Kutzers Zwischenruf: Altersvorsorge nicht ohne Aktien

Hermann Kutzer

Die professionellen Aktienförderer bleiben hart am Ball. „Ampel-Koalition muss kapitalgedeckte Altersvorsorge neu ausrichten“, überschreibt das Deutsche Aktieninstitut (DAI) ein heute zusammen mit der Verbraucherzentrale Bundesverband und der Finvia Family Office herausgegebenes Papier. Und das, obwohl die Ampel noch nicht in Betrieb ist. Aber es kann ja nicht schaden, wenn man bekannte Forderungen mit bekannten Argumenten den neuen Entscheidern in Berlin bei jeder Gelegenheit unter die Nase reibt.

Inhaltlich teile ich den Ruf nach einer „Aktienrente“ seit langem. Die Gewichtung dieser Forderung wird allerdings überschätzt, wenn es in dem Papier heißt, dass die Einführung einer kostengünstigen und auf Aktien basierten kapitalgedeckten Altersvorsorge „oberste Priorität“ für die kommende Bundesregierung haben müsse. Wichtig ist, auch dem letzten Politiker klarzumachen, dass eine breit diversifizierte Anlage in Aktien langfristig attraktive Renditen erwirtschaften kann, ohne zu höheren Risiken gegenüber weniger rentablen Anlagen zu führen. Der Blick in die Wirtschaftsgeschichte zeigt, dass Aktien Top-Performer für jedes Depot sind und waren. Deshalb hat DAI-Chefin Christine Bortenlänger uneingeschränkt Recht mit ihrer These: „Eine breitgestreute langfristige Aktienanlage entfaltet ihr Potenzial über viele Jahre und Jahrzehnte und ist damit prädestiniert für die Altersvorsorge.“

Das gemeinsame Papier „Kapitalgedeckte Altersvorsorge mit Aktien! 120 Jahre Aktien und Staatsanleihen im Renditevergleich“ zeigt, dass Aktien gegenüber Anleihen langfristig einen deutlichen Renditevorteil aufweisen. Aktien haben nach Abzug der Inflation in diesem Zeitraum 5,7 Prozent Rendite pro Jahr erwirtschaftet - Anleihen dagegen nur 2,1 Prozent. Gleichzeitig ist die langfristige Anlage in Aktien auch weniger riskant als das Investment in Staatsanleihen. Maximal elf Jahre hat es gedauert, bis Anleger, die zu einem historischen Hoch in Aktien eingestiegen sind, einen nachfolgenden Verlust wieder ausgeglichen haben. Bei Staatsanleihen mussten sie im schlimmsten Fall 53 Jahre warten, bis sie die Gewinnzone wieder erreicht haben.

Abgesehen von der politischen Forderung ist die Zeit längst überreif und momentan ausgesprochen günstig. Denn die Entwicklung des Aktienmarkts im Zeitalter von Null-Zinsen hat seine herausragende Qualität gerade in den vergangenen Jahren eindrucksvoll bestätigt. Dazu passt die „Nachhaltigkeit“ als Oberthema für Wirtschaft und Kapitalanlage.

Hinweis: Die Inhalte der Kolumnen dienen ausschließlich der Information und stellen weder eine Anlageberatung oder sonstige Empfehlung im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes dar noch sind sie als Zusicherung etwaiger Kursentwicklungen zu verstehen. Die geäußerten Ansichten geben allein die Meinung des jeweiligen Autors wieder. Für den Inhalt der Kolumne ist allein der jeweilige Autor verantwortlich.
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Expertenprofil
Hermann Kutzer Hermann Kutzer Freier Wirtschaftsjournalist, Finanzmarkt-Kommentator

Hermann Kutzer ist der dienstälteste journalistische Finanzmarktbeobachter in Deutschland: Seit mittlerweile 50 Jahren beobachtet er die nationalen Börsen und internationalen Wertpapier- und Rohstoffmärkte. Davon war er gut drei Jahrzehnte lang für die Verlagsgruppe Handelsblatt tätig, zuletzt als Chefredakteur des Monatsmagazins „DMEuro“.

Seit 2007 bietet der Routinier seine Erfahrung freiberuflich an: Analysen und Kolumnen, TV-Kommentare, Vorträge, Moderationen und Kommunikationsberatung. Nach seinem Hörbuch „Verstehen Sie Börse!“ (Finanzbuch Verlag, 2008) erschien im Frühjahr 2012 als Kutzers Manifest im Börsenbuchverlag „Vom Raubtierkapitalismus zur Planwirtschaft?“ Zu seinem umfangreichen Web-Auftritt gehört seit einiger Zeit „Kutzers Marktplatz“ mit Beiträgen über die unterschiedlichsten Anlagemöglichkeiten. Außerdem ist im Frühjahr 2013 der neue Internet-Kanal KUTZER-TV auf Sendung gegangen.

Der Journalist und Publizist engagiert sich seit Jahrzehnten für die privaten Anleger und in diesem Zusammenhang für die Weiterentwicklung der Aktienkultur. Er betrachtet es als seine vorrangige Aufgabe, die Vermittlung von Wissen über die Zusammenhänge des Sparens und Anlegens zu unterstützen. Dabei ist der „Marktmensch“ ein bekennender Marktwirtschaftler, der mit großer Skepsis die zunehmende Regulierung der Märkte durch die Politik auf nationaler und europäischer Ebene betrachtet.

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