Dax: Umbau auf 40 Werte steht nun fest – Die Regeländerungen, mögliche Kandidaten und Auswirkungen auf die anderen Indizes

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Dax: Umbau auf 40 Werte steht nun fest – Die Regeländerungen, mögliche Kandidaten und Auswirkungen auf die anderen Indizes

Der Umbau ist beschlossen: Wie die Deutsche Börse heute bestätigt hat, wird der Dax von 30 auf 40 Mitglieder aufgestockt. Stattfinden soll die Umwandlung im September 2021. Zudem wird die Mitgliedschaft in der obersten deutschen Börsenliga an strengere Voraussetzungen geknüpft sein. Der erst vor wenigen Jahren auf 60 Unternehmen erweiterte Nebenwertdeindex MDax soll dann wieder auf 50 Firmen schrumpfen. Dem Kleinwerteindex SDax werden auch künftig 70 Werte angehören.

Entscheidung trifft nicht nur auf Zustimmung

Börsenchef Theodor Weimer hatte sich immer wieder für eine Vergrößerung des Leitindex eingesetzt. Während der US-Leitindex Dow Jones ebenfalls 30 Unternehmen umfasst, sind die meisten anderen Leitindizes größer. In Frankreich und Italien sind es 40 Werte, der EuroStoxx 50 als Leitindex der Euro-Zone enthält 50 Unternehmen. Bei Investoren, die sich bis Anfang November zu den im Oktober gemachten Vorschlägen äußern konnten, war die angedachte Vergrößerung durchaus umstritten. So hatte der Investor-Relations-Verband DIRK kritisiert, die „Verzwergung“ des MDax würde die Erfolgsstory des Nebenwerteindex nach 25 Jahren infrage stellen. Zudem würden künftig Unternehmen mit einem vergleichsweise geringen Börsenwert dem Dax angehören.

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Strengere Regeln

Zugleich zieht der Frankfurter Börsenbetreiber Konsequenzen aus dem Bilanzskandal um Wirecard. So werden Firmen aus ihren Auswahlindizes Dax, MDax, TecDax und SDax verbannt, wenn sie ihre Zahlenwerke nicht fristgerecht vorlegen – also drei Monate nach Geschäftsjahresende und 45 Tage nach Ablauf eines Quartals. Nach einer 30-tägigen Warnfrist führt ein Verstoß gegen diese Anforderungen unmittelbar zum Indexausschluss. Vorgeschrieben wird auch ein Prüfungsausschuss des Aufsichtsrats, der etwa die Rechnungslegung überwacht und Konsequenzen aus Regelverstößen zieht. Ein solches Gremium hatte der inzwischen insolvente Zahlungsabwickler erst im vergangenen Jahr eingerichtet. Diese Änderungen gelten ab März 2021. Für bestehende Mitglieder gibt es beim Thema Prüfungsausschuss eine Übergangsfrist bis September 2022.

Ab Dezember 2020 sollen nur noch nachweislich profitable Unternehmen in den Dax aufgenommen werden. Für eine Mitgliedschaft in der ersten Börsenliga müssen Unternehmen in den zwei Jahren vor dem Dax-Aufstieg einen operativen Gewinn (Ebitda) ausgewiesen haben – das hätte dem Essenslieferdienst Delivery Hero die Dax-Mitgliedschaft verwehrt. Die Regelung gilt nur für Dax-Aufsteiger, bestehende Mitglieder betrifft sie nicht. Dem MDax und SDax dürfen unprofitable Unternehmen weiter angehören.

Kandidaten für einen Aufstieg in den Dax sind unter anderem der Flugzeugbauer Airbus, die Software-Firma Bechtle, der Medizintechnikkonzern Carl Zeiss Meditec, die drittgrößte Rückversicherung der Welt, Hannover Rück, Hellofresh, Pharma- und Laborzulieferer Sartorius, Zalando und Siemens Healthineers.

ESG bisher kein Thema

Die vorgeschlagene Verbannung von Firmen, die an umstrittenen Waffen („controversial weapons“) beteiligt sind, findet sich nicht in den Regeländerungen. Das hätte Airbus getroffen, da eine Tochterfirma die Trägerraketen für französische Atomwaffen wartet. Viele Seiten hätten die grundsätzliche Frage aufgeworfen, ob Kriterien wie Nachhaltigkeit oder soziale und Governance-Aspekte bei der Auswahl der Dax-Mitglieder eine Rolle spielen sollten, sagte Stephan Flägel vom Indexanbieter Qontigo. „Deshalb werden wir den Austausch mit den Marktteilnehmern fortführen.“

"Dafür gibt es ja den Dax 50 ESG", so ein Marktteilnehmer in einer ersten Reaktion. Dieser Index wurde im Frühjahr für ökologisch orientierte Anleger eingeführt. Er bildet die Kursentwicklung der 50 größten und handelbarsten Aktien auf dem deutschen Markt ab, die auf Grundlage von ESG-Kriterien (Umwelt, Soziales und Unternehmensführung) als besonders nachhaltig eingeschätzt werden.

Die Index-Zusammensetzung überprüft die Börse künftig alle sechs Monate statt einmal jährlich im September regulär. Die nächste reguläre Dax-Überprüfung findet damit im März 2021 statt. Ausschlaggebend für den Auf- oder Abstieg sind künftig nur noch die Marktkapitalisierung des Streubesitzes, der Börsenumsatz soll keine Rolle mehr spielen. Stattdessen müssen Indexmitglieder eine Mindestliquidität aufweisen.

onvista/dpa-AFX/reuters

Titelfoto: Imagentle / Shutterstock.com

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