Ist die US-Wirtschaft rezessionssicher? Goldman Sachs blickt überraschend optimistisch in die Zukunft

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Ist die US-Wirtschaft rezessionssicher? Goldman Sachs blickt überraschend optimistisch in die Zukunft

Die US-Bank Goldman Sachs hat in einer neuen Analyse herausgestellt, dass die momentan herrschenden, potenziellen Wachstumrisiken anscheinend weniger bedrohlich sind, als allgemein von den Finanzmärkten kalkuliert wird. Laut dem Bericht würden die „Säulen der großen Mäßigung“, die die Märkte seit den 80ern stützen und nur durch die Finanzkrise 2008 unterbrochen wurden, immer noch bestehen. Niedrige Volatilität, nachhaltigeres Wachstum und eine gedämpfte Inflation seien die Gründe, die die Analysten der Bank sogar beinahe dazu verleitet haben, der US-Wirtschaft die Eigenschaft der „Rezessionssicherheit“ zuzuschreiben, wie der Nachrichtendienst CNBC berichtet.

„Insgesamt scheinen die Veränderungen, die dieser ‚Großen Mäßigung‘ zugrunde liegen, intakt zu sein, und wir sehen die Wirtschaft heute als strukturell weniger rezessionsanfällig an“, schrieben die Goldman-Analysten Jan Hatzius und David Mericle in dem Bericht der Bank. „Obwohl neue Risiken entstehen könnten, scheint keine der Hauptursachen der jüngsten Rezessionen – Ölschocks, Inflationsüberhitzung und finanzielle Ungleichgewichte – vorerst zu besorgniserregend. Die Aussichten für eine sanfte Landung sind daher besser als allgemein angenommen.“

Diese Haltung überrascht insofern, als dass im Sommer letzten Jahres die allgemeine Stimmung unter den Analysten noch mit Sorge durchtränkt war, durch die Querelen im Handelsstreit zwischen China und den USA, dem Brexit, der lahmenden Konjunktur, den wachsenden Unternehmensschulden und weiteren Alarmsignalen wie der inversen Zinskurve an den Anleihemärkten, die bis jetzt vor jeder Rezession aufgetreten ist.

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Zwar halten auch die Ökonomen der US-Bank Goldman Sachs eine Rezession nicht für ausgeschlossen, doch sie schätzen die einzelnen Risikofaktoren als geringer ein. Stabilisierende Elemente sehen sie darin, dass die USA weitestgehend energieunabhängig sind, wie es in dem Bericht heißt, oder dass das Finanzsystem verglichen mit 2008 weniger stark verschuldet ist. Zudem sei die Verschuldung des privaten Sektors im Vergleich zu den Einkünften stark zurückgegangen und die Vorschriften im Bankensystem generell strenger geworden.

Andere Marktbeobachter sehen die Lage weniger entspannt: Philipp Carlsson-Szlezak, Chefökonom bei AB Bernstein, wird in dem CNBC-Bericht mit einer kritischeren Aussage aus einer von ihm gemachten Vorschau für das Jahr zittiert: „Ein potenziell toxischer Zusammenfluss von Faktoren hält auch im nächsten Jahr an: enge Arbeitsmärkte, lockere Politik, institutionelle Risikobereitschaft sowie potenzielle weitere fiskalpolitische Anreize und ein anhaltendes Schuldenwachstum. Dies sind fruchtbare Voraussetzungen, um mittelfristig strukturelle Risiken hervorzurufen.“ Jedoch sieht auch dieser Analyst im Falle eines wirtschaftlichen Rückgangs das Szenario einer „sanften Landung“ als wahrscheinlicher an, als eine hereinbrechende Krise.

Bleiben die stützenden Säulen intakt?

Das Szenario einer sanften Landung wird zudem begünstigt durch die bereits deutlich gezeigte Bereitschaft der Notenbanken, die Finanzmärkte im Fall der Fälle mit weiterer Liquidität zu tränken, um einen Crash soweit abzufedern, dass eine zu harte Landung tatsächlich verhindert werden könnte. Ein Faktor, der allerdings als Argument gegen die weitere stützende Wirkung der von Goldman beschriebenen „großen Mäßigung“ sprechen könnte, ist die zunehmend wieder stattfindende Auseinanderdriftung der globalen Handelsstrukturen, die durch die Globalisierung in den letzten Jahrzehnten aufgebaut wurden.

Momentan sind die relevanten Wirtschaftszonen des Planeten so eng miteinander verflochten, dass sie eine Art symbiotischen Organismus ausgebildet haben, der negative Auswirkungen immer als ganzes spürt. Sehr genau erkennt man das im Handelsstreit mit den USA und China, dessen Auswirkungen sich auf der ganzen Welt bemerkbar machen, auch und vor allem in Sektoren, die gar nicht direkt in den Konflikt involviert sind, siehe beispielsweise die deutsche Autoindustrie oder den Mikrochip-Sektor, der als ganzes leidet.

Allerdings beginnt sich diese enge globale Vernetzung durch die zunehmenden politischen Spannungen wieder zu lösen. Das ist ein Vorgang, der zunächst sehr langsam vonstatten geht, doch sollte sich dieser Trend langfristig fortsetzen, könnte dies das Risiko für weitere Eskalationen und somit wirtschaftliche Schänden erhöhen. China beginnt bereits mit seinem Projekt „Neue Seidenstraße“, die globalen wirtschaftlichen Netze neu auszulegen und koppelt sich damit auf lange Sicht mehr und mehr von der US-Wirtschaft ab.

Auch die USA positionieren sich entsprechend, um in einem weiter wachsenden Spannungsfeld besser austeilen zu können – zuletzt gesehen mit der Aushebelung des Streitschlichtungsorgans der WTO durch die Blockade der USA. Noch haben beide im Handelskonflikt wenig Spielraum für drastischere Maßnahmen, ohne sich selbst aufgrund der engen wirtschaftlichen Vernetzungen Schaden zuzufügen. Wenn die Verbindungen aber gelockert werden, dann wächst auch dieser Spielraum - mit potenziell negativen bis krisenartigen Auswirkungen für diverse Wirtschaftszonen.

Von Alexander Mayer

Titelfoto: Fred Ho / Shutterstock.com

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