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Erfahrung, Hoffnung, Aufbruch - Das CDU-Kandidaten-Trio

Reuters

- von Andreas Rinke

Erfahrung, Hoffnung, Aufbruch - Das CDU-Kandidaten-Trio

Berlin/Helsinki (Reuters) - Mit dem Auftritt von Annegret Kramp-Karrenbauer in der saarländischen Landesvertretung am Mittwoch sind nun alle drei erfolgversprechenden Kandidaten offiziell in das Rennen um die Nachfolge Angela Merkels als CDU-Parteivorsitzende eingestiegen.

Die ersten Auftritte zeigen schon vor der Vielzahl an geplanten Regionalkonferenzen der CDU-Landesverbände, mit welchem Profil und welcher Strategie sich das Trio Kramp-Karrenbauer, Friedrich Merz und Jens Spahn aufstellen will. Die drei Kandidaten müssen dabei am Ende nicht nur auf Sympathiepunkte der CDU-Mitglieder oder gute Umfragewerte bei Wählern achten, sondern punktgenau auf die 1001 Delegierten zielen, die in Hamburg Anfang Dezember über den CDU-Vorsitz abstimmen werden.

PRINZIP HOFFNUNG - FRIEDRICH MERZ

Der Mann, der die Fantasien der CDU am meisten angeregt hat, ist der frühere Fraktionschef Friedrich Merz, der nach neun Jahren Abstinenz wieder in die Politik einsteigen will - und das mit zumindest informeller Unterstützung einiger CDU-Granden gleich an der Spitze der Partei. Bei seinem kurzen Auftritt in der Bundespressekonferenz am Mittwoch vergangener Woche machte er klar, wofür er steht: Ohne detailliert auf Inhalte einzugehen, forderte Merz "Aufbruch" und "Erneuerung" und wollte vor allem mit zwei Aspekten punkten: Seine Abwesenheit von der Politik, die in den vergangenen Jahren mit der Flüchtlingskrise, aber auch der schwierigen Regierungsbildung und den rumpeligen Start der großen Koalition diskreditiert zu sein scheint. "Ich habe damit nichts zu tun", lautet die unausgesprochene Botschaft von Merz. Damit präsentiert sich der 62-Jährige als "frisches Gesicht" und Hoffnungsträger.

Dazu kommt die Betonung seiner wirtschaftspolitischen Reformfreude - und die Erinnerung an sein Versprechen, eine Steuerreform zu präsentieren, die auf einen "Bierdeckel" passt. Deshalb unterstützen CDU-Politiker aus dem Wirtschaftsflügel wie der CDU-Politiker Christian von Stetten die Kandidatur. Generell gilt Merz für Merkel-Gegner als Hoffnungsträger, obwohl der Kandidat betont, dass er keine "Revolution" möchte und mit der Kanzlerin zusammenarbeiten werde.

Allerdings: Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen seinen bisherigen Arbeitgeber, der US-Vermögensverwaltung Blackrock, zeigen, dass in der Außenseiterrolle möglicherweise auch eine Gefahr für das Image steckt. Die Opposition schießt sich bereits auf einen möglichen Kanzlerkandidaten Merz als "idealen" Gegner mit vielen Angriffsflächen ein.

DER AUFBRUCH - JENS SPAHN

Wie Merz gilt zählt auch der erst 38-Jährige Jens Spahn zum konservativen Lager der CDU. Er hat sich zunächst aufgestellt in einem programmatischen Zeitungsbeitrag und ganz zeitgemäß in einem Bewerbungsvideo. Spahn will erkennbar den größten Bruch mit der bisherigen Kanzlerschaft Merkels - und gerade im Vergleich zu Merz als der Dynamischere, Modernere und der eigentliche Garant für einen Aufbruch erscheinen. Dazu diente auch, dass er gleich in seiner ersten Äußerung das umstrittene Migrationsthema aufgriff. Schon auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise galt Spahn als einer der schärfsten innerparteilichen Kritiker Merkels.

Auch er betont seine Regierungserfahrung, die er Merz voraus hat. Allerdings: Spahn ist durch die Kandidatur von Merz erst einmal in eine Außenseiterrolle geraten. Er muss verkraften, dass er in Umfragen unter CDU-Mitgliedern klar hinter Merz und Kramp-Karrenbauer liegt. Und Spahn riskiert, dass er mit seiner Positionierung zwar den konservativen Flügel anzieht, aber den moderaten Teil der "Merkel-CDU"-Delegierten abschrecken könnte. Das Besondere bei Spahn ist, dass er anders als Merz und Kramp-Karrenbauer eine Niederlage wohl ohne Auswirkungen auf seine Karriere verkraften könnte. Er hat schon wegen seines Alters am wenigsten zu verlieren.

DIE ERFAHRUNG - ANNEGRET KRAMP-KARRENBAUER

Kramp-Karrenbauer präsentierte sich später als ihre Kontrahenten und konnte dadurch auf deren Vorstellungen und Profile reagieren. Sie verwies darauf, dass sie bereits vor acht Monaten als Generalsekretärin die Erneuerung der CDU angestoßen habe. Das zielt gegen die "Aufbruch"-Forderungen von Merz und Spahn. Der Hinweis auf ihre Ämter als Innenministerin und saarländische Regierungschefin dient vor allem als Absetzung von Merz, der keine Regierungserfahrung hat. Denn in der CDU wird der Parteivorsitz auch als Anspruch auf eine Kanzlerschaft angesehen. Angriffslustig wies sie ihren Kontrahenten gleich die von ihr gewünschten Rollen zu: Spahn soll Gesundheitsminister und Präsidiumsmitglied unter ihr als CDU-Chefin bleiben, Merz an einem Steuerkonzept der Partei mitarbeiten - "wenn man den Bierdeckel mal zur Seite legt".

Die andere Karte, auf die Kramp-Karrenbauer bewusst spielt, ist Kontinuität. Die Ära Merkel sei zwar beendet, aber niemand solle sich Illusionen machen, dass man die Uhren zurückdrehen könne. Das zielt auf den Teil der CDU, der davor warnt, die Partei nun nach rechts zu rücken oder das Erbe Merkels infrage zu stellen. Genau das aber gilt als Schwachpunkt. Gerade der konservative Flügel kritisiert, dass Kramp-Karrenbauer zu wenig Aufbruch und zuviel Merkel verkörpere. Auch deshalb betonte die Kandidatin am Mittwoch, dass künftig erst die Partei Positionen aufstelle und dann die Regierung zu folgen haben - und nicht mehr umgekehrt. Als weiterer Schwachpunkt gilt ganz unzeitgemäß, dass sie eine Frau ist. Nach 18 Jahren Führung der CDU durch Merkel sagen einige hinter vorgehaltener Hand, dass die Partei wieder reif für einen Mann an der Spitze sei.

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