Evergrande: Immobilienkonzern lässt erste Nachfrist bei Zinszahlungen verstreichen – Pleite rückt wieder näher

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Evergrande: Immobilienkonzern lässt erste Nachfrist bei Zinszahlungen verstreichen – Pleite rückt wieder näher

Die Krise um den hoch verschuldeten chinesischen Immobilienriesen Evergrande war in den Hintergrund gerückt, jedoch alles andere als vorbei. Nun rückt das Thema wieder in den Fokus, denn mehrere Geldgeber haben nach dem Ablauf einer Nachfrist zuletzt weiter auf eine fällige Zinszahlung gewartet. Zwei Inhaber von US-Dollar-Anleihen der Evergrande-Tochter Scenery Journey hätten nach eigenen Angaben bis Dienstag um 0.30 Uhr New Yorker Zeit (6.30 Uhr mitteleuropäischer Zeit) noch keine Zahlung erhalten, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg am Morgen. Befürchtet wird ein Zahlungsausfall.

Die Zinsen der beiden Anleihen in Höhe von 41,9 Millionen und 41,6 Millionen Dollar waren eigentlich am 6. November fällig. Eine Nachfrist von einem Monat war an diesem Montag abgelaufen. Die beiden Anleihegläubiger wollten Bloomberg zufolge nicht namentlich genannt werden. Evergrande habe zunächst nicht auf eine Bitte um Stellungnahme reagiert.

Evergrande selbst hatte am späten Freitagabend vor möglichen Zahlungsschwierigkeiten gewarnt. Nach einer Überprüfung der Finanzmittel könne keine Garantie gegeben werden, dass die Gruppe über ausreichende Mittel verfügt, um ihren finanziellen Verpflichtungen nachzukommen, hieß es in einer Mitteilung.

Kettenreaktion befürchtet

Sollte der offizielle Zahlungsausfall festgestellt werden, würde dies auch andere Anleihen in Mitleidenschaft ziehen und für weitere Versäumnisse sorgen. Am Finanzmarkt herrscht die Sorge vor einem Flächenbrand, die Evergrande-Aktie war am Montag um 20 Prozent eingebrochen. Anleger fürchten sich davor, dass der chinesische Finanzmarkt darunter leiden könnte und andere große Immobilienkonzerne ins Straucheln geraten. Einige kleinere Bauunternehmen hatten sich in den vergangenen Monaten bereits vom Markt zurückgezogen.

Evergrande hatte ein Risiko-Kommittee einberufen, das den Konzern restrukturieren soll. Mit dabei sollen auch Staatsbeamte sein, was Experten als Eingreifen der Regierung deuten und bei ihnen Hoffnungen schürt, dass eine Insolvenz kontrollierbar ist. Zudem spülte die Zentralbank über Kapitalerleichterungen für Banken umgerechnet 188 Milliarden Dollar in den Finanzmarkt.

Pleite könnte Millionen Menschen treffen

Portfoliomanagerin Tracy Chen beim Vermögensverwalter Brandywine Global schätzt die Auswirkungen einer Evergrande-Pleite als beherrschbar ein. „Meiner Ansicht nach ist ein Systemrisiko sehr unwahrscheinlich und die Aufsichtsbehörden haben gute Arbeit geleistet, um dies zu einer sogenannten ‚begrenzten Detonation‘ zu machen“, sagte Chen. Liqian Ren, Direktorin beim Vermögensverwalter WisdomTree, rechnet ebenfalls mit geringen Ansteckungseffekten. „So etwas passiert nur, wenn man nicht weiß, wem was gehört“, sagte sie. Ein Zahlungsausfall von Evergrande würde eher dem Fall der HNA Group ähneln, deren Restrukturierungsplan im Oktober von den Gläubigern genehmigt wurde. Zudem habe sich der Markt schlicht an die Schwierigkeiten bei Evergrande gewöhnt und sei nicht mehr so überrascht, falls es zu einem Zahlungsausfall komme, erläuterte Analyst Himanshu Porwal von Seaport Global.

Die Regierung will bei einem Zusammenbruch von Evergrande auch soziale Probleme verhindern. Über das ganze Land verteilt betreibt und entwickelt die Firma 1300 Immobilienprojekte, viele davon noch nicht abgeschlossen. Insgesamt sind 200.000 Menschen beschäftigt und jährlich werden fast vier Millionen Menschen angeheuert für Bauarbeiten.

onvista/dpa-AFX/ reuters

Titelfoto: hxdbzxy/ Shutterstock.com

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