Entspannung der Epidemie in Italien und Spanien in weiter Ferne

Reuters

Rom/Madrid (Reuters) - Italien und Spanien sind noch weit entfernt von einer Entspannung in der Coronavirus-Epidemie.

Die beiden Länder melden die meisten Virus-Toten weltweit und nach den USA die meisten Infizierten. In Spanien stieg die Zahl der Virus-Toten binnen eines Tages um mehr als 900. Bislang seien 10.935 Menschen infolge einer Ansteckung gestorben, teilte das Gesundheitsministerium am Freitag im Madrid mit. In Italien wurden bis Donnerstag 13.915 Todesfällen gemeldet - die meisten weltweit. Um der Ausbreitung des Virus Herr zu werden, wird die Ausgangssperre in Italien vermutlich bis Anfang Mai ausgedehnt. In den beiden EU-Staaten schlägt die Epidemie bereits voll auf die Wirtschaft durch.

In Spanien registrierten die Behörden fast 7500 Neuinfektionen. Am Freitag waren 117.710 Fälle bekannt, am Donnerstag waren es noch 110.238. Hier scheint sich eine Verlangsamung anzudeuten. Allerdings starben binnen 24 Stunden 932 Menschen an dem Virus. Damit ist der tägliche Anstieg zwar erstmals seit dem 26. März weniger steil als am Tag zuvor. Am Donnerstag waren noch 950 neue Todesfälle gemeldet worden. Doch Anlass zu großer Hoffnung ist das nicht. Eine ähnliche Entwicklung hatte sich in Italien gezeigt. Und dennoch kann dort von einer Entspannung nicht die Rede sein.

ITALIEN PRÜFT LÄNGERE SPERREN - SPANIEN ENTSCHEIDET BALD

Erst diese Woche hat die Regierung in Rom die drastischen Einschränkungen des öffentlichen Lebens bis 13. April verlängert. Nun ist bereits im Gespräch, dass die Maßnahmen noch länger in Kraft bleiben. "Unglücklicherweise werden sie das", sagte der Chef der Zivilschutzbehörde, Angelo Borrelli, in einem Interview des öffentlich-rechtlichen Hörfunksenders RAI. "Ich glaube nicht, dass diese Situation bis zum 1. Mai vorüber sein wird." Das Land liegt brach. Schulen und Universitäten sind seit Wochen geschlossen. Unternehmen, deren Betrieb nicht lebensnotwendig ist, mussten dichtmachen. Die Menschen dürfen das Haus nur verlassen, wenn es unbedingt notwendig ist. Und dennoch steigt die Zahl der Infektionen täglich.

Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) entfallen auf Italien elf Prozent der weltweit mehr als eine Million Ansteckungsfälle. Für Spanien hat die WHO denselben Wert ermittelt. Ob dort die seit Mitte März bestehende Ausgangsbeschränkung ausgeweitet wird, will Ministerpräsident Pedro Sanchez in den kommenden Tagen entscheiden. Wie in Italien sind auch in Spanien Bars, Restaurants und Geschäfte - abgesehen von Lebensmittelläden - geschlossen. Nur wer bei Unternehmen beschäftigt ist, deren Betrieb unabdingbar ist, darf zur Arbeit gehen.

Dass sich das auf die Wirtschaft niederschlägt, liegt auf der Hand. In beiden Ländern liegt vor allem der Dienstleistungssektor - Gastgewerbe, Reise- und Tourismusbranche - darnieder. Italien und Spanien wollen von der EU Hilfen ohne konkrete Auflagen und gemeinsame Anleihen der Euro-Länder. Deutschland und die Niederlande lehnen solche Bonds ab. Die EU wird Italien wahrscheinlich nun über den Rettungsfonds ESM mit milliardenschweren Hilfen unter die Arme greifen. Darauf weisen immer mehr Äußerungen hochrangiger Politiker hin.

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