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Die Gemengelage

Der onvista-Börsenfuchs
Die Gemengelage

Hallo Leute! Wir hatten jetzt ein paar Tage lang relative Ruhe, nix aufregend Neues und deshalb auch nur mäßige Kursschwankungen - plötzlich sieht wieder alles anders aus. Jetzt kann man wirklich von einer „Gemengelage“ sprechen, ein Begriff, der in den Medien (selbst von Fußballkommentatoren) pseudointellektuell und inflationär gebraucht wird, um eine schwierige Situation zu beschreiben. Zur Erinnerung: Ursprünglich verstand man unter Gemengelage die verstreut liegenden und dadurch schwer zu bearbeitenden Feld- und Waldstücke eines Grundbesitzes. Und im allgemeinen Sprachgebrauch ist dann ein ungewöhnliches und/oder unübersichtliches Zusammentreffen von Zuständen oder Gegebenheiten dazugekommen. Ich befürchte, jetzt ist es soweit.

Schon bei der Konjunktur und den Unternehmensgewinnen geht’s los: Die Meinungen der Experten gehen seit Tagen immer deutlicher auseinander - nur ‘ne Delle oder Ende der Wachstumsphase? Die Zwischenberichte der börsennotierten Gesellschaften haben dementsprechend die Tendenz uneinheitlich. Bei der Geldpolitik wird die Kluft zwischen den Amis und uns immer größer, voraussichtlich auch im nächsten Jahr. Das können wir aber aus verschiedenen Gründen nicht gebrauchen. Allein die damit verbundene Frage der Wechselkurse wird zum Problem - was bedeutet ein immer fester werdender Dollar? Wie wirkt es sich aus, wenn internationales Kapital von Europa und den Schwellenländern an die Wall Street umgeleitet wird? Wird Öl wirklich immer teurer? Wieso ist der Goldpreis eigentlich unter 1.300 Dollar gefallen?

Aus einem Marktbericht von der Wall Street (gestern Abend): Die US-Börsen haben unter Inflationssorgen und dem anhaltenden Handelsstreit mit China gelitten. Zwar trafen die US-Einzelhandelsdaten für April genau die Vorhersagen der Experten. Allerdings wurden die Angaben für März wegen höherer Benzinkosten nach oben korrigiert, was die Sorge vor insgesamt steigenden Preisen nährte. In der Folge legten die Renditen der US-Staatsanleihen zu, übersprangen im zehnjährigen Bereich die Marke von 3 Prozent und notierten zeitweise so hoch wie seit Juli 2011 nicht mehr. Das sei „beunruhigend“ gewesen, sagte ein Investmentstratege.

Gemengelage auch in der Politik und Wirtschaftspolitik. Nur einer gibt den Leuchtturm: Donald. Und von den mutmaßlich friedenssüchtigen Nordkoreanern kommen plötzlich wieder Warnungen. Randprobleme wie Brexit und Italien vernachlässige ich heute mal. Dagegen können wir die besorgten Warnungen vor einer neuen Weltfinanzkrise wegen der unglaublich hoch gewordenen Verschuldung nicht einfach unter den Tisch fallen lassen.

Für Euch, meine Freunde, könnten sich aus alldem folgende Konsequenzen ergeben - dazu lese ich folgendes Resümee internationaler Experten: Rückenwind für die in den letzten Monaten relativ schwach abschneidenden Aktien von Eurozonen-Exporteuren, deren Gewinne von der Euro-Aufwertung merklich geschmälert wurden. Gegenwind für Aktien und Anleihen der Schwellenländer, vor allem für solche, die in US-Dollar verschuldet sind. Gegenwind dürfte sich auch für Rohstoffe wie Gold oder Industriemetalle einstellen. Hätten die Korrelationsmuster der letzten fünf Jahre Bestand, würde die Dollar-Aufwertung auch einen Dämpfer für den Ölpreis bedeuten. Vorerst entfaltet dieser aber noch Comeback-Qualitäten. Die globale Nachfrage nach Öl entpuppt sich als robust, die Investitionen in neue Ölfelder bleiben gering und rund um das Thema Iran ergeben sich kurzzeitig Sorgen um das Ölangebot.

Ich könnte Euch aber auch ganz andere Expertenempfehlungen weitergeben. Scheiß Gemengelage. Ich mag dieses Wort nicht.

Hinweis: Die Inhalte des „onvista-Börsenfuchs“ dienen ausschließlich der Information und stellen weder eine Anlageberatung oder sonstige Empfehlung im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes dar noch sind sie als Zusicherung etwaiger Kursentwicklungen zu verstehen. Die geäußerten Ansichten geben allein die Meinung des Autors wieder.
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