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Der Schock steckt noch in den Gliedern

Holger Scholze

Nach dem „schwarzen Montag“ lecken viele Investoren ihre Wunden. Der durch die weltweiten Börsenturbulenzen ausgelöste Schock muss nun erst einmal überwunden werden. Wichtig hierfür ist ruhiges Durchatmen und Besonnenheit. Dann sollte das angeknackste Vertrauen wieder an Stabilität gewinnen.

Einbruch hat vieles bereinigt

Wie bei einem heftigen Gewitter wurden die Finanzmärkte am Montag von gigantischen Verkaufswellen überzogen. Es blitzte und donnerte an allen Ecken. Viele Marktteilnehmer standen geradezu unter Schock. Da kamen viele Ängste zusammen. Doch wenn das hervorgerufene Herzrasen erst einmal in einen normalen Takt übergegangen ist, kehrt auch die Vernunft der handelnden Personen zurück. Dann zeigt sich - wie so oft - die reinigende Wirkung solch eines „Naturereignisses“.

Bestandsaufnahme

Um einen tiefen Einblick in die Stimmungsklage der Börsianer zu erhalten, tausche ich mich regelmäßig mit Privatanlegern und Profis aus. Deren Meinungen und Einschätzungen sind für mich von großem Wert.

Ein deutscher Analyst in London fasste die Lage in wenigen Sätzen wie folgt zusammen: „Ich bin im Moment ziemlich pessimistisch. Aber man lässt sich eben auch leicht anstecken von den vielen negativen Berichten überall. Die Wirtschaft in den USA läuft gut. In Europa ist es OK. Die niedrigen Energiepreise helfen weiter. Die Zinsen sind tief. Also eigentlich wäre alles super für Aktien. Ich kann aber nicht gut einschätzen, wie exportabhängig die Konjunktur wirklich ist. China wird sich weiter abkühlen, falls es nicht komplett kollabiert. Und Asien hängt stark von China ab. Südamerika ist ziemlich am Boden bei diesen Rohstoffpreisen. Und ich sehe da im Moment nicht, wo die Erholung herkommen soll. Währungen sind auch ein Problem für Exporteure. Aufgrund dessen weiß ich nicht, welche Aktien ich kaufen sollte. Autos nicht, Banken nicht, Industrie nicht, Chemie wahrscheinlich auch nicht. Aber was dann? Vielleicht Internet- oder andere Technologiewerte. Ich bin noch auf der Suche nach guten Ideen. Insgesamt fühlt sich der Markt sehr fragil an. Ja es fühlt sich so an, wie vor einem richtigen Crash. Irgendwie scheinen alle nur auf weitere künstliche Unterstützung von Notenbanken oder Regierungen zu warten.“

Daran erkennen Sie schon, dass es derzeit äußerst schwierig ist, die Situation fundamental zu greifen. Kein Wunder also, dass die aktuellen Meinungen hauptsächlich von technischen Analysten geprägt werden, die nun aus den Charts und damit aus historischen Vergleichen ihre neuen Kursziele berechnen. Und das hat ja durchaus auch seine Berechtigung. Denn Börsianer brauchen nun vor allem Orientierung. Aber lassen sie sich auch hier durch die vielen Meinungen nicht verwirren. Befragen Sie lieber Ihren eigenen gesunden Menschenverstand!

Alle Augen nach Jackson Hole

Heute beginnt das Symposium der wichtigsten Notenbanker der Welt in der Abgeschiedenheit von Jackson Hole. Wir werden also an den bevorstehenden zwei Tagen viele interessante Statements von dort hören, welche die Bewegungen des Marktes stark prägen sollten.

