Drei Fragen an Bernecker: Wie ist der Markt jetzt einzuschätzen, welche Chancen gibt es noch bei Nvidia und warum hinkt der britische Aktienmarkt den anderen so hinterher?

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In unserer heutigen Ausgabe fragen wir nach einer Einschätzung zu den Märkten, welche Chancen bei Nvidia bestehen und warum der FTSE 100 den restlichen Märkten so hinterher hinkt.

Drei Fragen an Bernecker: Wie ist der Markt jetzt einzuschätzen, welche Chancen gibt es noch bei Nvidia und warum hinkt der britische Aktienmarkt den anderen so hinterher?

onvista-Redaktion:  Neue Konjunkturdaten und Indikatoren haben den Anlegern in letzter Zeit wieder ordentlich Mut gegeben. Das Coronavirus ist zwar immer noch eine Bedrohung, jedoch macht es mehr und mehr den Eindruck, als würden die Märkte dies laufend und mit Pragmatismus einpreisen. Geht es jetzt weiter nach oben mit den Kursen oder könnte etwa der Handelsstreit als unberechenbarer Faktor die gute Laune abwürgen?

Alle Konjunkturdaten nebst Umfragewerte belegen die V-Formation der inzwischen berühmten Aufholjagd. Eine zweite Coronawelle ist eine Gefahr, aber keine in der Größenordnung der ersten. Die Chinesen waren die Ersten, die in die Krise rutschten, und sind die Ersten, die den Aufstieg inzwischen gut nachweisen können. Die Börsen haben ab Mitte März genau diesen Verlauf vorgezeichnet, wie an allen Indizes ablesbar ist. In den kommenden zwei bis drei Monaten entsteht ein Gleichgewicht zwischen den bisherigen Einpreisungen und den tatsächlichen Fakten in der realen Wirtschaft. Das ist der Verlauf einer Konsolidierung. Der entscheidende zweite Anstoß kommt nun vom Impfstoff, der die weitere Entspannung weltweit einläutet.

onvista-Redaktion: Nvidia ist eines der Tech-Schwergewichte im Nasdaq. Die Aktie ist in den letzten Monaten rasant geklettert und jetzt gibt es auch wieder neue Gerüchte über eine mögliche Übernahme es britischen Chipentwicklers ARM. Es wäre wohl der bisher größte Deal der Chip-Branche überhaupt. Wie sehen Sie die Aktie momentan und wie würden Sie vor allem eine mögliche Übernahme chancentechnisch bewerten?

Nvidia plant angeblich die Übernahme des britischen Chipentwicklers ARM. Die Briten entwickelten vor etwa 6 Jahren eine neue Chip-Architektur, an der die Amerikaner, vor allem Intel, scheiterten. Softbank zahlte dafür 29 Mrd. $ und Nvidia müsste mindestens 35 bis vielleicht sogar 40 Mrd. $ hinlegen. Produkttechnisch wäre dies für Nvidia eine Verstärkung seiner Marktlage. Darüber wird jedoch seit drei oder vier Wochen diskutiert, so dass dieses Geschäft im Nvidia-Kurs wohl weitgehend eingepreist ist. Softbank befindet sich diesbezüglich in einer besseren Lage. Denn der mutigste Japaner als Investor (Herr Son) dürfte mit diesem Geld seine eigene Nettoverschuldung deutlich reduzieren und neue Investments im Auge haben. Herrn Son begleiten wir seit über 45 Jahren, als er noch als Minderjähriger (17 Jahre) seine ersten Spekulationen begann.

onvista-Redaktion: Zum Schluss noch eine Frage zu den Gesamtmärkten: Die allgemeine Erholung der großen Indizes seit dem Corona-Crash war sehr gut. Der britische FTSE 100 ist jedoch äußerst enttäuschend gelaufen, vergleicht man ihn mit dem Rest Europas oder den amerikanischen Märkten. Einige Experten sagen, dies würde an der – im Vergleich zu den anderen Industrieländern – überproportionalen Größe des Dienstleistungssektors der britischen Wirtschaft liegen, der besonders unter dem Corona-Lockdown gelitten hat. Wie erklären Sie sich die Schwäche des FTSE?

Der FTSE 100 ist das Spiegelbild des Londoner Finanzmarktes. Somit nicht vergleichbar mit den Indizes in New York oder den kontinentalen Varianten. Die Zusammensetzung spiegelt deshalb auch nicht die reale Wirtschaft in Großbritannien wider. Sie ist ohnehin davon geprägt, dass der Finanzsektor mit London als Mittelpunkt ca. 20 bis 22 % der britischen Wirtschaftsleistung darstellt. Der Industrieanteil beträgt nur noch 11 %. Wie Großbritannien nunmehr endgültig aus dem EU-Verband ausscheidet, wird die Londoner Szene ebenfalls widerspiegeln: Weltweite Unabhängigkeit britischer Geschäfte mit dem Hintergrund seiner immer noch hervorragenden Stellung in allen asiatischen Ländern nebst den sog. Commonwealth-Partnern. Das ist abzuwarten.

Vielen Dank für Ihre Antworten!

Foto: Bernecker

www.bernecker.info

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