Kutzers Zwischenruf: Auf der Suche nach mehr Sicherheit

Hermann Kutzer

Neue Pandemie-Welle, weiter steigende Inflation, gefährdete Konjunktur - keine einfachen Tage für aktive Kapitalanleger. Dennoch präsentieren sich die Börsen bisher erstaunlich robust. Ich gehe davon aus, dass die Märkte in den nächsten Wochen empfindlicher auf schlechte Nachrichten reagieren werden. Immer mehr Anleger im institutionellen wie im privaten Bereich werden sich bemühen, ihre Risiken zu vermindern. Vereinzelt ist von bedeutenden Fondsmanagern bereits zu hören, dass sie mit dem Abbau ihrer Aktienpositionen begonnen hätten.

Es ist also nicht nur denkbar, sondern auch konsequent, wenn man für kurz- bis mittelfristige Portfolios im vierten Quartal eine betont vorsichtige Taktik umsetzt. Wie kann der Privatanleger dabei vorgehen?

Zunächst: Ob man den Depot-Check allein oder mit Hilfe von Freunden oder Anlageexperten vornimmt, ist natürlich die Entscheidung jedes einzelnen, geschätzte Anleger. Schon hier zeigt uns bereits die Vorbereitung einer taktischen Änderung, dass es letztlich auf die individuelle Einstellung und Zielsetzung ankommt. Konkret kann es dazu führen, dass Anleihebestände total abgebaut und Aktienpositionen wenigstes teilweise reduziert werden. Wer nicht ausgesprochen ängstlich ist, belässt es vielleicht (erst einmal abwartend) bei einem unveränderten Portfolio (ohne weitere Käufe). Ein Muss ist für meinen Geschmack die Überprüfung der bestehenden Absicherungen gegen Verluste - gegebenenfalls sollten Limite dem Risiko entsprechend angepasst werden.

Wer auf zahlreiche Einzelaktien baut, kann jederzeit die „Happy-Depot-Methode“ anwenden: Aktien verkaufen, die sich enttäuschend entwickeln und bisher schon zur (relativen) Schwäche neigen und nur noch die Werte behalten, mit denen man zufrieden ist.

Mehr Sicherheit in der gegenwärtigen Marktlage zu finden, ist ausgehend vom Aktienmarkt mit seiner überragenden Performance kaum möglich. Aus Staatsanleihen würde ich mich (wie bereits angedeutet) komplett verabschieden. Zugleich kann die erhöhte Liquidität in (physisches) Gold getauscht werden. Überhaupt können Tauschoperationen bestehende Risiken im Depot mindern. Dabei sollte der Anleger nicht nur unterschiedliche Anlageklassen im Auge haben, wie üblich, sondern vor allem unterschiedliche Anlageinstrumente. Beispiel: Anstelle von bestehenden Aktien-Direktanlagen wechseln in Aktienfonds (einschließlich ETFs) oder Zertifikate.

Ich bin überzeugt, geschätzte Anleger, dass Sie einen ganz persönlichen Weg zu mehr Sicherheit Ihrer Kapitalanlagen finden werden. Sinnvoll ist es in jedem Fall, einen mehr oder weniger großen Teil des kurz- bis mittelfristig investierten Vermögens auf ein langfristiges Konto „umzubuchen“. Denn Sie wissen ja, dass Aktien dann durchschnittlich 6 bis 9 Prozent Rendite ()!) pro Jahr bringen - also mehr Sicherheit durch einen gaaanz weiten Anlagehorizont, etwa für spätere größere Anschaffungen oder die Altersvorsorge.

Hinweis: Die Inhalte der Kolumnen dienen ausschließlich der Information und stellen weder eine Anlageberatung oder sonstige Empfehlung im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes dar noch sind sie als Zusicherung etwaiger Kursentwicklungen zu verstehen. Die geäußerten Ansichten geben allein die Meinung des jeweiligen Autors wieder. Für den Inhalt der Kolumne ist allein der jeweilige Autor verantwortlich.
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Expertenprofil
Hermann Kutzer Hermann Kutzer Freier Wirtschaftsjournalist, Finanzmarkt-Kommentator

Hermann Kutzer ist der dienstälteste journalistische Finanzmarktbeobachter in Deutschland: Seit mittlerweile 50 Jahren beobachtet er die nationalen Börsen und internationalen Wertpapier- und Rohstoffmärkte. Davon war er gut drei Jahrzehnte lang für die Verlagsgruppe Handelsblatt tätig, zuletzt als Chefredakteur des Monatsmagazins „DMEuro“.

Seit 2007 bietet der Routinier seine Erfahrung freiberuflich an: Analysen und Kolumnen, TV-Kommentare, Vorträge, Moderationen und Kommunikationsberatung. Nach seinem Hörbuch „Verstehen Sie Börse!“ (Finanzbuch Verlag, 2008) erschien im Frühjahr 2012 als Kutzers Manifest im Börsenbuchverlag „Vom Raubtierkapitalismus zur Planwirtschaft?“ Zu seinem umfangreichen Web-Auftritt gehört seit einiger Zeit „Kutzers Marktplatz“ mit Beiträgen über die unterschiedlichsten Anlagemöglichkeiten. Außerdem ist im Frühjahr 2013 der neue Internet-Kanal KUTZER-TV auf Sendung gegangen.

Der Journalist und Publizist engagiert sich seit Jahrzehnten für die privaten Anleger und in diesem Zusammenhang für die Weiterentwicklung der Aktienkultur. Er betrachtet es als seine vorrangige Aufgabe, die Vermittlung von Wissen über die Zusammenhänge des Sparens und Anlegens zu unterstützen. Dabei ist der „Marktmensch“ ein bekennender Marktwirtschaftler, der mit großer Skepsis die zunehmende Regulierung der Märkte durch die Politik auf nationaler und europäischer Ebene betrachtet.

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