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Digitales Zentralbankgeld: BIZ weiter zurückhaltend

dpa-AFX

BASEL (dpa-AFX) - Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) gibt sich in der Frage, ob Notenbanken das Konzept von Kryptowährungen wie Bitcoin nutzen sollten, weiter zurückhaltend. "Die Zentralbanken müssen die Auswirkungen der Ausgabe von digitalen Währungen auf die Finanzstabilität und die Geldpolitik sorgfältig abwägen", teilte die BIZ am Montag in Basel mit. Die Blockchain-Technik, die vielen Kryptowährungen zugrunde liegt, könne jedoch Vorteile in der Zahlungsabwicklung und im Wertpapiergeschäft mit sich bringen.

Die Fragestellung, ob Notenbanken wie die Europäische Zentralbank (EZB) digitale Währungen ausgeben sollten, ist nicht neu. Sie wird seit einiger Zeit diskutiert und auch von ranghohen Notenbankern angesprochen. Die BIZ - bekannt als "Bank der Zentralbanken" und als eine Art Denkfabrik - hatte sich schon einmal vor einigen Monaten mit der Frage beschäftigt. Sie war damals zu ähnlichen Ergebnissen wie jetzt gekommen. Die aktuellen Resultate entspringen einer Untersuchung zweier BIZ-Komitees.

Die Analyse der BIZ beschäftigt sich einerseits mit der Möglichkeit, Krypto-Zentralbankgeld nur an Profis wie Geschäftsbanken auszugeben. Andererseits wird geprüft, wie sinnvoll eine Ausgabe an die breite Öffentlichkeit wäre. "Digitale Währungen von Zentralbanken könnten dazu beitragen, Wertpapier- und Devisengeschäfte in Zukunft effizienter zu gestalten", sagte EZB-Direktor Benoit Coeure in seiner Eigenschaft als Vorsitzender einer der beiden BIZ-Ausschüsse. Er schränkte jedoch ein, dass die Vorteile einer solchen Nutzung noch intensiver erforscht und getestet werden müssten.

Coeure wies zugleich auf Gefahren hin, die Krypto-Zentralbankgeld mit sich bringen könne. Zwar könnten die Art und Weise, wie Geld zur Verfügung gestellt werde, und die Rolle der Zentralbanken im Finanzsystem revolutioniert werden. "Aber das ist Neuland und mit potenziellen Risiken verbunden." Er wies etwa auf Probleme für die Finanzstabilität hin, falls digitales Zentralbankgeld direkt an die breite Öffentlichkeit ausgegeben werde. In diesem Fall seien beispielsweise "Bank Runs" im Fall krisenhafter Entwicklungen sehr schnell und umfangreich möglich.

Die BIZ wirft in ihrer Untersuchung auch rechtliche Fragen auf und weist nicht zuletzt auf Sicherheitsbedenken hin. So sei "Cybersicherheit" eine der größten Herausforderungen auch für Notenbanken. Dies gelte erst recht für eine Einführung von Krypto-Zentralbankgeld. In diesem Fall müsse die Notenbank auch sicherstellen, dass Vorschriften gegen Geldwäsche und gegen Terrorismus eingehalten würden.

Jacqueline Loh, die Vorsitzende des BIZ-Marktausschusses, sprach die Bedeutung von Kryptowährungen für die Geldpolitik der Zentralbanken an. So könnten Digitalwährungen den Zentralbanken ein neues geldpolitisches Instrument zur Verfügung stellen, das die Übertragung der Leitzinsen auf die Realwirtschaft verbessern könnte. Allerdings könnten bestehende Instrumente bereits ähnliche Ziele erreichen.

Ein Aspekt dieser Überlegung ist auch: Unter Fachleuten wird recht kontrovers debattiert, dass Negativzinsen zur Konjunkturstimulierung in einer Welt ohne Bargeld besser durchsetzbar wären und wirken würden. Denn dann bestünde nicht mehr die Möglichkeit, sich den Negativzinsen durch die Flucht in Bargeld zu entziehen. Sollte Bargeld durch Krypto-Zentralbankgeld ersetzt werden, bestünde dieser Fluchtweg unter Umständen nicht mehr. Dies wäre aber stark abhängig von der konkreten Ausgestaltung des digitalen Zentralbankgeldes./bgf/jsl

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