Kutzers Zwischenruf: Aktien schenken = Gutscheine für Gut-Scheine

Hermann Kutzer

Alles wird gut, vielleicht nur langsam, langsamer als erhofft. Jedenfalls können wir 2021 mit einigem Optimismus entgegensehen. Zuversicht wird auch durch die aktuelle Nachrichtenlage vermittelt - trotz vereinzelter Warnungen und Vorbehalte. Inzwischen hat die Hochsaison für wirtschaftliche Ausblicke und Börsenprognosen begonnen. Bisher habe ich noch keine total konträre Meinung aus dem Kreis der Banken und Vermögensverwalter gefunden. Die sind zwar Berufsoptimisten, ist dennoch bemerkenswert. Die OECD liegt mit ihrem heute aktualisierten Wirtschaftsausblick ebenfalls auf dieser Linie.

Darin heißt es unter anderem:  Die Aussicht auf mehrere allgemein verfügbare Covid-19-Impfstoffe im kommenden Jahr lässt auf eine schnelle wirtschaftliche Erholung hoffen. Dennoch müssen die Regierungen gesundheitspolitische Maßnahmen und fiskalische Impulse beibehalten und weiter entschlossen handeln, um den Aufschwung zu stützen. Die Wirtschaftstätigkeit wird nach Einschätzung der Organisation der Industrieländer eingeschränkt bleiben, da Abstandsregeln und Reisebeschränkungen in der ersten Hälfte 2021 voraussichtlich weiter gelten werden. Die Weltwirtschaft dürfte sich nur allmählich beleben, wenn im Jahresverlauf weite Teile der Bevölkerung im OECD-Raum geimpft werden. Nach einem drastischen Einbruch um 4,2 Prozent in diesem Jahr wird das globale BIP den Projektionen zufolge 2021 um 4,2 Prozent wachsen. Dieses Wachstum dürfte zu mehr als einem Drittel auf China entfallen. Die Erholung wird in den einzelnen Ländern und Sektoren unterschiedlich verlaufen und könnte dauerhafte Veränderungen in der Weltwirtschaft mit sich bringen.

Eine positive Nachricht kommt auch von den Nürnberger GfK-Konsumforschern: Die Bundesbürger werden 2020 nicht bei Geschenken sparen. Diesmal sollen mehr Sachgeschenke unter dem Weihnachtsbaum liegen, Gutscheine sind dagegen weniger gefragt. Der positive Trend im Online-Handel setzt sich auch in den Adventswochen fort. Das sind Ergebnisse einer aktuellen GfK-Analyse zum diesjährigen Weihnachtsgeschäft. Mit einem Budget für Weihnachtsgeschenke von durchschnittlich 330 Euro bewegen sich die geplanten Ausgaben in diesem Jahr auf einem ähnlich hohen Niveau wie 2019. Und dies obwohl bereits im vergangenen Jahr im Weihnachtsgeschäft Rekordumsätze erzielt wurden. Unterschiede im Ausgabeverhalten gibt es bei verschiedenen Zielgruppen. So wollen die 18- bis 29-Jährigen circa 500 Euro für Geschenke ausgeben, das sind fast 50 Prozent mehr als im vergangenen Jahr. Sparen werden hingegen die älteren Menschen ab 50 Jahren. Diese möchten vor allem weniger Geld als im letzten Jahr für Bekleidung, Schuhe oder Accessoires sowie Wohnaccessoires ausgeben. Alles in allem können sich Hersteller und Händler von Büchern, Spielwaren und Lebensmitteln Hoffnung auf ein gutes Weihnachtsgeschäft machen.

Und was raten die Anlageprofis den Deutschen? Der weitgehend einheitliche Optimismus für 2021 verhindert nicht, dass die ganze Palette von Aktien auf den Empfehlungslisten auftaucht. Sie favorisieren die einen die bisherigen Corona-Verlierer und stark gedrückten Wachstumswerte, andere hingegen sehen zunächst Value-Titel diverser Branchen (Konsum, Gesundheitswesen) im Vordergrund, bevor Growth-Bereichen wieder größere Kurschancen bescheinigt wird. Neben der Wall Street steht China im Mittelpunkt, aber auch europäische Aktienmärkte werden wiederentdeckt. Obwohl die Ergebnisse der GfK-Studie wenig Neigung zu Gutscheinen zeigen, halte ich die für durchaus geeignete Instrumente zum bequemen Schenken von sinnvollen Kapitalanlagen. Gold kann so, aber natürlich auch in physischer Form (Münzen, Barren, Schmuck) unter den Weihnachtsbaum gelegt werden. Das gilt aber auch für Wertpapiere: Aktien sind per se Gut-Scheine. Es ist also eine besonders gute Idee, Gutscheine auf Gut-Scheine zu schenken! Damit eröffnet man dem Beschenkten langfristiges Potenzial auf weitere Wertsteigerungen.

Hinweis: Die Inhalte der Kolumnen dienen ausschließlich der Information und stellen weder eine Anlageberatung oder sonstige Empfehlung im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes dar noch sind sie als Zusicherung etwaiger Kursentwicklungen zu verstehen. Die geäußerten Ansichten geben allein die Meinung des jeweiligen Autors wieder. Für den Inhalt der Kolumne ist allein der jeweilige Autor verantwortlich.
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Expertenprofil
Hermann Kutzer Hermann Kutzer Freier Wirtschaftsjournalist, Finanzmarkt-Kommentator

Hermann Kutzer ist der dienstälteste journalistische Finanzmarktbeobachter in Deutschland: Seit mittlerweile 50 Jahren beobachtet er die nationalen Börsen und internationalen Wertpapier- und Rohstoffmärkte. Davon war er gut drei Jahrzehnte lang für die Verlagsgruppe Handelsblatt tätig, zuletzt als Chefredakteur des Monatsmagazins „DMEuro“.

Seit 2007 bietet der Routinier seine Erfahrung freiberuflich an: Analysen und Kolumnen, TV-Kommentare, Vorträge, Moderationen und Kommunikationsberatung. Nach seinem Hörbuch „Verstehen Sie Börse!“ (Finanzbuch Verlag, 2008) erschien im Frühjahr 2012 als Kutzers Manifest im Börsenbuchverlag „Vom Raubtierkapitalismus zur Planwirtschaft?“ Zu seinem umfangreichen Web-Auftritt gehört seit einiger Zeit „Kutzers Marktplatz“ mit Beiträgen über die unterschiedlichsten Anlagemöglichkeiten. Außerdem ist im Frühjahr 2013 der neue Internet-Kanal KUTZER-TV auf Sendung gegangen.

Der Journalist und Publizist engagiert sich seit Jahrzehnten für die privaten Anleger und in diesem Zusammenhang für die Weiterentwicklung der Aktienkultur. Er betrachtet es als seine vorrangige Aufgabe, die Vermittlung von Wissen über die Zusammenhänge des Sparens und Anlegens zu unterstützen. Dabei ist der „Marktmensch“ ein bekennender Marktwirtschaftler, der mit großer Skepsis die zunehmende Regulierung der Märkte durch die Politik auf nationaler und europäischer Ebene betrachtet.

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