Kutzers Zwischenruf: Aktien der Schwellenländer einbauen, aber (noch) nicht als Säulen eines Portfolios

Hermann Kutzer

Es ist faszinierend, was sich seit Jahren in den Emerging Markets (EMs) tut. Aber gerade 2019 ist wie eine Mahnung an die Anleger, nur mit fortgeschrittenem Know-how in den Schwellenländern zu investieren. Woher kommt eigentlich die Bezeichnung „Schwellenländer“? Achtung, kleiner Scherz: Die meisten Privatanleger müssen im Erfahrungsprozess und auch psychologisch eine „Schwelle“ überschreiten, wenn sie asiatische oder lateinamerikanische Aktien kaufen wollen. Ich bin sicher, dass wir dort in den kommenden Jahren weit überdurchschnittliche Renditen sehen werden. Aber auch und gerade die Volkswirtschaften der EMs entwickeln sich ganz unterschiedlich. Und es geht für den Investor nicht nur um das Wirtschaftswachstum, sondern mitentscheidend um die politisch-gesellschaftlichen Rahmenbedingungen.

Hinzu kommt ein interessanter internationaler Trend: Das Investment in „Themen“ gewinnt immer mehr an Bedeutung, überlagert also die traditionelle Allokation nach Ländern und Branchen. Das ist eine Aufgabe für das aktive Portfolio Management und damit für die Fondsanbieter. Denn nur eine Minderheit der Privatanleger ist in der Lage, weltweit (nicht nur in den EMs) die besonders attraktiven Unternehmen für ein bestimmtes Thema aufzuspüren. Was sind solche Mega-Themen? Neben Künstlicher Intelligenz (KI), die alle Wirtschaftsbereiche durchzieht, muss man in erster Linie Klimawandel/Umweltschutz, Gesundheitswesen (Health Care) und Infrastruktur (z.B. Chinas Neue Seidenstraße) analysieren.

Die Märkte der Schwellenländer hatten es in jüngster Vergangenheit nicht leicht. Das zu Ende gehende Jahr stand im Zeichen eines schwachen Wachstums, das durch die anhaltenden Diskussionen zwischen den USA und China beeinträchtigt wurde. Zusätzlich bremsten verschiedene Entwicklungen in Ländern wie Indien, Brasilien, Mexiko, Argentinien oder Südafrika die Märkte aus. Für 2020 erwarten Investmentstrategen zumindest eine gewisse Erholung - wenn auch nicht überall. Das Wirtschaftswachstum wird insgesamt mit plus/minus 4 Prozent veranschlagt und liegt damit im Bereich der diesjährigen Steigerung. Da die EMs nicht nur eng mit dem Welthandel, sondern auch mit der nationalen Politik verbunden sind, stehen die Vorhersagen allerdings auf dünnem Eis.

Dennoch, wer von Ihnen dort noch nicht engagiert ist, geschätzte Anleger, sollte über Aktien aus schon weit entwickelten Ländern nachdenken (beispielsweise China, Indien, Mexiko) - aber nur mit einem zeitlichen Anlagehorizont von mehr als einem Jahr! Als Depotbeimischung eignen sich auch nationale, relativ hoch verzinste Anleihen von EMs. Schwellenländer eignen sich nach meiner Einschätzung aber (noch) nicht, eine Säule im Portfolio zu bilden. Versuchen Sie lieber, über internationale Investmentfonds, die Themen orientiert sind, von den attraktivsten Werten auch der EMs zu profitieren.

 

Es ist faszinierend, was sich seit Jahren in den Emerging Markets (EMs) tut. Aber gerade 2019 ist wie eine Mahnung an die Anleger, nur mit fortgeschrittenem Know-how in den Schwellenländern zu investieren. Woher kommt eigentlich die Bezeichnung „Schwellenländer“? Achtung, kleiner Scherz: Die meisten Privatanleger müssen im Erfahrungsprozess und auch psychologisch eine „Schwelle“ überschreiten, wenn sie asiatische oder lateinamerikanische Aktien kaufen wollen. Ich bin sicher, dass wir dort in den kommenden Jahren weit überdurchschnittliche Renditen sehen werden. Aber auch und gerade die Volkswirtschaften der EMs entwickeln sich ganz unterschiedlich. Und es geht für den Investor nicht nur um das Wirtschaftswachstum, sondern mitentscheidend um die politisch-gesellschaftlichen Rahmenbedingungen.

