Dax unter Druck, Bitcoin rauscht ab und Infineon sieht Chipkrise 2023 überstanden – die wichtigsten News zum Börsenstart

onvista · Uhr (aktualisiert: Uhr)

Der jüngste Rutsch am deutschen Aktienmarkt hat sich am Montag fortgesetzt. Der Dax fiel in den ersten Handelsminuten um 0,68 Prozent auf 15 498,13 Punkte. Am Freitag hatte der deutsche Leitindex aufgrund zunehmender Zinsängste bereits knapp 2 Prozent eingebüßt. Der MDax verlor am Montagmorgen 0,58 Prozent auf 33 446,76 Zähler.

Immer mehr zum Belastungsfaktor für die Märkte wird der drohende militärische Konflikt zwischen Russland und der Ukraine. Angesichts der massiven Spannungen hat das US-Außenministerium mittlerweile die Familien von Diplomaten angewiesen, die US-Botschaft in Kiew zu verlassen. Eine Lösung scheint derzeit weit entfernt zu sein. „Für die Börsen bleibt eine Eskalation weiterhin ein ernst zu nehmender Risikofaktor“, warnte Marktexperte Timo Emden von Emden Research.

Bitcoin rauscht ab 

Die Lage am Markt für Kryptowährungen hat sich zum Wochenstart nach einer Talfahrt am Wochenende stabilisiert. Am Montagvormittag kostete ein Bitcoin etwas mehr als 35 000 US-Dollar. In den Tagen zuvor war die älteste und nach Marktwert größte Digitalwährung stark unter Druck geraten. Am Samstag war sie mit gut 34 000 Dollar auf einen halbjährigen Tiefstand gefallen. Am Donnerstag hatte sie noch fast 10 000 Dollar mehr gekostet.

Auch andere Kryptoanlagen wie die Nummer zwei am Markt, Ether, stabilisierten sich zu Wochenbeginn. Die derzeit rund 17 000 existierenden Digitaldevisen waren zum Wochenstart gut 1,6 Billionen Dollar wert. Vor dem jüngsten Sinkflug waren es noch mehr als zwei Billionen Dollar gewesen.

„Krypto-Assets blicken auf ein verlustreiches Wochenende zurück“, kommentierte Krypto-Experte Timo Emden. „Im Vorfeld der US-Notenbanksitzung bekommen Anleger zusehends kalte Füße.“ Hintergrund ist die Erwartung, dass sich die Federal Reserve bald mit Zinsanhebungen gegen die hohe Inflation stemmen dürfte. Steigende Zinsen sind gerade für besonders riskante Anlagen wie Digitalwährungen Gift, weil sie die Attraktivität sicherer und zinstragender Anlagen wie Staatsanleihen tendenziell steigern.

Belastet wurden Kryptoanlagen zuletzt auch durch die kritische Haltung der russischen Notenbank, die in der vergangenen Woche ein weitreichendes Verbot vorgeschlagen hatte. Die Zentralbank empfiehlt dem Gesetzgeber, die Verwendung von Digitalwährungen komplett zu verbieten. Betroffen wäre auch die Herstellung (Schürfen, Mining) von Kryptowerten, die durch komplizierte Rechnungen auf meist energieintensiven Rechenanlagen erfolgt. Russland gilt als eine der Hochburgen des Krypto-Schürfens. Der Prozess ist aufgrund seines hohen Energieverbrauchs stark in Verruf geraten.

Infineon: Nächstes Jahr ist die Chipkrise vorbei

Der Halbleiterhersteller rechnet spätestens im kommenden Jahr mit einem Ende der Chipkrise in der Autoindustrie. „Ich gehe davon aus, dass wir 2023 den Bedarf gut abdecken können. Bei Mikrocontrollern, die wir außer Haus fertigen lassen, werden wir 2022 noch eine starke Begrenzung haben“, sagte Infineons Automotive-Chef Peter Schiefer der „Automobilwoche“. Das zweite Halbjahr werde aber besser als das erste. Bei selbst hergestellten Produkten wie der Leistungselektronik und Sensoren gebe es heute zum Teil schon keine Engpässe mehr. „Und wir werden bis zum Sommer weitestgehend lieferfähig sein. Die letzten Themen werden 2023 gelöst werden.“

Durch die Lieferengpässe habe sich die Zusammenarbeit mit den Fahrzeugherstellern gewandelt. „Wir diskutieren auch Modelle, wie wir mittelfristig Kapazitätsreservierungen anbieten können. Das machen wir für ausgewählte Segmente.“ Eines davon sei die E-Mobilität. Zugleich kündigte Schiefer eine deutliche Erweiterung der Produktion, etwa in Österreich, an: „Wir werden unsere Kapazitäten stark ausbauen und beispielsweise in Villach investieren, um dem wachsenden Bedarf im Bereich Siliziumkarbid gerecht zu werden.“

Commerzbank: Probleme in Polen?

