch nur zu kurzfristigen Verlusten. Danach geht es meistens schnell wieder aufwärts.

Die jüngsten Kursverluste wurden mit steigenden Zinsen begründet, vor allem am US-Anleihemarkt, wo sich die Rendite wieder in Richtung drei Prozent bewegt. Es dürfte aber zunächst der psychologische Effekt sein, der die Kurse hier unter Druck gebracht hat. Denn schaut man auf die Inflation in den USA von 2,1 Prozent, dann ist der reale Zinsanstieg also nach Inflation minimal. Ernst wird es meiner Ansicht nach erst, wenn die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) tatsächlich im Herbst anfängt, in hohem Volumen Anleihen aus ihrer Bilanz zu verkaufen. Geplant ist dies, ich habe aber einige Zweifel. Denn die US-Wirtschaft dürfte sich entgegen der offiziellen Sicht  im Verlauf des Jahres abschwächen. Kommt es aber doch dazu, dann gehen die Börsenampeln im zweiten Halbjahr auf Rot. Aktuell dürften sich die Kurse noch etwas nach unten austoben, zunächst aber nochmals neue Rekorde erreichen.

Hinweis: Die Inhalte der Kolumnen dienen ausschließlich der Information und stellen weder eine Anlageberatung oder sonstige Empfehlung im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes dar noch sind sie als Zusicherung etwaiger Kursentwicklungen zu verstehen. Die geäußerten Ansichten geben allein die Meinung des jeweiligen Autors wieder. Für den Inhalt der Kolumne ist allein der jeweilige Autor verantwortlich.
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Expertenprofil
Stefan Riße Stefan Riße Börsenexperte

Stefan Riße Jahrgang 1968, aus Bremen ist Börsianer mit Leib und Seele. Seit seinem 16. Lebensjahr beschäftigt er sich intensiv mit den internationalen Finanzmärkten.

Nach dem Abitur und Praktika bei Banken und Vermögensverwaltern arbeitete er zwei Jahre lang als Broker, bevor er in den Journalismus wechselte. Er schrieb für Zeitschriften wie Forbes und Focus und ist seit über fünf Jahren ständiger Kolumnist für Focus Money.

Bekannt wurde Stefan Riße aber vor allem aufgrund seiner Tätigkeit als Börsenkorrespondent für „n-tv“, wo von 2001 bis 2005 seine Berichte live vom Frankfurter Börsenparkett gesendet wurden. Von 2006 bis 2011 war er Chief Market Strategist der Deutschlandniederlassung von CMC Markets – dem ersten CFD- Market-Maker in Deutschland.

Von 2011 – 2015 war Stefan Riße in der Vermögensverwaltung bei der der HPM Hanseatische Portfoliomanagement GmbH in Hamburg tätig, wo er noch in Anlageausschüssen mitwirkt.

Seit 2016 ist er unabhängiger Börsenexperte und als dieser nach wie vor gefragter Interviewgast u. a. auch bei „n-tv“ wo er regelmäßig auftritt.

Bereits im Alter von 17 Jahren lernte er den im September 1999 verstorbenen Börsenaltmeister André Kostolany kennen, mit dem ihn bis zu dessen Tod eine enge Freundschaft verband.

Sein bisher letztes Buch „Die Inflation kommt!“ war eines der erfolgreichsten Wirtschaftsbücher im Jahr 2010 und erreichte Platz 1 der Handelsblatt-Bestsellerliste.

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