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Der Bitcoin ist tot – es lebe die Blockchain

Fundresearch
Der Bitcoin ist tot – es lebe die Blockchain

Die Bitcoin-Blase ist geplatzt. Das darf man wohl so sagen. Ein Bitcoin kostet aktuell noch knapp 3.400 Euro - Stand jetzt. Während des Lesens dieses Artikels könnte sich das schon wieder geändert haben und der aktuelle Kurs vielleicht schon unter 3.000 Euro liegen. Beim Bitcoin ist alles möglich - außer einem großartigen Comeback der einstmals gefeierten virtuellen Währung. Auf dem Höhepunkt des Hypes kostete ein Bitcoin fast 17.000 Euro. Das ist ziemlich genau ein Jahr her.

Seitdem ist die Euphorie vieler Anleger der nüchternen Einsicht gewichen, dass der Bitcoin keine Alternativwährung, sondern ein Zockerinstrument ist. Lange Zeit wurden die ökonomischen, ökologischen, technischen und rechtlichen Schwächen ignoriert. Jetzt, da statt Überschwang die Angst vor weiteren Verlusten regiert, werden die kritischen Töne lauter und die Fehlerkette offensichtlich:

Ökologisch und ökonomisch ist der Bitcoin mittlerweile eine Katastrophe. Das „Schürfen“ von neuen Bitcoins etwa ist enorm rechenintensiv. Bitcoin-Farmen mit Tausenden von Rechnern verbrauchen enorm viel Strom. Deshalb stehen viele davon in China, wo alte Kohlekraftwerke ihre Energie-Überkapazitäten gerne billig an die Bitcoin-Farmen verkaufen. Ein Großteil der weltweiten virtuellen Geldproduktion erzeugt schwarze, rußige Rauchwolken. Das ist eine bittere Wahrheit. Es geht dabei nicht um Peanuts: Die Rechner, die den ganzen Tag nichts anderes tun, als mit viel Rechenaufwand Bitcoins zu produzieren, verbrauchen mittlerweile jährlich rund 40 Terrawattstunden Strom. Das entspricht in etwa dem Stromverbrauch Ungarns. Da das Schürfen von Bitcoins immer teurer wird, haben die ersten Bitcoin-Farmen schon aufgegeben. Der Strom, um neue Bitcoins zu schürfen, ist mittlerweile teurer als der mögliche Ertrag durch den Verkauf der Bitcoins.

Von der technischen Seite her ist die wohl größte Schwäche das Thema Sicherheit. Bitcoins werden in sogenannten Wallets verwaltet. Das sind virtuelle Portemonnaies. Diese sind anonym und werden durch Passworte gesichert. Das beinhaltet für die Besitzer einer Wallet mehrere Risiken: Vergessen sie Kennworte oder wissen nicht mehr, wo sie sie notiert haben, gibt es niemanden, den sie anrufen können, um ihr Geld wiederzuerlangen. Das Geld ist plötzlich unerreichbar für seinen Besitzer. Gelingt es einem Kriminellen, eine Wallet zu hacken oder das Passwort zu stehlen, ist das Geld ebenfalls weg. Ein wesentlicher technischer Mangel ist auch die Geschwindigkeit. Das Bitcoin-System ist einfach zu langsam, um viele Geld-Transfers in großem Umfang innerhalb kurzer Zeit zu ermöglichen. Als Alternativwährung ist der Bitcoin schon deshalb völlig ungeeignet.

Rechtlich ist die Anonymität der Wallets ein weiteres Problem: Besitzrechte, Steuern, juristische Nachvollziehbarkeit, Erbschaftsrecht - es gibt viele offene Fragen, die alle nicht geklärt sind. Es ist abzusehen, dass die Behörden hier irgendwann regulatorisch eingreifen. Für Nutzer und potenzielle Anleger ist das ein Risiko.

Die Währung ist tot, die Blockchain lebt

Der Bitcoin ist zwar mit den Hoffnungen, die Anleger auf ihn gesetzt haben, überfordert worden. Doch die dahinter liegende Technologie hat Zukunft. Die Entwicklung der Blockchain- und anderer sogenannter Distributed-Ledger-Technologien (DLT) wird weiter vorangetrieben. Solche DLTs bauen auf der Idee auf, Computersysteme dezentral miteinander zu vernetzen, um bei Transaktionen zu einer verbindlichen Übereinkunft über die Reihenfolge und die Gültigkeit der jeweiligen Transaktion zu kommen. Ist eine Transaktion bestätigt, werden die Daten auf allen beteiligten Computersystemen aktualisiert. Es sind zeitkritische Verfahren, die viel Rechenpower, schnelle Datenleitungen und viel Transport-Kapazität auf den vorhandenen Leitungen erfordern.

