Drei Fragen an Bernecker: Ist die Dominanz des Dollars in Gefahr, wie schätzen Sie die Kursexplosion der Kodak-Aktie ein und was halten Sie von der Goldgräberstimmung unter neuen Marktteilnehmern?

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In unserer heutigen Ausgabe beschäftigen wir uns mit der derzeitigen Schwäche des Dollars und dem weiteren Ausblick des Greenbacks, wie nachhaltig der enorme Kursanstieg der Kodak-Aktie sein kann und wie die Euphorie unter neu eingestiegenen Marktteilnehmern zu bewerten ist.

Drei Fragen an Bernecker: Ist die Dominanz des Dollars in Gefahr, wie schätzen Sie die Kursexplosion der Kodak-Aktie ein und was halten Sie von der Goldgräberstimmung unter neuen Marktteilnehmern?

onvista-Redaktion: Nachdem der Dollar im März während des schwersten Sturms stark aufgewertet ist, zeigt er nun seit einigen Wochen eine deutliche Schwäche. Mehr und mehr Experten sind der Ansicht, dass dem Dollar noch schwere Zeiten bevorstehen könnten. Die Gefahr einer starken Abwertung vor allem gegenüber den Währungen der anderen Industrieländer scheint real zu werden. Wie sehen Sie die derzeitige Situation des Dollars und wie gefährlich ist ein solches Szenario einer enormen Abwertung aus Ihrer Sicht?

Der Dollar hat ein Abwertungsrisiko über mehrere Stufen mit unterschiedlichen Ansätzen. Rein technisch liegt der nächste Topwert bei rd. 1,24 pro Euro. Der nachfolgende läge erst bei 1,40. Beides ist realistisch und wahrscheinlich möglich. Darin stecken die erkennbaren Rückzüge der großen Investoren aus Dollar-Anlagen. Inwieweit China hierbei eine Rolle spielt, lässt sich nicht sagen, aber bekannt ist, dass etwa 60 % der chinesischen Währungsreserven in Dollar stehen. Der Dollar notierte 2008 für kurze Zeit bei 1,60. Das ist das theoretische Maximum. Der deutsche Export wird davon unterschiedlich betroffen. Das Mengengeschäft leidet nach allen rückblickenden Erfahrungen darunter kaum. Wohl aber die Ertragsseite für Exporte, worüber dann umfangreich gestöhnt wird. Ob sich diese Tendenz ab dem Wahltag 03.11. ändert, muss offenbleiben.

onvista-Redaktion: Kodak hat ein großes Kreditpaket der Regierung erhalten und soll fortan gemäß des „Defense Production Act“ als Zulieferer für Medikamente in der Corona-Krise eine Rolle spielen. Was danach auf spekulativer Ebene mit der Aktie passiert ist, war schon erstaunlich- ein Kursplus von über 1000 Prozent in wenigen Tagen. Für wie aussichtsreich halten Sie denn die neue Rolle des Konzerns, ist irgendetwas an dieser Kursexplosion gerechtfertigt?

Eastman Kodak ist ein Beispiel dafür, wie ein Weltkonzern zu einem Miniunternehmen wurde. Aktueller Marktwert 1,13 Mrd. Dollar für einen Umsatz um 1,24 Mrd. Dollar im Wesentlichen in kleinen Spezialgebieten der Fototechnik. Darin liegt der Kern des gegenwärtigen Supergeschäftes mit einer Finanzspritze von über 700 Mio. Dollar seitens der Regierung für bestimmte Produkte als Zulieferer für Medikamente. EK verfügt über sehr umfangreiche Erfahrungen aus früheren Forschungen und in der gesamten Chemie. Es ist schlüssig anzunehmen, dass Eastman Kodak aus dieser Konstellation heraus ein interessanter Lieferant für Additive in der Medikamentenforschung sein dürfte. Einzelheiten gibt es nicht. Aber in dem genannten Marktwert steckt zweifellos Fantasie, wenn EK in Kürze sicherlich Details zu diesem Superdeal veröffentlicht. Die Kursexplosion lässt sich zumindest nachvollziehen.

onvista-Redaktion: Viele Marktbeobachter sprechen beispielsweise die Kursgewinne der Kodak-Aktie – aber auch viele weitere Exzesse bei Einzelaktien in letzter Zeit – neu auf den Markt gekommenen Privatinvestoren zu. Vorwiegend jüngere Leute, die auf Plattformen wie zum Beispiel Robinhood, auf denen kostenloses Trading angeboten wird, ihr Glück versuchen, seitdem die Kurse im März so tief gefallen sind. Was sagen Sie zu dieser Goldgräberstimmung, die bei Neueinsteigern herrscht und wie groß schätzen Sie den Einfluss ein, den diese neue Gruppe auf den Gesamtmarkt hat?

Zu jeder Hausse gehört am Ende eine nachhaltige Phase von Exzessen wildester Art. Das bekannteste und berühmteste Vorbild dafür ist der Dotcom-Hype ab 1998 bis Anfang 2000. Was aus allen diesen Superdeals geworden ist, weiß eigentlich jeder. Andererseits: In den USA blieben etwa 40 - 50 dieser damaligen Spezialitäten am Leben und wurden tatsächlich erfolgreiche Unternehmen. Auch in Deutschland lassen sich etwa 10 bis 12 in diese Kategorie einordnen. Also: Gute Ideen werden natürlich gespielt. Das gehört zur Börse. Wie viel davon überleben, bleibt offen, wie gesagt. Wie verhält man sich dann? Mit kleinen Beträgen dabei sein macht Spaß und schafft auch ein Gefühl dafür, wie Börse funktioniert. Es ist zudem ein Indiz dafür, wie kreative Jung- oder Altunternehmer mit neuen Ideen am Markt beurteilt werden. Sowohl von der Produktseite her als auch vom Management. Die Wirkung auf den Gesamtmarkt ist quantitativ bescheiden. Wichtig sind die Story und die Publizität.

Vielen Dank für Ihre Antworten!

Foto: Bernecker

www.bernecker.info

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25.09.2020, 22:10, NYSE

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