Handelsstreit: Der Ton verschärft sich weiter – Trump will chinesische Apps per Verfügung verbieten ++ T-Mobile-US: Gute Zahlen dank Sprint-Übernahme ++ SNP: Trotz Verbesserungen in den roten Zahlen

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Handelsstreit: Der Ton verschärft sich weiter – Trump will chinesische Apps per Verfügung verbieten ++ T-Mobile-US: Gute Zahlen dank Sprint-Übernahme ++ SNP: Trotz Verbesserungen in den roten Zahlen

Der Dax ist am Freitag mit einem leichten Plus von 0,26 Prozent bei 12.624 Punkten in den Handel gestartet und bewegt sich damit weiterhin in der Handelsspanne der letzten Tage. Der MDax war mit einem Minus von 0,1 Prozent bei 26.776 Punkten etwas schwächer. Der Eurostoxx stagniert fast mit einem minimalen Plus von 0,05 Prozent.

Den Kursgewinnen im New Yorker Handel stehen am Freitag die insgesamt schwächeren Asienbörsen gegenüber. Laut Marktbeobachter Stephen Innes vom Broker Axicorp prägten dort die Spannungen zwischen den USA und China das Bild, weil US-Präsident Donald Trump mit einer neuen Verfügung offenbar den Verkauf des US-Geschäfts der beliebten chinesischen Video-App TikTok erzwingen will.

Mit der Verfügung, die in 45 Tagen greifen soll, verleiht Trump seiner Drohung Nachdruck, den Verkauf der chinesischen App an ein amerikanisches Unternehmen zu erzwingen. Trump sieht in der App eine „Bedrohung“ der nationalen Sicherheit. Die App sammle gewaltige Mengen an Daten ihrer Nutzer und könne es der kommunistischen Partei China ermöglichen, Amerikaner auszuspionieren, erklärte er am Donnerstagabend (Ortszeit). Der amerikanische Softwareriese Microsoft hat sich nach dem jüngst massivem politischen Druck aus dem Weißen Haus in Stellung gebracht, das US-Geschäft der Video-App zu übernehmen. Das Unternehmen will bis Mitte September einen Deal mit dem privaten chinesischen Eigentümer Bytedance aushandeln. Auch gegen die chinesische Chat-App WeChat von Tencent will Trump mittels der Verfügung vorgehen. Die Vorwürfe sind dabei dieselben.

Chinesische Firmen sollen bei Nichteinhaltung der Regeln von den US-Börsen verbannt werden

Nicht nur auf Unternehmensebene greifen die USA China nun wieder härter an, auch auf Ebene der Finanzmärkte weiten sie die Maßnahmen aus. Die US-Regierung will gegen chinesische Unternehmen mit Börsennotiz in den Vereinigten Staaten vorgehen, die sich nicht an die dort gängigen Bilanzprüfungen halten. Nach einem am Donnerstag (Ortszeit) vom Finanzministerium in Washington vorgestellten Plan sollen Firmen aus China die Auflagen bis 2022 erfüllen oder ihre Börsenpräsenz in den USA aufgeben. Dadurch sollten Anleger vor „erheblichen Risiken“ bewahrt werden.

Den Finanzaufsehern ist es schon lange ein Dorn im Auge, dass chinesische Konzerne wie der Onlineriese Alibaba sich nicht wie üblich von US-Bilanzprüfern in die Bücher gucken lassen wollen. Finanzminister Steven Mnuchin plädiert deshalb dafür, dass die US-Börsenaufsicht SEC ihre Standards entsprechend ändert. Bislang handelt es sich allerdings lediglich um Vorschläge und Empfehlungen einer von US-Präsident Donald Trump beauftragten Arbeitsgruppe.

US-Arbeitsmarktbericht im Fokus

Neben den Dauerthemen Corona-Infektionen blicken die Anleger auch gespannt in die USA, da am Nachmittag der offizielle Arbeitsmarktbericht für Juli kommt. In Corona-Zeiten wird diesem als Indikator für die Wirtschaftslage in den USA ganz besondere Beachtung geschenkt. Nach dem jüngsten Bericht des Dienstleisters ADP sieht Marktbeobachter Thomas Altmann von QC Partners keine guten Anzeichen. „Sollte der offizielle Bericht ebenfalls zeigen, dass die US-Wirtschaft im Juli kaum neue Stellen geschaffen hat, wäre das eine herbe Enttäuschung.“

Einigt sich die US-Regierung heute auf ein Hilfspaket?

