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Kutzers Zwischenruf: Aktien verbilligen ist auch nach Kursrutsch gefährlich

Hermann Kutzer

Konkrete Prognosen werden jetzt von den meisten Häusern erst einmal in die Schublade gelegt - kein Wunder nach der jüngsten Börsenentwicklung und den zunehmenden Rezessionssorgen. Schon dass der Dax die 200-Tage-Linie nach unten durchstoßen hat, sorgt bei Analysten für Bauchschmerzen. Die Wall Street hat vor allem auf den starken Anstieg der US-Staatsanleihen reagiert, denn die Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihen rentierte zuletzt unterhalb der 2-jährigen Bonds. Kurze Zinsen höher als lange, das ist pervers - am Kapitalmarkt nennt man das invers. Eine inverse Zinsstruktur gilt als guter Indikator für eine kommende Rezession (Beispiel 2007). Trösten uns alte Hasen: Nicht auf jede Inversion folgte auch eine Rezession. Außerdem lag bei den letzten neun US-Rezessionen zwischen dem Zeitpunkt der ersten Inversion und dem Beginn der Rezession durchschnittlich ein Abstand von 21 Monaten. Das spricht gegen panikartiges Verhalten der Aktienanleger. Außerdem: Seit 1980 stieg er S&P 500 zwischen Inversion und Rezession um durchschnittlich 13 Prozent!

Aber nicht nur deshalb wird sich mach mutiger Investor fragen, ob er seine Bestände nicht verbilligen sollte - also die deutlichen Kursrückgänge zu Käufen nutzen? Gewiss. das kann gutgehen, es kann. Das ist auf den ersten Blick auch plausibel, erfahrungsgemäß aber gefährlich. Denn mehrheitlich wird das Verbilligen teuer, weil die Kurse anschließend weiter fallen, so dass die Buchverluste noch größer werden. Meine Beobachtungen zeigen auch, dass langfristige Anlagen durch das Verbilligen oft zu kurzfristigen Spekulationen werden (was man ja nicht will). Deshalb unterscheide ich grundsätzlich zwischen dem Nein zum Verbilligen und dem Ja zum Nachkaufen bei steigenden Kursen, wenn also die ursprüngliche Entscheidung durch den Börsenverlauf als richtig bestätigt wird.

Hinweis: Die Inhalte der Kolumnen dienen ausschließlich der Information und stellen weder eine Anlageberatung oder sonstige Empfehlung im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes dar noch sind sie als Zusicherung etwaiger Kursentwicklungen zu verstehen. Die geäußerten Ansichten geben allein die Meinung des jeweiligen Autors wieder. Für den Inhalt der Kolumne ist allein der jeweilige Autor verantwortlich.
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Expertenprofil
Hermann Kutzer Hermann Kutzer Freier Wirtschaftsjournalist, Finanzmarkt-Kommentator

Hermann Kutzer ist der dienstälteste journalistische Finanzmarktbeobachter in Deutschland: Seit mittlerweile 50 Jahren beobachtet er die nationalen Börsen und internationalen Wertpapier- und Rohstoffmärkte. Davon war er gut drei Jahrzehnte lang für die Verlagsgruppe Handelsblatt tätig, zuletzt als Chefredakteur des Monatsmagazins „DMEuro“.

Seit 2007 bietet der Routinier seine Erfahrung freiberuflich an: Analysen und Kolumnen, TV-Kommentare, Vorträge, Moderationen und Kommunikationsberatung. Nach seinem Hörbuch „Verstehen Sie Börse!“ (Finanzbuch Verlag, 2008) erschien im Frühjahr 2012 als Kutzers Manifest im Börsenbuchverlag „Vom Raubtierkapitalismus zur Planwirtschaft?“ Zu seinem umfangreichen Web-Auftritt gehört seit einiger Zeit „Kutzers Marktplatz“ mit Beiträgen über die unterschiedlichsten Anlagemöglichkeiten. Außerdem ist im Frühjahr 2013 der neue Internet-Kanal KUTZER-TV auf Sendung gegangen.

Der Journalist und Publizist engagiert sich seit Jahrzehnten für die privaten Anleger und in diesem Zusammenhang für die Weiterentwicklung der Aktienkultur. Er betrachtet es als seine vorrangige Aufgabe, die Vermittlung von Wissen über die Zusammenhänge des Sparens und Anlegens zu unterstützen. Dabei ist der „Marktmensch“ ein bekennender Marktwirtschaftler, der mit großer Skepsis die zunehmende Regulierung der Märkte durch die Politik auf nationaler und europäischer Ebene betrachtet.

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