Es riecht nach Schießpulver

Stefan Riße

Ich bin zwar kein ausgewiesener Politikexperte und schon gar nicht für den Nahen Osten, aber für mich sieht es derzeit danach aus, dass die USA einen militärischen Schlag gegen den Iran vorbereiten. Die gesamte Agitation der vergangenen Monate legt diesen Schluss nahe. Bereits vor einigen Wochen wurde ein Schiff aus Saudi-Arabien mit Minen oder auch möglicherweise Torpedos attackiert. Genaues weiß man nicht. Gestern passierte im Golf von Oman das gleiche wieder. Wie im vorherigen Fall machen die USA innerhalb weniger Stunden den Iran dafür verantwortlich. Beweise präsentieren Sie nicht, sie kündigen sie nur an.

Vieles erinnert an das, was im Vorfeld des Irakkrieges passierte

Da werden Erinnerungen an den Krieg der USA und seiner Verbündeten gegen den Irak wach. Damals versuchte man, eine Argumentation dergestalt aufzubauen, dass der Irak Massenvernichtungswaffen besitze, die man vernichten müsse. Beweise hierfür gab es nicht. Auch hier gab es immer wieder Ankündigungen, diese zu präsentieren, die USA blieben sie jedoch schuldig. Heute wissen wir, dass die Massenvernichtungswaffen ein großes Märchen waren. Das hielt den damaligen Präsidenten George W. Busch Jr. Aber nicht davon ab, gegen den Irak Krieg zu führen. Die Folgen kennen wir alle. Aus der abgesetzten Führung des Iraks bildete sich der so genannte Islamische Staat (IS).

Sieht man sich die Haltung von US-Präsident Donald Trump und seines Außenministers Mike Pompeo in Bezug auf den Iran an, dann geht es jetzt in die gleiche Richtung. Es begann mit der Aufkündigung des Atomabkommens und setzte sich mit der Verlegung der US-Botschaft von Tel Aviv in die heilige Stadt Jerusalem fort. So kann Trump sich der Unterstützung Israels sicher sein. Bezüglich der Israelis kann man das auch gut nachvollziehen, haben die Mullahs im Iran doch die Vernichtung Israels nach wie vor als Doktrin ausgegeben. Es stellte aber eben auch eine große Provokation für die islamische Welt dar. Kurzum, es wird mit den Säbeln gerasselt.

Ohne den Oberbefehl auch mal sichtbar auszuüben, wäre Donald Trumps Vita nicht vollständig

Viele versuchen, die Persönlichkeit von Donald Trump zu analysieren. Ich will mich diesbezüglich hier nicht ergehen. Aber dass er ein Ego hat, das wohl größer als sein Trump-Tower in New York ist, lässt sich zweifelsfrei feststellen. Insofern wäre es nur logisch, dass er als Präsident auch mal einen Krieg geführt haben muss. Und er muss dies eigentlich in seiner ersten Amtszeit tun, denn es bleibt ja das Risiko, dass er nicht wiedergewählt werden könnte. Wer übrigens mehr über die Persönlichkeit von Donald Trump erfahren möchte, dem ist die jüngst erschienene und auf wahren Begebenheiten basierende Netflix Serie „When they see us“ ans Herz zu legen. Sie handelt von fünf dunkelhäutigen Teenagern, die 1989 unter massivem Druck und mit illegalen Methoden der New Yorker Polizei die Vergewaltigung einer 28-jährigen weißen Investmentbankerin gestehen. Tatsächlich sind sie unschuldig. Doch aufgrund der erzwungenen Geständnisse werden sie für viele Jahre ins Gefängnis gesteckt, bis der wahre Täter irgendwann gesteht. Dann werden sie rehabilitiert und erhalten 41 Millionen US-Dollar Entschädigung von der Stadt New York. Als die Jungen damals im Gefängnis saßen, forderte Donald Trump, den man dort in Originalaufnahmen sieht, die Todesstrafe für die minderjährigen Beschuldigten. In Zeitungsanzeigen veröffentlichte er die Namen und Adressen, damit sie gelyncht werden können.

Golfkrieg und Irakkrieg als Lehrbeispiele für Investoren

 

Ich habe als Börsianer bereits den Golfkrieg und den Irakkrieg miterlebt. Die Lehren daraus sind eindeutig. Im Vorfeld des Krieges fallen die Aktienkurse und es steigen aufgrund der Ölrelevanz der Region die Ölpreise. Dann aber gilt der Satz „Kaufen, wenn die Kanonen donnern“ für Aktien, die nach den ersten Bombardements sofort in die Höhe schossen, während das Öl in die Knie ging, und zwar deutlich. Es ist das Phänomen des „Fait Accompli“, der vollendeten Tatsache, auf die nicht spekuliert werden kann. Spekuliert wird ab Kriegsbeginn, der dann eine Tatsache ist, eben auf den Frieden. Sollte jetzt zum Konsens werden, dass ein Krieg zwischen den USA Und dem Iran bevorsteht, dann dürfte die Entwicklung wieder ganz ähnlich laufen. Noch wird diese Ansicht allerdings nicht allgemein vertreten und an der Börse gehandelt.

Vielleicht irre ich mich ja auch in den Absichten von Donald Trump und Mike Pompeo. Zu wünschen wäre es. In diesem Fall hätte ich gern Unrecht.

Hinweis: Die Inhalte der Kolumnen dienen ausschließlich der Information und stellen weder eine Anlageberatung oder sonstige Empfehlung im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes dar noch sind sie als Zusicherung etwaiger Kursentwicklungen zu verstehen. Die geäußerten Ansichten geben allein die Meinung des jeweiligen Autors wieder. Für den Inhalt der Kolumne ist allein der jeweilige Autor verantwortlich.
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Expertenprofil
Stefan Riße Stefan Riße Kapitalmartktstratege Acatis Investment

Stefan Riße Jahrgang 1968, aus Bremen ist Börsianer mit Leib und Seele. Seit seinem 16. Lebensjahr beschäftigt er sich intensiv mit den internationalen Finanzmärkten.

Nach dem Abitur und Praktika bei Banken und Vermögensverwaltern arbeitete er zwei Jahre lang als Broker, bevor er in den Journalismus wechselte. Er schrieb für Zeitschriften wie Forbes und Focus und ist seit über fünf Jahren ständiger Kolumnist für Focus Money.

Bekannt wurde Stefan Riße aber vor allem aufgrund seiner Tätigkeit als Börsenkorrespondent für "n-tv", wo von 2001 bis 2005 seine Berichte live vom Frankfurter Börsenparkett gesendet wurden. Von 2006 bis 2011 war er Chief Market Strategist der Deutschlandniederlassung von CMC Markets – dem ersten CFD- Market-Maker in Deutschland.

Seit Mai 2018 ist er Kapitalmarktstratege bei Acatis Investment und als dieser nach wie vor gefragter Interviewgast u. a. auch bei "n-tv" wo er regelmäßig auftritt.

Bereits im Alter von 17 Jahren lernte er den im September 1999 verstorbenen Börsenaltmeister André Kostolany kennen, mit dem ihn bis zu dessen Tod eine enge Freundschaft verband.

Sein bisher letztes Buch „Die Inflation kommt!“ war eines der erfolgreichsten Wirtschaftsbücher im Jahr 2010 und erreichte Platz 1 der Handelsblatt-Bestsellerliste.

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