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ICOs – Große Chancen und große Risiken

Stefan Riße

Initial Coin Offering (ICOs) sind der große Hit, momentan vor allem in der Krypto-Währungsszene, die durch den massiven Anstieg des Bitcoin immer bereiteres Interesse auf sich zieht. Sie sind eine neue Art für Unternehmen, Eigenkapital einzusammeln. Manche vergleichen es mit dem Crowd Funding, wo Unternehmen ebenfalls über eine große Plattform Kapital für die Umsetzung einer Idee oder ihre Expansion einsammeln. Klassischerweise sind Venture Capital Gesellschaften die Geldgeber in einer frühen Phase der Expansion, an der sich dann am Ende nur Wohlhabende beteiligen können, da die Mindestsummen oft siebenstellig sind. Beim Crowd Funding oder eben bei den neuartigen ICOs können Anleger schon mit sehr geringen Beträgen mit von der Partie sein. Herausgegeben werden Coins, oder auch Tokens genannt. Sie sind oft nicht nur Eigenkapitalbeschaffung, sondern auch Zahlungsmittel innerhalb der Unternehmenswelt.

BaFin warnt vor ICOs

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat vor ein paar Tagen vor den großen Risiken bei ICOs gewarnt. Das ist auch berechtigt, denn die Risiken sind hoch. Manchmal sollen Anleger nur in eine niedergeschriebene Idee investieren, ohne dass es schon operatives Geschäft gibt. Zudem ist der Markt weitestgehend unreguliert. Betrüger haben insofern leichtes Spiel. Dennoch sah die Behörde keinen Anlass für ein Verbot. Denn auch sie sieht das Thema differenziert, genau wie große Beratungsgesellschaften wie KPMG oder Anwaltskanzleien wie Linklaters, die sich mit dem Thema beschäftigen. So wie Bitcoin basieren auch die ICOs auf der Blockchain-Technologie, die allseits als sehr zukunftsträchtig betrachtet wird.

Spreu und Weizen

Nicht ganz unberechtigt kommen bei ICOs Erinnerungen an den Neuen Markt auf. Auch damals setzten Anleger auf kleine Zukunftsunternehmen, die im Technologiesektor tätig waren. Der Ausgang ist bekannt. In einer allgemeinen Euphorie wurden die Preise aller Aktien nach oben getrieben. Wer früh genug ausstieg, machte satte Gewinne, wer drin blieb, verlor. Natürlich war der Neue Markt regulierter als der ICO-Markt heute, doch auch das schützte nicht vor diversen Bilanzbetrügereien. Und dennoch lässt sich sagen, dass sich auch hier die Spreu vom Weizen getrennt hat. Am Ende sind mit Aixtron, United Internet oder Evotec, um nur drei von vielen zu nennen, hervorragende Unternehmen daraus hervor gegangen.

Auf das Geschäftsmodell ist zu achten!

Mit den ICOs wird’s mit hoher Wahrscheinlichkeit genauso laufen, wobei der Boom erst am Anfang stehen dürfte. Mit dem Wissensmagazin „Welt der Wunder“ hat nun eine aus dem Fernsehen seit Jahren bekannte Marke einen ICO über eine Schweizer Tochtergesellschaft angekündigt. Dass es sich hier um ein bereits bestehendes Geschäftsmodell handelt, ist damit mal klar. So ist es auch bei der bereits börsennotierten NAGA Group aus Hamburg, die mittels einer Tochtergesellschaft ebenfalls ab 20. November Tokens herausgibt. Das Unternehmen, das die Social Trading Plattform SwipeStox und gemeinsam mit der deutschen Börse eine Plattform für Videogams Items betreibt, kommt bereits auf Millionenumsätze.

Es ist insofern schon mal ein gutes Kriterium für Anleger, die in ICOs investieren wollen, darauf zu achten, dass schon nachvollziehbares operatives Geschäft vorhanden ist. Risikoreich bleibt es trotzdem. Doch das Risiko, Leuten aufzusitzen, die eine clevere Idee zusammenschreiben und sich dann aus dem Staub machen, ist deutlich geringer.

Hinweis: Die Inhalte der Kolumnen dienen ausschließlich der Information und stellen weder eine Anlageberatung oder sonstige Empfehlung im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes dar noch sind sie als Zusicherung etwaiger Kursentwicklungen zu verstehen. Die geäußerten Ansichten geben allein die Meinung des jeweiligen Autors wieder. Für den Inhalt der Kolumne ist allein der jeweilige Autor verantwortlich.
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Expertenprofil
Stefan Riße Stefan Riße Börsenexperte

Stefan Riße Jahrgang 1968, aus Bremen ist Börsianer mit Leib und Seele. Seit seinem 16. Lebensjahr beschäftigt er sich intensiv mit den internationalen Finanzmärkten.

Nach dem Abitur und Praktika bei Banken und Vermögensverwaltern arbeitete er zwei Jahre lang als Broker, bevor er in den Journalismus wechselte. Er schrieb für Zeitschriften wie Forbes und Focus und ist seit über fünf Jahren ständiger Kolumnist für Focus Money.

Bekannt wurde Stefan Riße aber vor allem aufgrund seiner Tätigkeit als Börsenkorrespondent für „n-tv“, wo von 2001 bis 2005 seine Berichte live vom Frankfurter Börsenparkett gesendet wurden. Von 2006 bis 2011 war er Chief Market Strategist der Deutschlandniederlassung von CMC Markets – dem ersten CFD- Market-Maker in Deutschland.

Von 2011 – 2015 war Stefan Riße in der Vermögensverwaltung bei der der HPM Hanseatische Portfoliomanagement GmbH in Hamburg tätig, wo er noch in Anlageausschüssen mitwirkt.

Seit 2016 ist er unabhängiger Börsenexperte und als dieser nach wie vor gefragter Interviewgast u. a. auch bei „n-tv“ wo er regelmäßig auftritt.

Bereits im Alter von 17 Jahren lernte er den im September 1999 verstorbenen Börsenaltmeister André Kostolany kennen, mit dem ihn bis zu dessen Tod eine enge Freundschaft verband.

Sein bisher letztes Buch „Die Inflation kommt!“ war eines der erfolgreichsten Wirtschaftsbücher im Jahr 2010 und erreichte Platz 1 der Handelsblatt-Bestsellerliste.

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