IW-Institut - Virus-Krise in China belastet deutsche Wirtschaft

Reuters

Berlin (Reuters) - Die Virus-Krise in China bremst nach Einschätzung von Wirtschaftsforschern des IW-Instituts auch Firmen in Deutschland.

Die Epidemie werde die Konjunktur des asiatischen Landes zumindest im ersten Quartal deutlich dämpfen. "Die deutsche Wirtschaft wird über Nachfrage-, Vorleistungs- und Gewinnausfälle in Mitleidenschaft gezogen", schreiben die Kölner Forscher in einer Studie, die der Nachrichtenagentur Reuters am Montag vorlag. Bisher ging das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) davon aus, dass die hiesige Konjunktur 2020 um 0,9 Prozent anzieht. "Das werden wir nicht halten können", sagte IW-Konjunkturchef Michael Grömling. Grund seien zum einen revidierte Daten zum Bruttoinlandsprodukt. "Das hängt aber auch mit dem Coronavirus zusammen."

Andere Ökonomen und Banken haben ihre Wachstumsprognosen wegen der Epidemie und ihrer Folgen gekappt. Zuletzt senkte die Landesbank LBBW ihre Schätzung für das Wachstum der deutschen Wirtschaft 2020 auf 0,4 von 0,6 Prozent. Besonders die Industrie leidet laut IW unter der schwächeren Weltwirtschaft und "vor allem unter der nur noch moderaten globalen Investitionstätigkeit". Handelskonflikte belasteten nicht nur den Güteraustausch, sondern auch die weltweiten Wertschöpfungsketten und den technologischen Transfer - "und nun sorgt die Corona-Krise für eine weitere Verunsicherung".

Die IW-Experten fürchten Gegenwind für Deutschland, da China Handelspartner Nummer 1 ist. Im vorigen Jahr hatte die Volksrepublik mit Exporten von 96 Milliarden Euro einen Anteil von gut sieben Prozent an den deutschen Warenexporten. "Die vorübergehenden Konsum- und Investitionsausfälle in China infolge der neuen Corona-Epidemie treffen die deutschen Exporteure zudem in einer schon schwachen globalen Nachfragephase." Bisherige Schätzungen, wonach eine Wachstumsverlangsamung von drei Prozentpunkten in China das deutsche Bruttoinlandsprodukt 2020 um 0,1 Prozentpunkte schmälert, seien wegen der starken Lieferverflechtungen überholt. "Das dürfte in diesem Fall mehr sein", sagte Grömling.

Gerade die starke Verflechtung könnte deutsche Unternehmen hart treffen. Denn viele Betriebe mit Sitz in China seien wichtige Zulieferer für die hiesige Produktion. Mit Einfuhren von knapp 110 Milliarden Euro und einem Anteil von rund zehn Prozent ist die Volksrepublik größter Zulieferer von deutschen Importgüter. "Triviale Komponenten können wichtige Bauteile blockieren", sagte Grömling mit Blick auf teilweise starke Abhängigkeiten bei wichtigen Vorleistungsprodukten etwa im Pharmabereich oder der Elektroindustrie. "Es gibt richtige Vorleistungskaskaden." So sei beispielsweise unklar, ob sich bei Lieferproblemen auch Teile aus anderen Ländern wie Tschechien verzögern könnten.

Nachteilig könnte sich laut IW auch auswirken, wenn die Internationalisierung der Produktion und die damit einhergehende Arbeitsteilung einen Rückschlag erfährt. "Wir wissen nicht, ob Firmen chinesische Produkte ersetzen können." Zudem dürften "Innovationsnetzwerke" einen Dämpfer bekommen, warnte Grömling. Hier gehe es etwa um den wichtigen Wissenstransfer und den Austausch von Forschern und Managern.

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