Deutsche Bank holt Sigmar Gabriel in den Aufsichtsrat

Reuters

Frankfurt (Reuters) - Überraschende Personalie bei der Deutschen Bank: Das krisengeschüttelte Geldhaus holt den früheren SPD-Chef und Ex-Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel in den Aufsichtsrat.

Er folgt auf Jürg Zeltner, der sein Mandat Ende des vergangenen Jahres niedergelegt hat, wie die Deutsche Bank am Freitag mitteilte. Zeltner wurde erst im Sommer in das Gremium berufen, die Finanzaufsicht lehnte ihn aber wegen Interessenskonflikten ab. Gabriel werde zunächst gerichtlich bestellt und stehe bei der nächsten Hauptversammlung im Mai zur Wahl.

"Mit einer nun klaren Strategie und ihrem starken Führungsteam hat die Deutsche Bank als eine der wichtigsten Finanzinstitutionen in Europa die Chance und die Verantwortung, die Zukunft der deutschen und europäischen Wirtschaft mit zu gestalten. Dazu möchte ich einen Beitrag leisten", erklärte Gabriel. Der 60-Jährige war von Dezember 2013 bis März 2018 Vizekanzler der Bundesrepublik und gehörte dem Kabinett von Kanzlerin Angela Merkel neun Jahre lang an.

Mit der Berufung endet für die Deutsche Bank eine monatelange, schwierige Personalsuche. Die EZB und die Bafin hatten Zeltner abgelehnt, weil sie Interessenskonflikte wegen seiner Position als Chef und Investor bei der Luxemburger Privatbankengruppe KBL sahen, die vom Deutsche-Bank-Großaktionär Katar kontrolliert wird. Das Anrecht auf die Besetzung des Aufsichtsratspostens hatte Katar, die über zwei Fonds mehr als sechs Prozent an der Deutschen Bank halten.

Gabriel sei von Aufsichtsratschef Paul Achleitner vorgeschlagen worden, sagte eine mit der Sache vertraute Person. Von den Aufsichtsbehörden habe man sich im Vorfeld grünes Licht geholt. Die Deutsche Bank wollte sich dazu nicht äußern. Gabriel hat bereits Erfahrung bei einer Bank gesammelt. Er gehörte von 2005 bis 2009 dem Verwaltungsrat der staatlichen Förderbank KfW an und hat das Gremium zeitweise auch geleitet.

Die Deutsche Bank steckt mitten im größten Umbau ihrer Firmengeschichte, dem weltweit 18.000 Jobs zum Opfer fallen. 2019 hat die Bank deswegen den fünften Jahresverlust in Folge eingefahren. Details zum Geschäftsverlauf will das Institut am kommenden Donnerstag vorstellen.

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