Klare Kante mit Klarnamen

Stefan Riße

Die großen Technologieriesen in den USA haben unglaubliche Erfolgsgeschichten hingelegt. Facebook, Amazon, Alphabet, Netflix, Microsoft und Apple machten ihre Aktionäre in den vergangenen Jahren reich. Hohes Wachstum und hohe Gewinnmargen zeichnen sie aus. Ein Traum für jeden Investor. Doch es ist nicht abzustreiten, dass diese Unternehmen teilweise eine monopolartige Machtstellung erlangt haben und kaum kontrolliert werden. Doch die neue Regierung in den USA unter dem neuen Präsidenten Joe Biden ist angetreten, dies zu ändern. In Europa gibt es schon lange den Ruf nach stärkerer Regulierung.

Monopolstellung steuert unser Verhalten

Das Problem vieler großer Technologieunternehmen ist ihre mit einem freien Markt kaum zu vereinbarende Möglichkeit, massiv auf unser Verhalten Einfluss zu nehmen. Durch vorinstallierte Google Apps bei Apple werden die Verbraucher und Nutzer hier direkt zu ihren Services geleitet und nur wer bewusst nach Alternativen sucht, findet diese auch. Oder bei Microsoft ist es heute fast unmöglich, überhaupt auch nur eine Alternative zu finden. Klar hat auch Apple ein Betriebssystem für seine Macintosh-Rechner, aber spätestens bei den üblichen Anwendungsprogrammen im Büro wie Textverarbeitung, Tabellenkalkulation und Präsentationen sowie E-Mail-Programmen landet man dann doch wieder bei Microsoft. Wie dies geändert werden kann, dafür hat bisher niemand ein Konzept. Selbst wenn man das Unternehmen aufspalten würde, in Betriebssystem und Anwendungsprogramme, sie blieben doch der jeweilige Standard.

Nicht Algorithmen, sondern Anonymität ist das Problem

Der noch stärkere Fokus derer, die nach Regulierung rufen, ist jedoch auf die Unternehmen im Bereich Social Media konzentriert. Im Zentrum steht hier Facebook, dem man erlaubt hatte, auch Instagram und WhatsApp zu übernehmen. Warum dies passierte, kann sich heute kaum einer mehr erklären. Immer wieder wird Facebook durch entsprechende Bots genutzt, um die Meinung der Menschen zu beeinflussen, insbesondere auch vor Wahlen. Aktuell steht der Vorwurf im Raum, die Russen hätten wieder massiv Einfluss auf die US-Wahl genommen. Es gibt daher die Forderung, die Algorithmen offen zu legen, die bestimmen, welche Inhalte uns in der Timeline angezeigt werden. Auch verbreiteter Hass und Hetze, die im Netz grassieren, stoßen vielen bitter auf. Doch anstatt sich mit den komplizierten Algorithmen zu beschäftigen, gäbe es eine ganz einfache Lösung für das Problem. Es müsste ganz einfach eine Verpflichtung geben, dass Leute, die ein Konto bei Facebook einrichten, dies mit ihrem eigenen Namen tun müssten und das auch entsprechend nachweisen. Möglich ist dies schon längst auch online, ohne dass jemand zur Post marschieren muss, um dort ein Postident-Verfahren zu machen. Die Onlinebanken und Broker, die auch nur mit dem Nachweis der Identität Konten eröffnen können, zeigen dass es geht. Dann wäre Hass und Verleumdung im Netz schnell beendet, weil die normalen Gesetze angewendet werden könnten, die eben genau so etwas verbieten. Natürlich wäre der Aufwand für die Unternehmen deutlich höher, neue Nutzer zu registrieren. Dafür aber müssten sie dann nicht Tausende von Menschen beschäftigen, die Schmähinhalte wieder löschen und auch Konten, die so etwas verbreiten.

Es bleibt auf jeden Fall spannend, wie es mit den großen Technologie-Riesen diesbezüglich weitergeht.

Hinweis: Die Inhalte der Kolumnen dienen ausschließlich der Information und stellen weder eine Anlageberatung oder sonstige Empfehlung im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes dar noch sind sie als Zusicherung etwaiger Kursentwicklungen zu verstehen. Die geäußerten Ansichten geben allein die Meinung des jeweiligen Autors wieder. Für den Inhalt der Kolumne ist allein der jeweilige Autor verantwortlich.
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Expertenprofil
Stefan Riße Stefan Riße Kapitalmartktstratege Acatis Investment

Stefan Riße Jahrgang 1968, aus Bremen ist Börsianer mit Leib und Seele. Seit seinem 16. Lebensjahr beschäftigt er sich intensiv mit den internationalen Finanzmärkten.

Nach dem Abitur und Praktika bei Banken und Vermögensverwaltern arbeitete er zwei Jahre lang als Broker, bevor er in den Journalismus wechselte. Er schrieb für Zeitschriften wie Forbes und Focus und ist seit über fünf Jahren ständiger Kolumnist für Focus Money.

Bekannt wurde Stefan Riße aber vor allem aufgrund seiner Tätigkeit als Börsenkorrespondent für "n-tv", wo von 2001 bis 2005 seine Berichte live vom Frankfurter Börsenparkett gesendet wurden. Von 2006 bis 2011 war er Chief Market Strategist der Deutschlandniederlassung von CMC Markets – dem ersten CFD- Market-Maker in Deutschland.

Seit Mai 2018 ist er Kapitalmarktstratege bei Acatis Investment und als dieser nach wie vor gefragter Interviewgast u. a. auch bei "n-tv" wo er regelmäßig auftritt.

Bereits im Alter von 17 Jahren lernte er den im September 1999 verstorbenen Börsenaltmeister André Kostolany kennen, mit dem ihn bis zu dessen Tod eine enge Freundschaft verband.

Sein bisher letztes Buch „Die Inflation kommt!“ war eines der erfolgreichsten Wirtschaftsbücher im Jahr 2010 und erreichte Platz 1 der Handelsblatt-Bestsellerliste.

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