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Der TeamViewer-Börsengang: Ein IPO mit gewissen Risiken und gewaltigen Chancen

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Einer der spektakulärsten deutschen Börsengänge des Jahres steht in den Startlöchern: TeamViewer, ein turboschnell und hochprofitabel wachsendes Softwareunternehmen. Die Bewertung wirkt zwar auf den ersten Blick ambitioniert, aber trotzdem könnte es sich lohnen, hier frühzeitig dabei zu sein.

Der TeamViewer-Börsengang: Ein IPO mit gewissen Risiken und gewaltigen Chancen

Vom bescheidenen Online-Tool zum Welterfolg

Als ein Softwarevertriebler vor 15 Jahren die Nase voll hatte vom Klinkenputzen, entwickelte er kurzerhand eine Lösung, um den eigenen Bildschirminhalt in Echtzeit beim potenziellen Kunden anzuzeigen. Das bescheidene, aber hocheffektive Werkzeug wurde - auch dank der kostenlosen Version für den Privatgebrauch - zu einem weltweiten Erfolg.

Über die Jahre wurde die Funktionalität kontinuierlich erweitert und die Nutzergruppen erstrecken sich nun über alle Unternehmensgrößen und Kontinente hinweg. Heute decken die Lösungen die Schlagworte „Cloud“, „SaaS“, „Collaboration“, „Internet der Dinge“ (IoT), „Mustererkennung“ und „Augmented Reality“ ab.

Man sieht also schon, dass die Finanzinvestoren von Permira sich im Vorfeld des Börsengangs umfassend Mühe gegeben haben, die Tochter hübsch zu machen. Als kritische Investoren dürfen wir uns davon nicht blenden lassen. Kann das Unternehmen tatsächlich ein gestaltender Treiber dieser Trends sein?

Risiken unter der Lupe

In Teilbereichen der Geschäftstätigkeit stößt TeamViewer auf starke Konkurrenz. Da die Software auch zur Kommunikation und Kollaboration genutzt wird, gehört beispielsweise Zoom dazu, das ebenfalls ambitionierte Expansionspläne hat und stärker in das Kerngeschäft von TeamViewer vordringen könnte. Auch mit Microsoft und ähnlichen Giganten ist zu rechnen.

Zudem besteht aufgrund der Funktionsweise der Software eine gewisse Abhängigkeit gegenüber Softwarepartnern und den Betriebssystemanbietern. Sollten diese die Kooperation kündigen oder gar Schnittstellen einschränken, sodass die sichere Funktion nicht mehr gewährleistet werden kann, dann bekommt TeamViewer Probleme.

Zudem weist das Management auf die Dynamik des Kerngeschäfts hin. Es sei nicht immer leicht, die Trends richtig zu deuten und folglich die Entwicklungsanstrengungen in eine Richtung zu lenken, die das Unternehmen an der Spitze hält. Fehlinvestitionen könnten TeamViewer also deutlich zurückwerfen. Daneben ist auch an Cyberkriminalität zu denken.

Es gibt also definitiv einige valide Punkte, über die man vor einem Investment nachdenken sollte. Nichts davon ist jedoch außergewöhnlich für Cloud-Unternehmen. Am wichtigsten erscheint mir daher, was die Forschung und Entwicklung in der Pipeline hat.

Wachstumstreiber unter der Lupe

Das bisherige Wachstum ist ausgesprochen beeindruckend und die ständige Erschließung neuer Umsatzströme erinnert stark an Unternehmen wie beispielsweise Wirecard. Heute nennt TeamViewer gewaltige Zahlen wie zum Beispiel über 2 Milliarden Installationen der Software, über 340 Millionen aktive Nutzer und 360 Tausend zahlende Kunden in 180 Ländern, die sich bisher als sehr treu erwiesen haben und die Nutzung viral steigern.

Das Management gibt sich überzeugt, dass das Ende der Fahnenstange im Kerngeschäft noch lange nicht erreicht sei. So fokussiert es sich zum Beispiel stark darauf, kontinuierlich neue Anwendungsfälle zu identifizieren und deren Potenzial durch Verbesserungen des Leistungsumfangs auszuschöpfen. Zudem gelingt es nun immer besser, Großkunden zu gewinnen.

Sehr spannend ist daneben, wie die Fähigkeiten, entfernte PCs zu steuern auf das Internet der Dinge übertragen wurden. Hier entwickelt sich ein Markt, der vom Volumen her vielleicht um ein Vielfaches größer sein wird. Bereits jetzt stellt TeamViewer in einer Kooperation mit Bosch und Dell ein ausgefeiltes Starter-Kit zur Verfügung, womit kleinere Projekte besonders unkompliziert umgesetzt werden können. Schon in Kürze sollen auch die Konfiguration und der Betrieb von sehr großen IoT-Installationen möglich sein.