Japans Zentralbankchef Haruhiko Kuroda hat sich vorab schon einmal für eine baldige Zinserhöhung der US-Notenbank (Fed) ausgesprochen. Das würde die Zuversicht der amerikanischen Währungshüter signalisieren, dass die wirtschaftliche Erholung in den USA stark und robust ist. Na klar! Das wäre auch ganz im Interesse der Japaner, würde es doch exportstarken Unternehmen wie Sony Rückenwind verleihen. Aber da gibt es eben auch viele andere Interessen. Die Chinesen haben ihre Geldpolitik am Dienstag bereits erneut gelockert. Und von der Fed erwarte ich eine Verschiebung der geplanten Zinsanhebung.

Möglicherweise erleben wir in Jackson Hole in diesem Jahr heftige Diskussionen wie schon lange nicht mehr. Aber vielleicht sind Notenbanker auch aus einem ganz anderen Holz geschnitzt. Auf jeden Fall sind sie immer für Überraschungen gut. Und auf diese sollten Sie gefasst sein!

Perspektiven für den DAX

Eine kurzfristige Erholung bis in den Bereich von 10.300 Punkten halte ich für wahrscheinlich. Eine fortlaufende Bewegung bis in den Bereich von 10.500 Zählern ist ebenfalls sehr gut vorstellbar. Spätestens dann könnte aber erneut stärkerer Verkaufsdruck aufkommen. Für mittel- bis langfristig orientierte Investoren am Aktienmarkt sind das für mich im Moment jedoch klare Kaufkurse. Mit kurzfristigen Rückschlägen müssen wir aber weiterhin rechnen.

Ihr Holger Scholze

Hinweis: Die Inhalte der Kolumnen dienen ausschließlich der Information und stellen weder eine Anlageberatung oder sonstige Empfehlung im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes dar noch sind sie als Zusicherung etwaiger Kursentwicklungen zu verstehen. Die geäußerten Ansichten geben allein die Meinung des jeweiligen Autors wieder. Für den Inhalt der Kolumne ist allein der jeweilige Autor verantwortlich.
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Expertenprofil
Holger Scholze Holger Scholze TV-Börsen­korrespondent & Moderator

Holger Scholze ist freiberuflicher TV-Börsenkorrespondent & Moderator. Er pendelt seit März 2002 regelmäßig zwischen seinem Lebensmittelpunkt Dresden und dem Finanzplatz Stuttgart, um von dort live für den Nachrichtensender n-tv sowie Börse Stuttgart TV zu berichten. Die jeweils aktuelle Marktsituation analysiert Holger Scholze aber auch in Schalten mit dem Deutschen Anleger Fernsehen oder diversen Radiostationen.

Darüber hinaus hält er Vorträge und schreibt für verschiedene Zeitungen, Zeitschriften und Internetdienste Artikel zu den Themenschwerpunkten Wirtschaft und Börse. So gehört Holger Scholze seit dem Sommer 2013 auch zu den fünf „OnVista-Kolumnisten“. Auch bei Podiumsdiskussionen oder Gesprächsrunden führt er regelmäßig durchs Programm. Zudem ist Holger Scholze bei ausgewählten Veranstaltungen oder Gala-Abenden als Moderator anzutreffen.

Holger Scholze engagierte sich bereits während seines BWL-Studiums ab 1996 in der Interessengemeinschaft Börse an der TU Dresden, war dort auch Vorstandsvorsitzender sowie Beirat und ist seit 2007 Ehrenmitglied des Vereins.
Von 1997 bis 2002 arbeitete er in der Projektleitung des damals in ganz Deutschland simultan stattfindenden Aktionstag Börse International und hatte maßgeblichen Anteil am Erfolg dieser Großveranstaltungen. 1999 und 2000 war Holger Scholze im Vorstand des Bundesverbandes der Börsenvereine an deutschen Hochschulen und später in dessen Beirat tätig. Noch heute unterstützt er tatkräftig die Arbeit der größten nichtpolitischen Studenteninitiative Deutschlands.
Außerdem konnte Holger Scholze in der Wertpapierabteilung und im Private Banking der HypoVereinsbank, im Fondsmanagement der Activest Luxembourg und durch weitere Tätigkeiten bei renommierten Gesellschaften im In- und Ausland vielfältige Erfahrungen sammeln.

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