Im Blick bleibt in Washington auch die Hängepartie beim Schnüren eines weiteren Hilfspakets. „Es gehen Gerüchte um, wonach es eine Annäherung bei der Anschlussfinanzierung für die staatliche Unterstützung gegeben habe“, sagte Marktbeobachter Jochen Stanzl von CMC Markets am Vorabend. Gemeinsam mit guten Jobdaten könnte ein Vollzug der Börse zu Wochenschluss nochmals neuen Schub geben, erwartet er. Bisher laufen die Verhandlungen jedoch äußerst schwierig.

Kurz vor dem planmäßigen Beginn der Sommerpause des Kongresses wiesen sich Demokraten, Republikaner und Vertreter der Regierung gegenseitig die Schuld für die festgefahrenen Verhandlungen zu. Die Vorsitzende des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, betonte am Donnerstag, die Demokraten würden keine Teileinigung akzeptieren, sondern so lange verhandeln, bis es ein umfassendes Konjunkturpaket gebe.

Die Demokraten fordern unter anderem die Verlängerung eines erhöhten Arbeitslosengeldes von 600 US-Dollar pro Woche bis zum Jahresende. Die im März im Rahmen eines Konjunkturpakets verabschiedete Erhöhung war Ende Juli ersatzlos ausgelaufen, weil sich Republikaner und Demokraten nicht auf eine Folgeregelung einigen konnten. Pelosi sagte, die Weigerung der Republikaner, das Arbeitslosengeld erneut zu erhöhen, zeige deren „Verachtung“ für amerikanische Familien in Not.

US-Präsident Donald Trump erneuerte unterdessen seine Drohung, Teile des angestrebten Konjunkturpakets einfach über Verfügungen durchzusetzen, falls es im Kongress keine Einigung geben sollte. Er wolle unter anderem die Verlängerung des Arbeitslosengeldes, ein Moratorium für bestimmte Zwangsräumungen und eine Steuersenkung durchsetzen, betonte Trump über Twitter. Experten bezweifeln jedoch, dass Trump davon viel durchsetzen könnte, denn alle Maßnahmen, die neue Mittel erfordern, müssen vom Kongress beschlossen werden.

Die Berichtssaison der Unternehmen, die dem Markt tags zuvor auch nicht positiv ihren Stempel aufdrücken konnte, klingt zu Wochenschluss vorerst ab. Nur noch deutsche Nebenwerte stehen am Freitag auf der Agenda.

Unternehmensmeldungen in Überblick:

T-Mobile-US: Die US-Tochter des Bonner Telekom-Konzerns hat ihr Geschäft dank der Übernahme des kleineren Rivalen Sprint im zweiten Quartal kräftig ausgebaut. Die Erlöse legten im Jahresvergleich um 61 Prozent auf 17,7 Milliarden Dollar (14,9 Mrd Euro) zu, wie T-Mobile am Donnerstag nach US-Börsenschluss mitteilte. Hohe Kosten wegen der Fusion und Belastungen durch die Corona-Krise ließen den Gewinn jedoch um 88 Prozent auf 110 Millionen Dollar einbrechen. Die Aktie reagierte nachbörslich zunächst mit kräftigen Kursaufschlägen auf die Zahlen. T-Mobile hatte am 1. April nach einer zweijährigen kartellrechtlichen Zitterpartie endlich den Zusammenschluss mit Sprint abschließen können. Durch die Mega-Fusion zog der Konzern im vergangenen Quartal nach eigenen Angaben bereits am Konkurrenten AT&T vorbei und stieg gemessen am Kundenvolumen zum zweitgrößten US-Mobilfunker hinter dem Branchenführer Verizon auf.

Uber: Der weltgrößte Fahrdienst-Vermittler Uber hat inmitten der Corona-Krise einen weiteren hohen Verlust erlitten. Im zweiten Quartal fiel unter dem Strich ein Minus von 1,8 Milliarden Dollar (1,5) an, wie der Taxikonkurrent am Donnerstag nach US-Börsenschluss mitteilte. Wegen hoher Kosten für den großen Börsengang hatte das Unternehmen vor einem Jahr sogar noch deutlich mehr Miese gemacht. Dennoch war das Quartal alles andere als positiv. Die Pandemie bremste das Fahrdienstgeschäft kräftig aus, insgesamt sanken die Erlöse um 29 Prozent auf 2,2 Milliarden Dollar. Der Essenbringdienst Uber Eats verbuchte dank hoher Nachfrage während des Lockdown zwar weiter starkes Wachstum, das konnte die Bilanz aber nicht retten. Im Großen und Ganzen fielen die Ergebnisse wesentlich schlechter aus als von Analysten erwartet. Die Aktie geriet nachbörslich zunächst mit mehr als drei Prozent ins Minus.