Mittel- bis langfristig ist zudem eine weitere Öffnung der gesamten Plattform vorgesehen, sodass Drittanbieter leichter mit ihren Erweiterungen andocken können, ähnlich wie es Salesforce.com und andere vorgemacht haben. Was das Thema „Augmented Reality“ angeht, hat man offenbar ebenfalls noch eine Menge vor: gemeinsames Erleben, interaktive Onlinekurse und vieles mehr soll dann möglich sein.

Die Schlagworte sind aus meiner Sicht keine leeren Hüllen. Das Fundament ist stark und darauf aufbauend lassen sich viele aussichtsreiche Dinge realisieren. TeamViewer nutzt diese Potenziale konsequent.

Was TeamViewer wirklich wert ist

Eine klasse Kennzahl bezieht sich auf die Kundengewinnungskosten im Verhältnis zum Wert, den ein Neukunde im Laufe seiner Beziehung zum Unternehmen hat. Hier gibt TeamViewer einen Multiplikator von 30 an, was bedeutet, dass für jeden Euro, der in Vertrieb und Marketing investiert wird, 30 Euro zurückfließen. Der große Vorteil gegenüber vielen anderen SaaS-Unternehmen besteht darin, dass die eigene Software auch heute noch den Vertrieb tatkräftig unterstützt - und zwar dank datengetriebener Algorithmen noch viel effektiver als in den Anfangsjahren.

Der große Kundennutzen bei einem relativ geringen Preis eröffnet auch gute Chancen, den Umsatz pro Kunden durch zusätzliche Leistungen zu steigern. Im ersten Halbjahr 2019 stiegen die Erträge auf 181 Mio. Euro bei einer traumhaften operativen Marge von 50 %.

Allerdings steht auch ein Minus von 161 Mio. Euro Eigenkapital in der Bilanz, das aus angehäuften Verlusten aus den Vorjahren resultierte und je Aktie -0,81 Euro ausmacht. Im Vermögen entfallen zudem 590 Mio. Euro auf Firmenwerte (Goodwill), während sich die Finanzschulden zum 30. Juni auf 632 Mio. Euro summierten. Zwar fließt der IPO-Erlös den Eigentümern zu, aber diese haben noch kurz zuvor in einem komplexen Deal Fremdkapital in Eigenkapital gewandelt, sodass die Bilanz wohl immerhin mit schwarzen Zahlen starten kann.

Wichtiger bei SaaS-Unternehmen sind jedoch sowieso das Wachstum und die Margenentwicklung, und an dieser Front sieht es ausgezeichnet aus. Nach voraussichtlich über 300 Mio. Euro in diesem Jahr könnte schon mittelfristig mehr als 1 Mrd. Euro Umsatz generiert werden, wovon dank der guten Skalierbarkeit des Geschäftsmodells weiterhin zumindest ein Viertel als Nettogewinn bleiben sollte.

Gelingt es also, wie vom Management erwartet, eine Wachstumsrate von rund 35 % über einige Jahr aufrechtzuerhalten, dann müssten sich aus meiner Sicht schon 2023 über 250 Mio. Euro Gewinn ergeben, also 1,25 Euro pro Aktie. Die aufgerufenen 27,50 Euro würden dann nicht mehr so wahnsinnig teuer wirken. Trotz der hohen Marktkapitalisierung von wohl über 5 Mrd. Euro gibt es folglich noch viel Luft nach oben, wenn es auf lange Sicht gut läuft. Klar ist aber auch, dass wir die Risiken nicht ignorieren dürfen und die schwache Bilanz Abschläge erforderlich macht.

Insgesamt sehe ich den Börsengang jedoch positiv, weil hier jede Menge positive Wechselwirkungen am Werk sind, die das Wachstum auf viele Jahre hinaus antreiben könnten, um einen echten Software-Champion made in Germany zu schaffen.

Ist dies die nächste Wirecard?

Wirecard stieg um fast 2.000 %. Jetzt gibt es einen aussichtsreichen „Nachfolger“, der schon bald die Spitze einnehmen könnte. Erst im vergangenen Jahr kam die Aktie an die Börse. Mit +49 % Umsatz-Wachstum (2018) und einer traumhaften Marge von 52 % (vor Steuern und Abschreibungen) fasziniert das Unternehmen die Analysten, während seine Plattform die Internet-Händler in der ganzen Welt mit der besten Performance begeistert und so bereits über 3 Milliarden Menschen erreicht. Wächst hier ein ganz neuer Tech-Gigant heran? Alle Details liest du hier:

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. Teresa Kersten arbeitet für LinkedIn und sitzt im Vorstand von The Motley Fool. LinkedIn gehört zu Microsoft. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Microsoft, Salesforce.com und Zoom Video Communications. The Motley Fool besitzt die folgenden Optionen: Long Januar 2021 $85 Calls auf Microsoft und Long Januar 2021 $100 Calls auf Salesforce.com.

Motley Fool Deutschland 2019

Foto: Getty Images

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