Firmenbilanzen halten Börsen im Plus - Inflationssorgen bremsen

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Frankfurt (Reuters) - Nach den Kursverlusten der beiden vergangenen Wochen tasten sich weitere Anleger an die europäischen Aktienmärkte zurück.

"Trotz der schwelenden Sorgen um steigende Zinsen und den Abzug von Liquidität richten sie ihre Aufmerksamkeit vorübergehend auf die Firmenbilanzen", sagte Analyst Pierre Veyret vom Brokerhaus ActivTrades. Gestützt auf ermutigende Zahlen einiger Konzerne legten Dax und EuroStoxx50 am Donnerstag jeweils mehr als ein halbes Prozent auf 15.912,33 beziehungsweise 4297,60 Punkte zu. Der US-Standardwerteindex Dow Jones rückte 1,2 Prozent vor.

Ohnehin seien die Inflationsängste überzogen, warnte Portfoliomanager Dickie Hodges von der Investmentbank Nomura. "Wir sind nach wie vor der Meinung, dass sich die Inflation von den derzeitigen Niveaus aus abschwächen wird, aber das wird seine Zeit brauchen." Die US-Notenbank Fed werde die Zinsen nur behutsam anheben.

Davon sei die Europäische Zentralbank (EZB) noch meilenweit entfernt, sagte Neil Wilson, Chef-Analyst des Online-Brokers Markets.com. "Sie scheint taub für die Inflationsschreie." Die deutschen Erzeugerpreise stiegen im Dezember gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 24,2 Prozent, so stark wie noch nie seit Beginn der Erhebung 1949. EZB-Chefin Christine Lagarde erteilte einer raschen Zinswende dennoch eine Absage. Sie rechne ebenfalls mit einem Rückgang der Inflation.

Vor diesem Hintergrund griffen Investoren wieder bei Bundesanleihen zu. Dies drückte die Rendite der zehnjährigen Titel auf minus 0,022 Prozent. Am Mittwoch hatte sie sich erstmals seit fast drei Jahren wieder ins Plus vorgearbeitet.

ZINSSENKUNG IN CHINA TREIBT INDUSTRIEMETALL-PREISE

Unterdessen setzte die chinesische Notenbank einige Referenzzinsen für Kredite herunter, um einer Abkühlung der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft entgegenzuwirken. Die Hoffnung auf eine anziehende Nachfrage aus diesem wichtigen Abnehmerland verhalf Kupfer zu einem Kursplus von 1,6 Prozent auf 9999 Dollar je Tonne. Das zur Stahl-Herstellung benötigte Nickel erreichte mit 24.435 Dollar ein Zehneinhalb-Jahres-Hoch und das in Lebensmittel-Dosen eingesetzte Zinn war mit 44.180 Dollar zeitweise so teuer wie nie. Börsianern zufolge lieferten hier Angebotsengpässe zusätzlichen Rückenwind.

Gefragt war auch Palladium, das sich um 2,3 Prozent auf 2047 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) verteuerte. Auslöser der Rally seien die Spannungen zwischen Russland und der Ukraine, sagte Commerzbank-Analyst Daniel Briesemann. Russland sei schließlich ein wichtiger Palladium-Lieferant. "Ein Exportstopp des für die Automobilindustrie so wichtigen Rohstoffes könnte wohl nicht aufgefangen werden."

Aus Furcht vor einem russischen Einmarsch in die Ukraine warfen Investoren Staatsanleihen der beiden Parteien aus ihren Depots. Dies trieb die Renditen der bis 2025 laufenden ukrainischen Bonds auf 11,839 Prozent und diejengen der bis 2047 laufenden russischen Titel auf 4,518 Prozent. Der Warschauer Index auf ukrainische Aktien fiel auf ein Acht-Monats-Tief von 580,38 Punkten.

LIEFERPROBLEME PERLEN AN PUMA AB

Am deutschen Aktienmarkt legten die Titel von Puma dagegen dank eines Rekordergebnisses 1,2 Prozent zu. "Die Zahlen waren top, da gibt es nichts auszusetzen", sagte ein Händler. Ein Wermutstropfen sei allerdings der Verzicht auf einen Ausblick.

An der Wall Street stiegen die Papiere von Travelers um bis zu 5,6 Prozent auf ein Rekordhoch von 169,01 Dollar. Starke Erträge aus Investitionen bescherten dem Versicherer einen Quartalsgewinn von 5,20 Dollar je Aktie, etwa 50 Prozent mehr als erwartet.