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IWF sieht Probleme für Weltwirtschaft - EU rückt Richtung China

dpa-AFX
IWF sieht Probleme für Weltwirtschaft - EU rückt Richtung China

Der drohende Handelskrieg mit den USA drückt die globalen Wirtschaftsaussichten und lässt den Riesen China enger mit der EU zusammenrücken. Politische Unsicherheiten hätten die Lage der Weltwirtschaft leicht eingetrübt, sagte der Chefvolkswirt des Internationalen Währungsfonds (IWF), Maury Obstfeld, am Montag in Washington. Das Wachstum in wichtigen Staaten wie dem vom Brexit verunsicherten Großbritannien, Japan und auch bei einigen Euro-Ländern habe sich verlangsamt. Bei ihrem Gipfel in Peking näherten sich China, dessen Wirtschaft zuletzt etwas schwächer zugelegt hatte, und die EU in wichtigen Fragen an. Vor allem Deutschland steht bei chinesischen Investoren hoch im Kurs.

Selbst in den USA werde langfristig ein geringeres Wachstum erwartet, wenn für Unternehmen positive Effekte der Regierung Trump etwa durch die Steuerreform nachlassen, erklärte Obstfeld bei der Vorstellung des aktualisierten IWF-Weltwirtschaftsberichtes. "In Europa ist die politische Unsicherheit größer geworden, die Europäische Union steht fundamentalen Herausforderungen bezüglich der Migrationspolitik, der Wirtschaftspolitik, der Rechtstreue und der institutionellen Architektur der Eurozone gegenüber", ergänzte er.

Der IWF rechnet weiter mit einem Wachstum der Weltwirtschaft von 3,9 Prozent für das laufende sowie das nächste Jahr und lässt damit seine ursprüngliche Prognose vom April unverändert. Jedoch senkte der Fonds den Ausblick für die Industrieländer um 0,1 Punkte auf 2,4 Prozent im laufenden Jahr. Für 2019 blieb er auch bei den Industrieländern bei seiner Voraussage von 2,2 Prozent. Die Schwellenländer sollen in diesem Jahr um 4,9 Prozent und 2019 dann um 5,1 Prozent wachsen.

Eine zentrale Rolle spielt dabei China. Die Wirtschaft der Volksrepublik legte im zweiten Quartal mit 6,7 Prozent ein bisschen langsamer zu. Für die erste Jahreshälfte ergab sich ein Plus von insgesamt 6,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, wie das Statistikamt in Peking berichtete. Damit erscheint die zweitgrößte Volkswirtschaft für eine drohende Eskalation im Handelsstreit mit den USA gerüstet - doch angesichts der Unsicherheiten bröckelt die Zuversicht.

"Die Wirtschaft ist stabil und zeigt normales Wachstum", sagte der Wirtschaftsprofessor Hu Xingdou der Deutschen Presse-Agentur. Die gerade erst verhängten Strafzölle der USA auf Importe aus China im Wert von 34 Milliarden US-Dollar zeigten noch keine Auswirkungen. "Aber wie verlässlich sind diese Zahlen? Das ist unsicher."

Laut einer Umfrage des Finanzdienstes IHS Markit sind chinesische Unternehmen zwar optimistisch, dass ihre Produktion im nächsten Jahr wachsen wird. Doch die Stimmung sei "vergleichsweise gedämpft". Die Sorgen über den Handelskrieg, steigende Preise für Rohstoffe, höhere Arbeitskosten und strengere Umweltvorschriften drückten die Laune.

Zudem geht das Duell zwischen Washington und Peking vor der Welthandelsorganisation (WTO) in eine neue Runde. Nachdem China eine neue Klage eingereicht hatte, um gegen angekündigte US-Strafzölle im Wert von 200 Milliarden US-Dollar vorzugehen, reagierten die USA prompt: Sie richteten ihrerseits eine Beschwerde an die WTO wegen der Vergeltungszölle Chinas, der EU, Kanadas, Mexikos und der Türkei nach der Einführung der US-Sonderabgaben auf Aluminium und Stahlimporte.

Mit den Europäern will China die Abstimmung in Wirtschaftsfragen nun vertiefen. Die bisher nur langsam vorankommenden Gespräche über ein Investitionsabkommen bekamen am Montag neuen Schwung. Auch wurde eine Arbeitsgruppe vereinbart, um die WTO zu reformieren. Erstmals seit drei Jahren endete das Treffen mit einer gemeinsamen Erklärung.

"Die EU und China sind zwei Kräfte der Stabilität", sagte Premier Li Keqiang nach den Gesprächen mit EU-Ratspräsident Donald Tusk und Kommissionschef Jean-Claude Juncker. Man wolle gemeinsam das freie Handelssystem aufrechterhalten. Zu Drohungen Trumps, Waren aus China im Wert von bis zu 500 Milliarden Dollar mit Strafzöllen zu belegen, meinte Li: "Niemand geht aus einem Handelskrieg als Sieger hervor."

Beide Seiten tauschten ihre jeweiligen Angebote für eine weitere Marktöffnung aus, um das Investitionsabkommen voranzubringen, das für die Europäer eine Voraussetzung für ein Freihandelsabkommen ist. Die Verhandlungen träten "in eine neue Phase" ein und erhielten "starken Anschub", sagte Li. China wolle seine Anstrengungen "verdoppeln".

Gerade deutsche Unternehmen bleiben ein bevorzugtes Ziel von Investoren aus China. Für Übernahmen und Beteiligungen in Europa gaben sie in diesem Jahr bereits 15 Milliarden Dollar aus, davon 10 Milliarden in Deutschland, wie aus einer Studie der Beratungsfirma EY hervorgeht. Nach politischem Gegenwind könnten die Spannungen mit den USA nun "zu einer größeren Bereitschaft in Europa führen, chinesische Investoren ins Boot zu holen", sagte EY-China-Expertin Yi Sun./jap/DP/jsl

Foto: kentoh / Shutterstock.com

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