Das Ende der Gold-Rally?

Jessica Schwarzer

Keine Anlageklasse ist derart mit Emotionen beladen wie Gold. Die einen lieben es, die anderen hassen es. Nach einem langen Bärenmarkt haben Gold-Investoren gerade wieder gute Argumente. Nur wie lange noch?

Das Ende der Gold-Rally?

Beim Thema Gold kochen die Emotionen regelmäßig hoch. In Diskussionsforen, im persönlichen Gespräch und sogar in Leserbriefen geht es heiß her. Es gibt echte Gold-Fans, die kein Argument gegen die Anlageklasse gelten lassen. Und es gibt diejenigen, die diesen Investments nun wirklich gar nichts abgewinnen können. Die Argumente beider Seiten sind bekannt: Gold ist ein sicherer Hafen, eine Krisenwährung, diversifiziert das Risiko im Depot, sagen die einen. Gold ist eine spekulative Anlage, einzig getrieben von Angebot und Nachfrage, ohne festen Ertrag oder gar fairen Wert.

Und weil Gold so emotional diskutiert wird, funktioniert es auch irgendwie. In jüngster Vergangenheit stieg der Preis für das gelbe Edelmetall kräftig. Allein in den vergangenen drei Monaten kletterte die Notierung um knapp neun Prozent, in Dollar wohl gemerkt. Aus Sicht von einem Jahr dürfen sich die Goldanleger sogar über ein Plus von mehr als 25 Prozent freuen. In Euro stieg der Preis sogar um mehr als 34 Prozent.

Der jahrelange Bärenmarkt bei Gold scheint endlich zu enden. Eine ziemliche Überraschung übrigens. Denn noch im Herbst vergangenen Jahres hatten viele Analysten für Gold Kurse unter 1000 US-Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) prognostiziert. Mittlerweile notiert das Edelmetall bei rund 1500 Dollar. Wer den Verkaufsempfehlungen damals folgte, verpasste die Rally. Die Argumente der pessimistischen Analysten waren allerdings durchaus plausibel. Die US-Notenbank Fed erhöhte schließlich gerade die Zinsen, weitere Zinsschritte – nach oben wohlgemerkt – wurden erwartet. Das ist ein Umfeld, in dem Gold nicht unbedingt gefragt ist. Doch ihren Zinsanhebungszyklus hat die Fed längst beendet und wieder in den Krisenmodus geschaltet. Das hilft dem Goldkurs. Längst waren Stimmen zu hören, die die Notierung gar bei 2000 Dollar sehen.

In turbulenteren Zeiten mit jeder Menge Krisen, Konjunktursorgen und vor allem fallender Zinsen suchen Investoren eben einen sicheren Hafen. Marcel Müller, Leiter des Portfoliomanagements bei HQ Trust, dem Multi Family Office der Familie Harald Quandt, hat nachgerechnet, wie sich der Goldpreis in den Börsenkrisen seit dem Jahr 1987 entwickelt hat - und wie sich das Edelmetall in Zeiten fallender US-Realzinsen geschlagen hat. Sein Ergebnis: „Fallende US-Realzinsen waren in der Vergangenheit positiv für Gold, das zugleich auch ein guter Diversifikator in Krisenzeiten ist.“ In den vergangenen elf Krisenphasen seit dem Jahr 1987 stieg der Goldpreis um durchschnittlich 6,9 Prozent, während der S&P um 19,4 Prozent zurückging.

Langfristig entwickeln sich Aktien besser

Apropos S&P 500. Der breite amerikanische Aktienmarkt hat in den vergangenen Monaten nicht besonders gut performt. Das Kursplus ist marginal. Aber Aktien sind bekanntlich ein langfristiges Investment. Und mittel- bis langfristig schlägt diese Aktienklasse das gelbe Edelmetall um Längen. In den vergangenen drei Jahren ging es um knapp 40 Prozent aufwärts. Damit fuhren Aktionäre eine gut dreimal so hohe Rendite ein. In den vergangenen fünf Jahren legte der S&P gut 50 Prozent zu, Gold nur halb so stark. Und der S&P 500 ist bekanntlich ein Kursindex, Dividenden sind also nicht mitgerechnet. Argumente, die diejenigen anführen werden, die Gold als Geldanlage wenig abgewinnen können.

Gut möglich, dass Gold in den kommenden Monaten besser performt als Aktien – auch weil die Notenbanken kräftig in das Edelmetall investieren. Wichtiger ist aber wohl das Zinsumfeld. „Bei Phasen steigender US-Realzinsen konnte Gold im Durchschnitt um 2,2 Prozent pro Jahr zulegen, in Phasen fallender US-Realzinsen waren es 14,8 Prozent“, sagt Müller. „Ein negativer Realzins ist grundsätzlich ein positives Umfeld für Gold - hinzu kommen diverse ungelöste Risiken, bei denen sich Gold als Portfolioschutz bewährt hat.“

Mehr als eine Beimischung im Depot sollte es aber nicht sein! Bei aller Liebe zum gelben Edelmetall müssen Anleger auch langfristig denken, und dabei sollten Aktien die erste Wahl sein. Auch wenn Gold als Portfolioschutz funktioniert, dürfen Anleger die langfristige Rendite ihrer Geldanlage nicht aus dem Auge verlieren. Und vielleicht schaffen sie es ja sogar, weniger emotional auf das Thema Gold zu schauen.

Foto: Pixfiction / Shutterstock.com

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Expertenprofil
Jessica Schwarzer Jessica Schwarzer

Jessica Schwarzer ist eine der renommiertesten Finanzjournalistinnen Deutschlands. Die langjährige Chefkorrespondentin und Börsenexpertin des Handelsblatts (2008 bis 2018) arbeitet heute selbstständig als Journalistin und Moderatorin. Die gebürtige Düsseldorferin hat mehrere Bücher über die Psychologie von Anlegern und Investmentstrategien geschrieben. Zuletzt erschien ihr viertes Buch 'Hin und Her macht Taschen leer? Was die Börsenweisheiten von Kostolany, Buffett und Co. heute noch taugen - Teil 2’. Die deutsche Aktienkultur ist ihr eine Herzensangelegenheit, für die sich sie auch mit Vorträgen und Seminaren, und bei der Initiative finanz-heldinnen stark macht.

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