Institute senken Wachstumsprognosen - Corona-Kosten bei 405 Mrd Euro

Reuters

Berlin (Reuters) - Angesichts anhaltender Pandemie-Beschränkungen senken führende Institute ihre Wachstumsprognosen für die deutsche Wirtschaft.

Das Bruttoinlandsprodukt dürfte in diesem Jahr nur um 3,7 Prozent und nicht wie noch im Dezember erwartet um 4,2 Prozent zulegen, sagten die Münchner Forscher am Mittwoch voraus. "Die Corona-Krise zieht sich hin und verschiebt den erwarteten kräftigen Aufschwung nach hinten", sagte Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser. Am Jahresende soll dann das Vorkrisenniveau wieder erreicht werden. Das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) erwartet sogar nur ein Plus von drei statt der bislang angenommenen vier Prozent. Mehr Zuversicht verbreitet das gewerkschaftsnahe Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), das mit plus 4,9 Prozent rechnet - angetrieben von steigenden Exporten und einem wieder in Schwung kommenden Konsum.

Für 2022 hob das Ifo-Institut seine Vorhersage von 2,5 auf 3,2 Prozent an. Insgesamt dürften sich die Kosten der Pandemie für die Jahre 2020 bis 2022 auf 405 Milliarden Euro summieren – gemessen an entfallender Wirtschaftsleistung. 2020 war die Wirtschaft um 4,9 Prozent eingebrochen. "Die Pandemie ist längst nicht überwunden", warnte IW-Direktor Michael Hüther. "Der Lockdown wird bis nach Ostern verlängert, das Impfen stockt, Menschen konsumieren wenig und Unternehmen investieren noch nicht wie vor der Krise."

Treibende Kräfte des Wachstums sind laut IMK in diesem Jahr der sehr dynamische Außenhandel und der private Konsum: Letzterer werde in Schwung kommen, wenn Einschränkungen gelockert würden und die Verbraucher das in der Krise angesparte Geld ausgeben könnten. Auch Investitionen liefern voraussichtlich spürbare positive Impulse, wie sich aus der Prognose des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung ergibt. "Medizinisch ist die Corona-Pandemie leider längst noch nicht besiegt und damit bleiben Risiken. Aber ökonomisch stehen die Zeichen nach dem harten Jahr 2020 erst einmal auf Entspannung", so der wissenschaftliche Direktor des IMK, Sebastian Dullien.

Die Zahl der Arbeitslosen wird den Ifo-Forschern zufolge leicht sinken: von 2,70 Millionen im vergangenen auf 2,44 Millionen im kommenden Jahr. Erwartet wird zudem ein kräftiger Preisschub: Die Inflationsrate wird in diesem Jahr bei 2,4 Prozent erwartet, nachdem sie 2020 bei lediglich 0,5 Prozent gelegen hatte. Für das nächste Jahr sagt das Ifo-Institut einen Rückgang der Teuerungsrate auf 1,7 Prozent voraus.

Tiefrote Zahlen werden für den Staatsetat erwartet. Das Defizit dürfte dieses Jahr bei 122,9 Milliarden liegen und sich 2022 in etwa halbieren. Die international kritisierten Überschüsse in der Leistungsbilanz (Exporte und Importe von Waren und Dienstleistungen, ausländische Zinsen und Erträge von Anlagen, Übertragungen) sollen im laufenden Jahr auf 275,6 Milliarden anschwellen.

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