Hinzu kommt ein interessanter internationaler Trend: Das Investment in „Themen“ gewinnt immer mehr an Bedeutung, überlagert also die traditionelle Allokation nach Ländern und Branchen. Das ist eine Aufgabe für das aktive Portfolio Management und damit für die Fondsanbieter. Denn nur eine Minderheit der Privatanleger ist in der Lage, weltweit (nicht nur in den EMs) die besonders attraktiven Unternehmen für ein bestimmtes Thema aufzuspüren. Was sind solche Mega-Themen? Neben Künstlicher Intelligenz (KI), die alle Wirtschaftsbereiche durchzieht, muss man in erster Linie Klimawandel/Umweltschutz, Gesundheitswesen (Health Care) und Infrastruktur (z.B. Chinas Neue Seidenstraße) analysieren.

Die Märkte der Schwellenländer hatten es in jüngster Vergangenheit nicht leicht. Das zu Ende gehende Jahr stand im Zeichen eines schwachen Wachstums, das durch die anhaltenden Diskussionen zwischen den USA und China beeinträchtigt wurde. Zusätzlich bremsten verschiedene Entwicklungen in Ländern wie Indien, Brasilien, Mexiko, Argentinien oder Südafrika die Märkte aus. Für 2020 erwarten Investmentstrategen zumindest eine gewisse Erholung - wenn auch nicht überall. Das Wirtschaftswachstum wird insgesamt mit plus/minus 4 Prozent veranschlagt und liegt damit im Bereich der diesjährigen Steigerung. Da die EMs nicht nur eng mit dem Welthandel, sondern auch mit der nationalen Politik verbunden sind, stehen die Vorhersagen allerdings auf dünnem Eis.

Dennoch, wer von Ihnen dort noch nicht engagiert ist, geschätzte Anleger, sollte über Aktien aus schon weit entwickelten Ländern nachdenken (beispielsweise China, Indien, Mexiko) - aber nur mit einem zeitlichen Anlagehorizont von mehr als einem Jahr! Als Depotbeimischung eignen sich auch nationale, relativ hoch verzinste Anleihen von EMs. Schwellenländer eignen sich nach meiner Einschätzung aber (noch) nicht, eine Säule im Portfolio zu bilden. Versuchen Sie lieber, über internationale Investmentfonds, die Themen orientiert sind, von den attraktivsten Werten auch der EMs zu profitieren.

Hinweis: Die Inhalte der Kolumnen dienen ausschließlich der Information und stellen weder eine Anlageberatung oder sonstige Empfehlung im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes dar noch sind sie als Zusicherung etwaiger Kursentwicklungen zu verstehen. Die geäußerten Ansichten geben allein die Meinung des jeweiligen Autors wieder. Für den Inhalt der Kolumne ist allein der jeweilige Autor verantwortlich.
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Expertenprofil
Hermann Kutzer Hermann Kutzer Freier Wirtschaftsjournalist, Finanzmarkt-Kommentator

Hermann Kutzer ist der dienstälteste journalistische Finanzmarktbeobachter in Deutschland: Seit mittlerweile 50 Jahren beobachtet er die nationalen Börsen und internationalen Wertpapier- und Rohstoffmärkte. Davon war er gut drei Jahrzehnte lang für die Verlagsgruppe Handelsblatt tätig, zuletzt als Chefredakteur des Monatsmagazins „DMEuro“.

Seit 2007 bietet der Routinier seine Erfahrung freiberuflich an: Analysen und Kolumnen, TV-Kommentare, Vorträge, Moderationen und Kommunikationsberatung. Nach seinem Hörbuch „Verstehen Sie Börse!“ (Finanzbuch Verlag, 2008) erschien im Frühjahr 2012 als Kutzers Manifest im Börsenbuchverlag „Vom Raubtierkapitalismus zur Planwirtschaft?“ Zu seinem umfangreichen Web-Auftritt gehört seit einiger Zeit „Kutzers Marktplatz“ mit Beiträgen über die unterschiedlichsten Anlagemöglichkeiten. Außerdem ist im Frühjahr 2013 der neue Internet-Kanal KUTZER-TV auf Sendung gegangen.

Der Journalist und Publizist engagiert sich seit Jahrzehnten für die privaten Anleger und in diesem Zusammenhang für die Weiterentwicklung der Aktienkultur. Er betrachtet es als seine vorrangige Aufgabe, die Vermittlung von Wissen über die Zusammenhänge des Sparens und Anlegens zu unterstützen. Dabei ist der „Marktmensch“ ein bekennender Marktwirtschaftler, der mit großer Skepsis die zunehmende Regulierung der Märkte durch die Politik auf nationaler und europäischer Ebene betrachtet.

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