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Finanz-Schwergewichte bleiben trotz Aktienrallye pessimistisch – Ray Dalio befürchtet „beängstigende Situation“, Ex-US-Finanzminister Summers macht sich beim Handelsstreit keine Illusionen

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Finanz-Schwergewichte bleiben trotz Aktienrallye pessimistisch – Ray Dalio befürchtet „beängstigende Situation“, Ex-US-Finanzminister Summers macht sich beim Handelsstreit keine Illusionen

Die jüngsten Fortschritte im Handelsstreit haben die Aktienmärkte beflügelt und an den US-Börsen für neue Allzeithochs gesorgt, während es für den deutschen Leitindex zumindest für ein Jahreshoch von weit über 13.000 Punkten gereicht hat. Sogar der seit Jahren arg gebeutelte europäische Bankenindex kann wieder Lebenszeichen von sich geben. Es scheint nun Luft da zu sein für eine mögliche Herbstrallye und weiterer Hoffnung an den Märkten.

Auf langfristiger Ebene sind viele der führenden Köpfe der Finanzwelt jedoch weiterhin pessimistisch, ihre Warnungen hallen weiter durch die Medien. EZB-Vizepräsident Luis de Guindos hat gerade trotz des aufatmenden Bankensektors angesichts der aktuellen Konjunkturschwäche gewarnt und sieht härtere Zeiten für die Banken in der Euro-Zone anbrechen. „Der trübere und unsicherer gewordene Ausblick kann Belastungen für die Profitabilität der Banken erzeugen“, sagte de Guindos am Mittwoch.

Ray Dalio sieht beängstigende Situation kommen

Hauptbelastung für den Sektor ist die Vorgehensweise der Zentralbanken, deren ultralockere Geldpolitik die Margen der Geschäftsbanken weiter und weiter wegschmelzen lässt. Jüngst hatte auch Börsenlegende und Leiter des größten Hedgefonds der Welt, Bridgewater-Chef Ray Dalio, erneut gemahnt, dass die Werkzeuge der Notenbanken jegliche Schlagkraft verlieren und das billige Geld immer weniger echte Wirkung in der Realwirtschaft erzielt.

Zudem warnt er langfristig davor, dass die weiter wachsende Kluft zwischen Arm und Reich die Probleme verschärfen wird. „Die technologische Entwicklung, der Einsatz von Künstlicher Intelligenz und eine steigende Produktivität wird auch die Vermögensungleichheit deutlich erhöhen, den Graben bei den Jobs, den Reichtum zwischen den Staaten und die Konflikte innerhalb“, so Dalio jüngst während der Future Investment Initiative in Saudi-Arabien. Der Mix aus zunehmend wirkungsloser werdender Geldpolitik, der wachsenden Kluft zwischen Arm und Reich, aber auch der gigantischen Herausforderungen durch den Klimawandel werde in den nächsten Jahren zu einer „beängstigenden Situation“ für die Weltwirtschaft führen, so der Milliardär.

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Ex-US-Finanzminister Larry Summers macht sich beim Handelsstreit keine Illusionen

Zum Handelsstreit zwischen China und den USA, dessen Auswirkungen durch Strafzölle, Währungsabwertungs-Tauziehen und weiteren wirtschaftlichen wie politischen Spannungen als einer der Hauptgründe für die abschwächende Weltkonjunktur gesehen wird, hat sich jüngst auch Larry Summers, der ehemalige Finanzminister der USA unter US-Präsident Bill Clinton und Wirtschaftsberater des früheren Präsidenten Barack Obama, geäußert.

Seiner Aussage nach ist der „Phase 1“ Deal, für den anscheinend nur noch ein passender Ort für die Unterzeichnung gesucht werden muss, zwar ein richtiger Schritt, langfristig wird er aber keine der tiefgreifenden Probleme lösen. Summers sagte gegenüber dem Nachrichtendienst CNBC, auch wenn beide Seiten den Teilvertrag wie geplant unterzeichnen, „wird es immer noch große Spannungen und Unsicherheiten zwischen den beiden Ländern geben.“ Und das wird seiner Ansicht nach die Weltwirtschaft auch weiterhin in die Mangel nehmen.

„Ich glaube, wir machen uns selbst etwas vor, wenn wir denken, wir wären eine einzige Unterzeichnungszeremonie von einer Art wirtschaftlichem Nirwana entfernt. Es gibt tiefere und größere Probleme, die eine schnelle globale Expansion behindern,“ sagte er und fügte neben dem Handelsstreit weitere Faktoren hinzu, die zu wachsenden Problemen werden könnten. Nicht nur die USA und Europa, sondern auch China leidet unter finanziellen Belastungen und das Land blickt einem extremen demographischen Problem entgegen, das langfristig dazu führen wird, dass China weniger zur globalen Wirtschaft beitragen wird, als all die Jahre zuvor.

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China hat mehr Probleme als nur den Handelsstreit

„Ich denke, das nächste Jahrzehnt in China wird weniger wunderbar als die letzten beiden“, sagte Summers. „Es würde mich wundern, wenn China in den nächsten zehn Jahren so eine Kraftquelle für die Weltwirtschaft sein könnte, wie es in den letzten Jahrzehnten der Fall war.“

China blickt in den letzten 20 Jahren auf eine beispiellose Expansion und Wirtschaftswachstum zurück. Jahrelang flossen Gelder in die Erfolgsgeschichte mit zweistelligen Wachstumsraten. Für Investoren war es eine Zeit der Goldgräberstimmung, da so gut wie alles eine Wertsteigerung erfahren hat, teilweise vollkommen unabhängig von den fundamentalen wirtschaftlichen Begebenheiten. Langsam aber sicher schwächt sich dieser Effekt komplett ab und das Wachstum verlangsamt sich auf ein realistischeres Niveau. Das könnte viele negative Effekte nach sich führen, der extrem aufgeblähte chinesische Immobilienmarkt (in den auch viele chinesische Bürger aus der Mittelschicht ihr Kapital gesteckt haben) sei hier nur als ein Beispiel genannt. Auch die alternde Bevölkerung wird in den kommenden Jahren eine Belastung für die Wirtschaftszone sein, da dieser Faktor die Produktivität zusätzlich bremsen wird.

Vor einigen Wochen hatte auch der Ex-Gouverneur der Bank of England, Mervyn King, seine Sorge geäußert, dass sich die Märkte schlafwandlerisch in die nächste Weltwirtschaftskrise bewegen würden. Bei einem Vortrag in Washington auf der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds äußerte King seine Kritik, es habe keine grundsätzliche Infragestellung der Ideen gegeben, die vor einem Jahrzehnt zur Krise geführt hätten. „Eine weitere Wirtschafts- und Finanzkrise würde die Legitimität eines demokratischen Marktsystems zerstören“, sagte er. „Indem wir an der neuen Orthodoxie der Geldpolitik festhalten und so tun, als hätten wir das Bankensystem sicher gemacht, bewegen wir uns schlafwandlerisch in Richtung dieser Krise.“ Der Widerstand gegen neues Denken, so befürchtet er, wird zu einer Wiederholung der letzten Finanzkrise führen.

Aus seiner Sicht ist das wirtschaftliche und politische Klima mit Blick auf den Handelsstreit, Unruhen in Hongkong, sowie wachsenden Problemen in vielen Schwellenländern selten so angespannt gewesen.

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onvista-Redaktion

Titelfoto: gguy / Shutterstock.com

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