Spätestens mit der breiten Umsetzung der 5G-Technologie könnten DLTs zum großen Sprung ansetzen und zur Schlüsseltechnologie moderner Wirtschaft werden. So könnten etwa E-Autos über Induktionsflächen an Ampeln, die eine Stromtankstelle bieten, Strom selber tanken und bezahlen, Echtzeitüberweisungen wären nicht mehr die Ausnahme, sondern die Regel. Jedes „Ding“ hätte seine eigene Funktions- und Handelsfähigkeit. Zentrale Verwaltungsstellen wie Banken oder Börsen würden vermutlich sogar überflüssig. So viel steht schon fest: DLTs werden in alle privaten und öffentlichen Lebensbereiche eingreifen. Die Umwälzungen sind bereits zu erahnen: So möchte das Wissenschaftsministerium in Südkorea das Wahlsystem auf dezentrale Beine stellen, und Malaysia liebäugelt mit einer eigenen Krypto-Währung.

Allerdings müssen auch solche Technologien Regeln unterliegen, die als allgemeinverbindlich gelten. Konkurrierende DLTs mit inkompatiblen Regeln würden mehr Probleme als Lösungen schaffen. Darin sind sich die Vertreter von Wirtshaft und Politik ausnahmsweise einig. Malaysia zum Beispiel arbeitet an einer Krypto-Regulierung, in enger Zusammenarbeit zwischen Finanzministerium und malaysischer Notenbank. In Südkorea sollen durch das E-Voting die sogenannten Mittelsmänner abgeschafft werden, die - ähnlich wie in den USA die Wahlmänner - bisher eine wichtige Rolle im Wahlsystem spielen.

Auch in Brüssel hat man die Möglichkeiten der Blockchain-Technologie und den Bedarf an Regulierung erkannt. Deshalb will die Europäische Kommission nun mit der International Association for Trusted Blockchain Applications (kurz: IATBA) zusammenarbeiten.

Ein Konsortium aus Privatunternehmen und Politikern soll Europas Weg in die dezentralisierte Zukunft ebnen. Unter dem Motto „Industrien zusammenbringen, damit Europa bei Blockchain-Technologien führend wird“ hat sich bereits am 20. November in Brüssel ein runder Tisch zusammengefunden. Neben Industrievertretern nahmen unter anderem der EU-Kommissar für Digitale Wirtschaft und Gesellschaft, Mariya Gabriel, und Roberto Viola, der Generaldirektor für Kommunikationsnetze, Inhalte und Technologien, an den Treffen teil.

Schon am Folgetag, dem 21. November, wurde die Gründung des Interessenverbunds „International Association for Trusted Blockchain Applications“ verkündet. Treibende Kraft sind Unternehmen wie die spanischen Banken BBVA und Santander. Der Unternehmensverbund will eng mit den europäischen Regulatoren zusammenarbeiten. Das erklärte Ziel der Kooperation ist dabei, günstige Rahmenbedingungen für die Entwicklung der Blockchain- und Distributed-Ledger-Technologie zu schaffen. Nur so könne Europa seine Führungsrolle in diesem Bereich behaupten.

China ist bereits einen Schritt weiter: Die Regierung mischt sich immer offensiver ein, wenn es um Finanztechnologie geht. So hat die chinesische Finanzaufsicht zuletzt eine Warnung vor Security Token Offerings (STO) ausgesprochen. Dabei handelt es sich um den Handel mit Unternehmensanteilen. STOs sollen angeblich mehr Sicherheiten bieten, als es etwa bei ICOs der Fall ist, die nicht den besten Ruf genießen. Oft wurden ICOs verkauft, ohne dafür Leistungen zu erbringen. Trotz anderer Technik ist das auch bei STOs nicht ausgeschlossen.

Fazit: Es sind oft nicht die Techniken, die reguliert werden müssen, sondern die Handlungen der Menschen, die sie anwenden.

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