Für einen optimalen Ausdruck erlauben Sie bitte den Druck von Hintergrundfarben und -bildern

Daimler: Zetsche präsentiert zum Abschied eine Dividenden-Kürzung – Anleger sind sauer

onvista
Daimler: Zetsche präsentiert zum Abschied eine Dividenden-Kürzung – Anleger sind sauer

Man soll aufhören, wenn´s am schönsten ist, sagt der Volksmund. Mit der Vorlage der heutigen Jahreszahlen von Daimler ist klar, Vorstandschef Dieter Zetsche hat diesen Zeitpunkt verpasst. Als Zetsche den Posten am 1. Januar 2006 als Nachfolger von Jürgen Schrempp übernahm, ging es dem Stuttgarter Autobauer nicht gerade prächtig. Aber der neue Mann an der damaligen Daimler-Chrysler-Spitze krempelte die Ärmel hoch und bringt Daimler wieder auf den richtigen Weg.

Das Ende der Welt AG

Nach etwas mehr als einem Jahr in Amt und Würden beendete Dieter Zetsche das 40 Milliarden Euro teure Missverständnis zwischen Daimler und Chrysler. Der Vorstandsvorsitzende verkaufte den amerikanischen Autobauer für 5,5 Milliarden Euro an den Finanzinvestor Cerberus.

Zurück an die Premium-Spitze

Nach dem Verkauf von Chrysler krempelte Zetsche auch Daimler erfolgreich um. Auf die Dursttrecke unter Schrempp folgte etwa ab 2010 ein Rekordjahr nach dem nächsten. Die Zahlen für das Geschäftsjahr 2017 waren dabei der Höhepunkt unter Dieter Zetsche wie der ebenfalls 2019 ausscheidende Finanzchef Bodo Uebber damals betonte: „Wir haben unseren Trend vom profitablen Wachstum fortgesetzt und erneut Bestwerte bei Absatz, Umsatz und Ergebnis erzielt.“ Und genau an diesem Höhepunkt hätte Dieter Zetsche gemäß dem Sprichwort „Wenn´s am schönsten ist sollte man aufhören“ seinen Posten übergeben sollen. Die heutigen Zahlen für 2018 zeigen nämlich, dass bei Daimler einiges nicht mehr rund läuft.

Gewinn deutlich eingebrochen

Der scheidende Daimler-Chef hat mit seiner letzten Jahresbilanz einen herben Gewinneinbruch präsentieren müssen. Dieter Zetsche kündigte bereits Gegenmaßnahmen in der wichtigen Pkw-Sparte an, allerdings ohne Details zu nennen. „Wir sind in der Erarbeitung dieses Programms“, sagte der Manager am Mittwoch auf der Bilanzpressekonferenz. Solange Umfang und einzelne Bestandteile nicht feststünden, könne er sich dazu nicht weiter äußern. Die Umsetzung liege aber in der Verantwortung des neuen Vorstandsteams. Zetsche übergibt nach 13 Jahren an der Konzernspitze bei der Hauptversammlung im Mai die Führung an Entwicklungschef Ola Källenius.

So verpassen Sie keine wichtige Nachricht mehr! Der kostenlose Newsletter onvista weekly - hier geht es zur Registrierung.

Der neue Mann hat einiges zu tun

Das Konzernergebnis war 2018 unter anderem wegen eines schwachen Autogeschäfts um fast ein Drittel eingebrochen, die Dividende soll nun mit 3,25 Euro je Aktie 40 Cent niedriger ausfallen als zuvor. Die Profitabilität der wichtigen Pkw-Sparte hatte im vergangenen Jahr auch unter dem Handelsstreit zwischen den USA und China und Auslieferungsstopps bei einzelnen Dieselmodellen gelitten. Die Umsatzrendite in dem Geschäftsbereich, die den Anteil vom operativen Gewinn am Umsatz anzeigt, lag 2018 bei 7,8 Prozent (2017: 9,4 Prozent). „Damit können und wollen wir nicht zufrieden sein“, sagte Zetsche. In der Regel peilt der Konzern hier einen Wert von acht bis zehn Prozent an. Das sieht der Konzern nun aber erst wieder 2021 im Rahmen des Möglichen – 2019 soll die Rendite zwischen sechs und acht Prozent liegen.

Auch das Auftaktquartal hat seine Tücken

Vor allem im ersten Quartal dürfte der Anlauf des neuen Modells vom Stadtgeländewagen GLE und der Produktionsstart in einem Werk in Mexiko belasten, sagte Zetsche. Währungseffekte und höhere Rohstoffkosten würden zusammengenommen rund 1,5 Milliarden Euro zusätzlich kosten, sagte Finanzchef Bodo Uebber. Der Ausblick sei vorsichtig, konstatierte J.P. Morgan-Analyst Jose Asumendi. Die Daimler-Aktie liegt gegen Mittag mit über 3 Prozent im Minus abgeschlagen am Dax-Ende.