Die Commerzbank stellt sich wegen der Unsicherheit rund um Fremdwährungskredite in Polen auf eine weitere Belastung ein. Die polnische Konzerntochter mBank habe Ende 2021 zusätzliche Rückstellungen in Höhe von umgerechnet rund 436 Millionen Euro vorgenommen, teilte das Frankfurter Geldhaus am Freitagabend mit. In dieser Höhe werde auch das operative Ergebnis der Commerzbank im vierten Quartal belastet. Dennoch rechnet das Management um Vorstandschef Manfred Knof für das Gesamtjahr 2021 unter dem Strich weiterhin mit schwarzen Zahlen. Die Commerzbank-Aktie geriet dennoch unter Druck, der Kurs sackte auf der Handelsplattform Tradegate in einer ersten Reaktion um mehr als drei Prozent ab.

Von dem MDax-Konzern selbst befragte Analysten waren Mitte November für 2021 im Schnitt von einem operativen Ergebnis in Höhe von 1,2 Milliarden und einem Überschuss von 163 Millionen Euro ausgegangen. Bei den nun gebildeten Rückstellungen geht es um von der mBank vergebene Kredite, die an Fremdwährungen gebunden sind.

Tui: Langsam beginnt die Ernte

Der weltgrößte Reisekonzern sieht sich fast zwei Jahre nach Ausbruch der Corona-Pandemie auf Kurs. „Wir sind weiterhin zuversichtlich, dass das, was wir in den vergangenen knapp zwei Jahren gesät haben, aufgehen wird“, sagte Finanzvorstand Sebastian Ebel der „Börsen-Zeitung“. Auch die Änderungen im Corona-Management in England stützten diese Erwartungen, seitdem belebe sich das Buchungsaufkommen dort stark. Premierminister Boris Johnson hatte für den größten Landesteil ein Ende aller Corona-Maßnahmen angekündigt.

Diese „sehr positive Entwicklung“ in England ermutige das mit staatlichen Milliardenhilfen gestützte Unternehmen in seiner Erwartung, Umsatz und operatives Ergebnis im laufenden Geschäftsjahr deutlich zu verbessern, sagte Ebel. Das zeige sich auch an der Entwicklung des Aktienkurses, seit Vorlage der Bilanz 2020/2021 im Dezember habe die Tui an der Londoner Börse deutlich zugelegt.

Um die Tui vor dem Aus zu retten, hat der deutsche Staat rund vier Milliarden Euro an Kapital und Krediten zur Verfügung gestellt. Vorstandschef Fritz Joussen wagte bei der Vorlage der Bilanz im Dezember eine optimistische Prognose: „Wir erwarten für den Sommer 2022 und die Hauptreisezeit die Rückkehr zu einem Buchungsniveau in etwa wie vor Corona 2019.“ Dabei schloss der Manager eine weitere Kapitalerhöhung nicht aus. Die Hannoveraner hatten erst im Herbst 1,1 Milliarden Euro mit einer erneuten Kapitalerhöhung hereingeholt.

Nach Ebels Worten will sich der Konzern auf dem Weg zu einem besseren operativen Ergebnis „mit eigenen Investitionen in den kommenden Jahren stark zurückhalten“. In der Pandemie seien aber nicht nur Kostensenkungen wichtig, sagte er der Zeitung. Man wolle „kapitalschonend“ wachsen – und Investitionen künftig mit Partnern in Gemeinschaftsunternehmen oder über Hotelfonds angehen.

Philips neue Ziele helfen der Aktie nicht

Der Medizintechnikkonzern  will nach der Umsatz- und Gewinndelle im vergangenen Jahr 2022 wieder wachsen. So geht das Management um Konzernchef Frans van Houten von einem Umsatzplus aus eigener Kraft von drei bis fünf Prozent aus, wie der niederländische Konkurrent von Siemens Healthineers am Montag in Amsterdam mitteilte. Die bereinigte operative Marge (Ebita) soll sich um 0,4 bis 0,9 Prozentpunkte verbessern. Dabei erwartet das Unternehmen einen sinkenden Umsatz im ersten Quartal und eine starke zweite Jahreshälfte. Für die Aktionäre kündigte Philips eine Dividende auf dem Vorjahresniveau von 0,85 Euro je Aktie an, zahlbar in bar oder Aktien.

Die Bilanz des Unternehmens war 2021 wegen hoher Rückstellungen im Zusammenhang mit einem Rückruf bestimmter Schlaf- und Beatmungsgeräte sowie Problemen in der Lieferkette belastet worden. Der Umsatz sank um ein Prozent sowohl nominal als auch auf vergleichbarer Basis auf rund 17,2 Milliarden Euro. Darin ausgeklammert sind Währungs- und Portfolioeffekte. Die bereinigte Ebita-Marge verschlechterte sich von 13,2 auf 12,0 Prozent. Das laufende Programm zur Reparatur und zum Austausch der problematischen Geräte soll im vierten Quartal abgeschlossen werden, hieß es. Bei den Produkten war festgestellt worden, dass sich ein Teil aus Polyurethanschaum zersetzen und giftig werden könnte.

Unter dem Strich verblieb hingegen ein deutlich höherer Nettogewinn von 3,3 Milliarden Euro, nach knapp 1,2 Milliarden im Vorjahr. Hier profitierte Philips vom Verkauf seiner Haushaltsgerätesparte. Das Unternehmen hatte bereits Mitte Januar vorläufige Zahlen vorgelegt.

Redaktion onvista / dpa-AFX

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