IW-Umfrage - Störung der Lieferketten in Coronakrise hat an Schrecken verloren

Reuters

Berlin (Reuters) - Für viele deutsche Firmen hat die Störung internationaler Lieferketten im Zuge der Coronakrise mittlerweile an Schrecken verloren.

Mitte März erwarteten noch 35 Prozent der Unternehmen starke Beeinträchtigungen der Geschäftsabläufe durch ausbleibende ausländische Vorleistungen wie etwa Bauteile oder chemische Grundstoffe. Bis Ende Juni halbierte sich dieser Anteil auf 17 Prozent, wie eine Umfrage des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) ergab, die Reuters am Freitag vorlag. Das IW hatte von Anfang März bis Ende Juni im Schnitt wöchentlich rund 500 Firmen zu den Auswirkungen der Epidemie auf die Geschäftsabläufe befragt.

Viele Unternehmen haben laut IW-Konjunkturchef Michael Grömling im März eine "höhere Schockwelle vor der Brust" und weniger Ausweichmöglichkeiten gesehen als dies Ende Juni der Fall gewesen sei. Sie hätten sich offensichtlich mittlerweile besser mit der Situation arrangieren können: "Es spielte sicherlich eine Reihe von Lerneffekten mit."

Zu Beginn der Corona-Krise standen laut IW ausbleibende Lieferungen aus China im Mittelpunkt. Dabei ging es auch um Dienstleistungen - etwa im Transportbereich: "Man hat gemerkt: Die Container stehen in den Häfen, aber sie kommen da nicht mehr weg", erläuterte der IW-Experte. Auch bei Vorleistungsgütern habe es gehakt - vom einfachen Stecker bis hin zu komplizierten Bauteilen.

Unternehmen wurden deshalb gefragt, ob sie eine strategische Reduzierung von Vorleistungslieferungen aus der Volksrepublik oder eine strategische Rückverlagerung von eigener Produktion aus China beabsichtigen. Mitte März gaben jeweils elf Prozent aller befragten Unternehmen an, dass sie mittelfristig beide Optionen in Erwägung ziehen. Zuletzt sprachen demnach nur noch rund zwei Prozent der Unternehmen von starken Anreizen für Vorleistungs- oder Produktionskürzungen bezüglich China.

"Ich denke, das Thema Vorleistungen hätte ganz anders eingeschlagen, wenn hier im Inland die Produktion normal weiter gelaufen wäre", erläuterte Grömling. Da hierzulande die Fertigung zurückgefahren wurde, habe sich auch die Zulieferungssituation entspannt.

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