Mitarbeiter müssen nicht gehen

Ein Stellenabbau sei bei den Sparmaßnahmen nicht geplant, sagte ein Sprecher. In der Quartalsmitteilung ist vielmehr die Rede von zusätzlichen Arbeitsplätzen. Für die Stammbelegschaft in Deutschland sind betriebsbedingte Kündigungen ohnehin ausgeschlossen. Leiden könnten allerdings die Leiharbeiter, die von Konzernen in der Regel eingesetzt werden, um flexibler produzieren zu können.

Sparprogramm ist nicht gerade neu

Schon 2017 hatte Daimler angekündigt, wegen hoher Entwicklungsinvestitionen in der Pkw-Sparte bis 2021 vier Milliarden Euro an Kosten sparen zu wollen. Hintergrund sind unter anderem die hohen Investitionen in die neuen Elektro-Modelle. In diesem Jahr kommt das erste Auto der neuen Marke EQC auf den Markt. Nach derzeitigem Stand sei Nachfrage so hoch, dass Daimler diese 2019 und auch 2020 nicht bedienen könne, sagte Zetsche.

Handelsstreit bleibt Belastungsfaktor

Neben der anhaltenden Debatte um Diesel und saubere Luft rechnet Zetsche auch weiter mit Belastungen aus dem Handelsstreit zwischen den USA und China. „Wir bereiten uns auf unterschiedliche Szenarien vor“, sagt er. Auch ein harter Brexit bliebe nicht ohne Folgen. Großbritannien ist Daimlers viertgrößter Autoabsatzmarkt.

LKW-Sparte rettet zumindest den Umsatz

Im vergangenen Jahr brach das auf die Aktionäre entfallende Ergebnis des Konzerns unterm Strich um 29 Prozent auf 7,25 Milliarden Euro ein. Auch beim operativen Ergebnis vor Zinsen und Steuern stand ein überraschend kräftiger Rückgang von 22 Prozent auf 11,1 Milliarden Euro. Die Erlöse konnte Daimler vor allem dank der Lastwagensparte um 2 Prozent auf 167,36 Milliarden Euro steigern.

„2018 ein Jahr mit starkem Gegenwind“

Daimler exportiert im US-Werk in Tuscaloosa (Alabama) hergestellte Geländesportwagen (SUVs) nach China – 2018 waren es mehr als 30 000 -, die höheren Zölle in China konnte Daimler nicht vollständig an die Kunden weitergeben. Hinzu kamen auch noch Kosten für Dieselrückrufe und für das früher verwendete Kältemittel R134a.

Einige Baustellen noch offen

Der neue Abgas- und Verbrauchsstandard WLTP belastete ebenfalls, weil nicht alle Modelle den Kunden angeboten werden konnten. Das führte im vergangenen Jahr zeitweise zu einem Rückgang der Autoverkäufe. Am Ende des Jahres verbuchte Daimler aber ein leichtes Absatzplus auf 2,4 Millionen Fahrzeuge der Marken Mercedes-Benz und Smart weltweit.

Ausblick haut nicht vom Hocker

In diesem Jahr soll neben Absatz und Umsatz auch der operative Gewinn leicht steigen. Gleichzeitig plant der Konzern weiterhin mit hohen Investitionen. 2019 sollen nicht nur die Flugtaxis des Start-ups Volocopter, an dem Daimler beteiligt ist, einen Testlauf starten. Außerdem testet der Autobauer zusammen mit Bosch im kalifornischen San José fahrerlose Shuttles.

Konzernstruktur verändert sich

Das laufende Jahr wird für den Konzern ein Jahr des Umbruchs. Auf der Hauptversammlung im Mai sollen die Aktionäre über die neue Struktur entscheiden. Autosparte, Lkw-Geschäft und Mobilitätsdienstleistungen sollen dann unter dem Dach einer Holding als rechtlich eigenständige Einheiten gesteuert werden. Das kostet Daimler in diesem Jahr zusätzlich einen mittleren dreistelligen Millionen-Euro-Betrag.

Neue Fantasie durch Börsengang?

Viele Experten rechnen damit, dass Daimler nach der Aufspaltung der Unternehmensteile die erfolgreiche LKW-Sparte an die Börse bringt. Sollten diese Pläne bekanntgemacht werden, dann dürfte die Aktie sicherlich davon profitieren. Bis dahin dürfte aber noch einige Zeit ins Land gehen und solange bleibt bei den Anlegern haften, dass bei Daimler aktuell Sand im Getriebe ist.

Von Markus Weingran

DAS WICHTIGSTE DER BÖRSENWOCHE – IMMER FREITAGS PER E-MAIL

Zum Wochenende die Top Nachrichten und Analysen der Börsenwoche!

Hier anmelden >>

Foto: Darren Brode / www.shutterstock.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kurs zu Hang Seng Index

  • 28.188,50 HKD
  • -0,29%
15.02.2019, 21:37, BNP Paribas Indikation

Derivate-Wissen

Sie glauben, der Kurs des "Hang Seng" steigt?

Mit Bonus-Zertifikaten können Sie an steigenden Index-Kursen teilhaben.

Erfahren Sie mehr zu Bonus-Zertifikaten