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Eine Frau fürs leichte Geld

Stefan Riße

Am 24.8.2018 schrieb ich in dieser Kolumne mit dem Titel „Angela Merkel ist eine Taube“, dass Jens Weidmann nicht Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) werden würde. Obwohl es eigentlich an der Zeit gewesen wäre, nach einem Holländer, einem Franzosen und einem Italiener einen Präsidenten der größten Volkswirtschaft der Eurozone zu nominieren, war ich mir sehr sicher, dass Weidmann es nicht werden würde. Diese Meinung hatte ich schon lange vertreten, weil ihn in Europa keiner wollte. Doch dann zeichnete sich auch noch ab, dass er selbst die Unterstützung aus Deutschland nicht bekommen würde und Angela Merkel ihr Augenmerk vielmehr auf den Posten des EU-Kommissionschefs gelegt hatte. Wie damals vermutet, bin ich auch jetzt der Überzeugung, dass dies in erster Linie geschah, weil auch sie Weidmann verhindern wollte.

Für Aktionäre eine gute Wahl

Nun wird die bisherige Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, neue Präsidentin der Europäischen Zentralbank und damit zum zweiten Mal eine Person aus Frankreich und das erste Mal eine Frau. Für Aktionäre ist das eine gute Nachricht, denn alle bisherigen Einlassungen von ihr deuten darauf hin, dass sie die lockere Geldpolitik ihres Vorgängers Mario Draghi fortsetzen wird. Damit ist schon mal eines klar: steigende Zinsen wird es auf absehbare Zeit in der Eurozone nicht geben und damit werden wir weiter von einem negativen Realzins begleitet sein. Da bleibt dann unter den liquiden Vermögensanlagen als einzig rentierliche Anlage nur die Aktie als Alternative. Und selbst in wirtschaftlich und politisch unsicheren Zeiten, die womöglich auch nochmals schärfere Einbrüche mit sich bringen können, dürfte die Aktie langfristig weiter profitieren.

Besser mit gesundem Menschenverstand als überholten Geldtheorien

Manche kritisieren, dass Christine Lagarde keine geldpolitische Erfahrung habe. Ein Glücksfall, wie ich finde. Ihr beruflicher Hintergrund ist nicht Volkswirtschaft, sondern Jura. Sie ist Rechtsanwältin. Damit besteht nicht die Gefahr, dass sie die Geldpolitik nach irgendwelchen geldpolitischen Theorien zu gestalten versuchen wird. Denn bisher haben sich diese - wie die Steuerung der Geldmenge – alle als nicht praktikabel erwiesen und im Übrigen hat sie niemand mit negativen Zinsen je simuliert, so dass sie ohnehin als überholt gelten dürften. Ihr Leitmotiv wird der gesunde Menschenverstand sein, der meistens der beste Ratgeber ist. Notenbankpolitik ist ohnehin nicht so komplex, als dass es dazu einen wissenschaftlichen Hintergrund bräuchte. Das Instrumentarium ist sehr überschaubar. Kommt es noch mal zu einer Art Eurokrise, dürfte sie Draghis Credo „Whatever it takes“ beherzigen.

Jens Weidmann sollte sich nicht grämen

Jens Weidmann wird den großen Karriereschritt, der ihn als Geldpolitiker geadelt hätte, nicht machen. Das wird ihn persönlich sicher schmerzen, hatte er doch zuletzt seine Position in Richtung der lockeren Geldpolitik extra öffentlich verändert, um seine Chancen auf den Posten zu erhöhen. Doch gewinnen kann er ohnehin mit dem Posten nicht viel, zumindest keine Anerkennung in Deutschland. Denn wäre er nun Nachfolger von Mario Draghi geworden, dann hätten diejenigen deutschen Sparer, die Aktien immer noch für Teufelszeug halten, von ihm sicher erwartet, dass es bald mal wieder ordentliche Zinsen gibt. Sie hätten nicht verstanden, dass Weidmann aus zwei Gründen eine echte geldpolitische Wende gar nicht hätte vornehmen können. Viel zu groß sind die Schuldenberge im staatlichen, wie auch im privaten Sektor, als dass positive Realzinsen noch finanzierbar wären. Außerdem ist der Chef der EZB kein Monarch. Er entscheidet nicht allein, sondern es gilt der Mehrheitsentscheid im Zentralbankrat. Selbst wenn er hätte auf die Bremse treten wollen, seine Kollegen hätten dies nicht mitgetragen. So bleibt er vielleicht besser der Oppositionelle und Deutschlands mahnende Stimme, die zugleich dem deutschen Sparbuchsparer zumindest das Gefühl gibt, dass sich jemand für ihre Interessen einsetzt. Die schleichende Geldvernichtung wird das allerdings nicht beenden und es sei ihnen gesagt, es gibt kein in der Verfassung festgeschriebenes Recht auf positive Realverzinsung. Aber wir alle haben das Recht zu bestimmen, wie wir unser Vermögen anlegen. Und noch kann jeder Sparbuchsparer über direkte Investments in Aktien oder auch ganz komfortabel über Fonds sich am Produktivkapital beteiligen. Wer es nicht tut, ist selbst schuld.

Hinweis: Die Inhalte der Kolumnen dienen ausschließlich der Information und stellen weder eine Anlageberatung oder sonstige Empfehlung im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes dar noch sind sie als Zusicherung etwaiger Kursentwicklungen zu verstehen. Die geäußerten Ansichten geben allein die Meinung des jeweiligen Autors wieder. Für den Inhalt der Kolumne ist allein der jeweilige Autor verantwortlich.
Expertenprofil
Stefan Riße Stefan Riße Kapitalmartktstratege Acatis Investment

Stefan Riße Jahrgang 1968, aus Bremen ist Börsianer mit Leib und Seele. Seit seinem 16. Lebensjahr beschäftigt er sich intensiv mit den internationalen Finanzmärkten.

Nach dem Abitur und Praktika bei Banken und Vermögensverwaltern arbeitete er zwei Jahre lang als Broker, bevor er in den Journalismus wechselte. Er schrieb für Zeitschriften wie Forbes und Focus und ist seit über fünf Jahren ständiger Kolumnist für Focus Money.

Bekannt wurde Stefan Riße aber vor allem aufgrund seiner Tätigkeit als Börsenkorrespondent für "n-tv", wo von 2001 bis 2005 seine Berichte live vom Frankfurter Börsenparkett gesendet wurden. Von 2006 bis 2011 war er Chief Market Strategist der Deutschlandniederlassung von CMC Markets – dem ersten CFD- Market-Maker in Deutschland.

Seit Mai 2018 ist er Kapitalmarktstratege bei Acatis Investment und als dieser nach wie vor gefragter Interviewgast u. a. auch bei "n-tv" wo er regelmäßig auftritt.

Bereits im Alter von 17 Jahren lernte er den im September 1999 verstorbenen Börsenaltmeister André Kostolany kennen, mit dem ihn bis zu dessen Tod eine enge Freundschaft verband.

Sein bisher letztes Buch „Die Inflation kommt!“ war eines der erfolgreichsten Wirtschaftsbücher im Jahr 2010 und erreichte Platz 1 der Handelsblatt-Bestsellerliste.

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