Henkel zieht Konsequenzen aus kriselndem Geschäft mit Kosmetika

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Düsseldorf (Reuters) - Der Konsumgüterriese Henkel zieht angesichts der lahmenden Entwicklung im Geschäft mit Kosmetika die Reißleine.

Das Kosmetik- und Waschmittelgeschäft solle in einer Sparte zusammengelegt werden, "um das Wachstums- und Margenprofil der Konsumgütergeschäfte nachhaltig zu stärken", kündigte der Düsseldorfer Konzern am Freitag an. Dabei sollen auch Stellen wegfallen. Das Management will dazu Gespräche mit den Arbeitnehmern aufnehmen. Henkel werde sich bald auch von Marken im Kosmetik-Bereich trennen: "Erste Maßnahmen im Beauty Care-Portfolio werden bereits im Laufe des Jahres 2022 umgesetzt." Die Kosten für den Umbau sollen zu einem späteren Zeitpunkt konkretisiert werden.

An der Börse reagiert die Anleger zunächst mit Verkäufen auf die Ankündigung und die Geschäftszahlen: Henkel-Aktien gaben am Morgen deutlich nach und notierten mit einem Minus von mehr als sieben Prozent bei 73,20 Euro.

Durch die neue Struktur werde ein "breiteres Fundament geschaffen, um unser Portfolio weiter zu optimieren und aktiv zu gestalten und auf ein höheres Wachstums- und Margenprofil zu bringen", erklärte der seit Januar 2020 amtierende Henkel-Chef Carsten Knobel: "Wir wollen zudem erhebliche Synergien und Effizienzgewinne erzielen." Vor dem Hintergrund des Umbaus gab Knobel neue mittel- bis langfristige Ziele aus. Für das organische Umsatzwachstum strebt er nun drei bis vier Prozent an - bisher waren es zwei bis vier Prozent. Die bereinigte Ebit-Marge solle rund 16 Prozent betragen. Darüber hinaus visiert Henkel ein Wachstum des bereinigten Ergebnisses je Vorzugsaktie (EPS) im mittleren bis hohen einstelligen Prozentbereich an. Zudem kündigte Knobel einen Aktien-Rückkauf mit einem Volumen von bis zu einer Milliarde Euro an.

Im vergangenen Jahr erzielte der Hersteller von Pritt, Persil und Schwarzkopf dank florierender Geschäfte in seinem Klebstoff-Bereich einen Umsatz von gut 20 Milliarden Euro. Die bereinigte Umsatzrendite habe bei rund 13,4 Prozent gelegen - Henkel hatte 2021 bereits die Ziele für diese Kennzahl abgesenkt und zuletzt 13,5 Prozent angekündigt. Der Kosmetikbereich erzielte ein organisches Wachstum von rund 1,4 Prozent - er lag damit deutlich hinter Klebstoffen und Waschmitteln. Analysten hatten immer wieder kritisiert, das Kosmetikgeschäft bei Henkel sei im Vergleich zu Konkurrenten wie L'Oreal zu klein und weniger profitabel.

Für 2022 erwartet Henkel ein organisches Umsatzwachstum für den Konzern in der Bandbreite von zwei bis vier Prozent. Die bereinigte Umsatzrendite wird zwischen 11,5 und 13,5 Prozent gesehen - also deutlich unter dem mittelfristig anvisierten Wert.

Konkurrent Beiersdorf hatte für das Gesamtjahr 2021 in Aussicht gestellt, dass die Erlöse organisch um acht bis zehn Prozent steigen. Höhere Preise bei den Rohstoffen wollen die Hamburger mit Einsparungen und Preiserhöhungen für die eigenen Produkte kompensieren. Die operative Umsatzrendite (Ebit-Marge) wird bei rund 11,8 Prozent erwartet, für 2022 hatte sich Finanzchefin Astrid Herrmann zuversichtlich geäußert, eine leichte Steigerung der Ebit-Marge zu schaffen.