Dr. Hönle: Die Corona-Krise lässt Umsatz und Gewinn beim UV-Technologieanbieter Dr. Hönle deutlich zurückgehen. Vor allem im dritten Geschäftsquartal haben sich die Auswirkungen der Krise bemerkbar gemacht – trotz Kurzarbeit und Personalabbau, wie der Konzern am Freitag in Gräfelfing bei München mitteilte. Der Umsatz sank in den ersten neun Monaten um fast 12 Prozent auf 71,7 Millionen, der operative Gewinn halbierte sich in etwa zwischen Oktober und Ende Juni auf 6,29 Millionen Euro. Unterm Strich blieb ein Gewinn von 4,74 Millionen Euro, ebenfalls fast ein Minus von 50 Prozent. Die Prognose hatte der Konzern bereits im April ausgesetzt und traut sich bisher auch keine neue zu.

Brenntag: Einen Blick wert sind ansonsten noch die Aktien von Brenntag wegen einer Abstufung auf „Neutral“ durch die UBS. Analyst Rory McKenzie begründete das neue Anlagevotum in einer am Freitag vorliegenden Studie mit der Kursrally von 70 Prozent seit dem jüngsten Zwischentief Mitte März.

Carl Zeiss Meditec: Im Gegensatz zu einigen anderen börsennotierten Unternehmen, die wegen der Unsicherheiten durch die Corona-Krise einen Teil der geplanten Dividendenzahlung zurücklegten, kürzt Carl Zeiss Meditec seine Ausschüttung nicht. Im Gegenteil: Die Aktionäre des Jenaer Unternehmens erhalten eine Dividende von 0,65 Euro pro Anteilsschein. Die Zahlung fiel damit höher aus als im Jahr davor mit 0,55 Euro pro Aktie. Das wurde am Donnerstag auf dem Aktionärstreffen des MDax-Unternehmens beschlossen, das wegen der Corona-Pandemie online abgehalten wurde. Nach Vorstandsangaben gibt der Medizintechnik-Konzern traditionell etwa ein Drittel seines Vorjahresergebnisse an die Anteilseigner weiter. Größter Aktionär des Jenaer Unternehmens ist der Optik- und Elektronikkonzern Carl Zeiss AG im baden-württembergischen Oberkochen.

SNP: Trotz deutlicher Verbesserungen beim Umsatz und operativen Ergebnis ist der Softwareanbieter und IT-Berater SNP Schneider-Neureither im zweiten Quartal unter dem Strich in den roten Zahlen geblieben. Der Fehlbetrag bezifferte sich auf minus 0,9 Millionen Euro, wie das im Nebenwerteindex SDax notierte Unternehmen am Freitag in Heidelberg bei der Vorlage ausführlicher Zahlen mitteilte. Damit lag SNP aber nur noch knapp in der Verlustzone und konnte das Minus um über die Hälfte verringern. Im vergangenen Jahr hatte das Unternehmen noch einen Fehlbetrag von 2 Millionen Euro ausgewiesen. Wie bereits bekannt, war der Umsatz im zweiten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um rund 14 Prozent auf 34,3 Millionen Euro gestiegen. Als wesentlicher Wachstumstreiber erwies sich dabei die Software-Sparte, der durch die Corona-Krise ausgelöste verstärkte Trend zur Digitalisierung spielte SNP in die Karten. Den im Frühjahr gesenkten Jahresausblick bestätigte das Unternehmen. Demnach geht der Vorstand weiter von einem Umsatz zwischen 145 und 170 Millionen Euro für 2020 aus. Beim Gewinn erwartet SNP eine operative Marge (Ebit) im mittleren einstelligen Prozentbereich. Konzernchef Andreas Schneider-Neureither sprach in Anbetracht der „erheblichen Auswirkungen der Covid-19-Pandemie“ von einem starken Halbjahresergebnis.

Hannover Rück: Der bisherige Finanzvorstand des Rückversicherers Hannover Rück Roland Vogel geht Ende September in den Ruhestand. Ihm folge Clemens Jungsthöfel (49) nach, teilte der Rückversicherer am Freitag in Hannover mit. Jungsthöfel rücke jedoch bereits Anfang September in den Vorstand auf. Er ist bisher Finanzchef der Industrieversicherungssparte der Talanx, die unter dem Namen HDI Global firmiert. Vogel (60) werde auch nach seinem Ausscheiden aus dem Vorstand beratend für das Unternehmen tätig sein und in „einzelnen Gesellschaften als Mitglied des Aufsichtsrats oder Beirats“ fungieren, heißt es weiter.

onvista/dpa-AFX

Titelfoto: amagnawa1092 / Shutterstock.com

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