Für einen optimalen Ausdruck erlauben Sie bitte den Druck von Hintergrundfarben und -bildern

Deutschland wird Weltmeister?!

Stefan Riße

Unser Leben wird mittlerweile von Algorithmen bestimmt.  Online-Werbung und Seiten wie Facebook und Google sind so gesteuert, Gesundheitsdaten werden so ausgewertet und auch an den Finanzmärkten sind Algorithmen mittlerweile Gang und Gäbe. Dass diese Programme nicht nur auf die Finanzmärkte anwendbar sind, dass zeigen jetzt wieder verschiedene Banken. So haben die Schweizer Großbank UBS und die Commerzbank mit ihren Algorithmen errechnet, dass Deutschland bei der anstehenden Fußballweltmeisterschaft Weltmeister wird.

Es geht nur um Wahrscheinlichkeiten

Ob der Aufwand der Banken sich lohnt – Goldman Sachs dürfte mit einer Fußballprognose wohl noch folgen wie in den vergangenen Jahren – ist die große Frage. An einer Stelle sind die Prognosen zur WM aber ganz hilfreich. Denn dieses Spiel kennt jeder. Und so weiß jeder mit nur einem Funken gesundem Menschenverstand, dass sich das nicht errechnen lässt. Diese Algorithmen sind nur in der Lage, Wahrscheinlichkeiten zu berechnen und nicht genaue Prognosen zu treffen. Viel hängt vom Glück ab oder auch von Schiedsrichter-Entscheidungen. Und zum Glück ist das so. Die Meisterschaften müssten ja gar nicht mehr ausgetragen werden, wenn man vorher berechnen könnte, wer gewinnt. Und so wird beim Lesen der Prognose der UBS auch schnell klar, wie begrenzt die Möglichkeiten sind. Denn dass Deutschland Weltmeister wird, trifft mit einer Wahrscheinlichkeit von 24 Prozent zu. Danach folgen Länder wie Brasilien und Spanien mit 19,8 und 16,1 Prozent.

An den Finanzmärkten ist es nicht anders als beim Fußball

Die gleichen Programme und Algorithmen werden für die Prognose von Börsenkursen verwendet. Und auch hier geht es nur um Wahrscheinlichkeiten. Niemals kann jede Prognose aufgehen. Das ist auch Investorenlegende Warren Buffett nicht geglückt. Viele Fehler hat er in seiner Karriere gemacht und umfangreich darüber berichtet. Erst auf der letzten Hauptversammlung darüber, dass er nicht vorausgesehen hat, welchen Erfolg Unternehmen wie Facebook, Google und Amazon haben würden. Worauf es am Ende ankommt, ist eine höhere Anzahl an profitablen Investments als solche, die mit Verlust abschließen. Oder die Investments, die mit Gewinn abschließen, haben größere Profite als die Verluste aus schlechten Investitionen. Risikostreuung ist deshalb enorm wichtig.

Finanzmärkte verändern sich

An den Finanzmärkten kommt noch etwas anderes hinzu, was den Einsatz von Algorithmen noch schwieriger macht. Es ist das, was George Soros  die „Theorie der Reflexivität“ genannt hat. Dass nämlich die Finanzmarktteilnehmer durch ihre Handlung - also dem Kaufen und Verkaufen - die Muster verändern. Ursache und Wirkung bilden daher einen Kreislauf im Unterschied zur klassischen Naturwissenschaft, wo es nur eine einseitige Verbindung gibt. Dies offenbart, dass nur Algorithmen, die angepasst werden oder mit künstlicher Intelligenz unterlegt sind und daher selbst lernen und sich an neue Muster anpassen, langfristig Erfolg haben. Deshalb beschäftigen wir uns bei Acatis so intensiv mit künstlicher Intelligenz.

Wie auch immer, in knapp einer Woche beginnt die Fußball-Weltmeisterschaft. Dann werden wir sehen, ob die UBS am Ende doch Recht behält. Mir soll’s recht sein.

Hinweis: Die Inhalte der Kolumnen dienen ausschließlich der Information und stellen weder eine Anlageberatung oder sonstige Empfehlung im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes dar noch sind sie als Zusicherung etwaiger Kursentwicklungen zu verstehen. Die geäußerten Ansichten geben allein die Meinung des jeweiligen Autors wieder. Für den Inhalt der Kolumne ist allein der jeweilige Autor verantwortlich.
Das könnte Sie auch interessieren
Expertenprofil
Stefan Riße Stefan Riße Kapitalmartktstratege Acatis Investment

Stefan Riße Jahrgang 1968, aus Bremen ist Börsianer mit Leib und Seele. Seit seinem 16. Lebensjahr beschäftigt er sich intensiv mit den internationalen Finanzmärkten.

Nach dem Abitur und Praktika bei Banken und Vermögensverwaltern arbeitete er zwei Jahre lang als Broker, bevor er in den Journalismus wechselte. Er schrieb für Zeitschriften wie Forbes und Focus und ist seit über fünf Jahren ständiger Kolumnist für Focus Money.

Bekannt wurde Stefan Riße aber vor allem aufgrund seiner Tätigkeit als Börsenkorrespondent für "n-tv", wo von 2001 bis 2005 seine Berichte live vom Frankfurter Börsenparkett gesendet wurden. Von 2006 bis 2011 war er Chief Market Strategist der Deutschlandniederlassung von CMC Markets – dem ersten CFD- Market-Maker in Deutschland.

Seit Mai 2018 ist er Kapitalmarktstratege bei Acatis Investment und als dieser nach wie vor gefragter Interviewgast u. a. auch bei "n-tv" wo er regelmäßig auftritt.

Bereits im Alter von 17 Jahren lernte er den im September 1999 verstorbenen Börsenaltmeister André Kostolany kennen, mit dem ihn bis zu dessen Tod eine enge Freundschaft verband.

Sein bisher letztes Buch „Die Inflation kommt!“ war eines der erfolgreichsten Wirtschaftsbücher im Jahr 2010 und erreichte Platz 1 der Handelsblatt-Bestsellerliste.

rißes blog

Kurs zu DAX Index

  • 12.551,70 EUR
  • 0,00%
23.06.2018, 02:00, BNP Paribas Indikation

Zugehörige Derivate auf DAX (184.115)

Derivate-Wissen

Sie glauben, der Kurs des "DAX" steigt?

Mit Bonus-Zertifikaten können Sie an steigenden Index-Kursen teilhaben.

Erfahren Sie mehr zu Bonus-Zertifikaten