Kutzers Zwischenruf: Bei Aktienanlagen Qualitätskriterien nicht vernachlässigen

Hermann Kutzer

Interessante Gedanken eines Vermögensmanagers, die sich gegen einseitige Urteile von Anlagestilen richten. Das Thema liegt auf meinem Kurs, weil auch ich mich seit langem gegen ein Entweder-Oder wende und das Sowohl-Als-Auch bevorzuge. Klar, dass Aktien alternativlos sind, zumindest für Anleger, die langfristig vom Wertschöpfungspotential der Wirtschaft profitieren möchten. Doch nach wie vor wird die Frage nach dem Value- oder Growth-Ansatz gestellt, als seien diese Stile bzw. Faktoren die einzig zielführenden Performancetreiber im Rahmen einer scheinbar binären Investmentstrategie. „Die Realität ist zumindest seit der Finanzkrise 2008 und den Möglichkeiten innovativer Datenverarbeitung weit komplexer“, schreibt mir heute Thomas Böckelmann, leitender Portfoliomanager von Euroswitch.

Der Investmentprofi hat an den Aktienmärkten drei Gruppen von Akteuren identifiziert. Da seien zum einen die Momentum-Spieler. Der Begriff „Spieler“ ist hier bewusst gewählt, denn mit fundamental orientiertem Investieren hat dieser Ansatz wenig zu tun. Man kauft schlichtweg das, was bislang steigt, in der Hoffnung, es werde so schon weitergehen. Doch mit steigenden Kursen steigt oft auch die Fallhöhe, wenn die eingepreisten Erwartungen von der Wirklichkeit nicht erfüllt werden. Momentum-Engagements sind daher oft von recht abrupten Kurseinbrüchen gekennzeichnet. Zum anderen gibt es den Contrarian-Ansatz. Scheinbar trotzig wird hier gegensätzlich zum Momentum investiert, werden günstige, in Ungnade gefallene Titel gekauft oder aktuell gut gelaufene verkauft, da bereits eine Überbewertung vermutet wird. Contrarian-Anleger setzen daher seit Jahren immer wieder auf Value, da sie davon ausgehen, dass der Trend zugunsten von Growth-Titeln irgendwann brechen muss. Im Gegensatz zu den massegetriebenen Ansätzen steht das Investieren aus eigenen Überzeugungen heraus - der Conviction. Vielen Conviction-Investoren sind laut Böckelmann die Begriffe Value und Growth viel zu unscharf abgegrenzt.

Value + Growth + Quality statt Value oder Growth - ist die angesagte Philosophie, denn die Unterscheidung zwischen Value und Growth ist nicht ausreichend. Die Palette betriebswirtschaftlicher Kennzahlen und marktorientierter Parameter reicht viel weiter und kann dabei den Entscheidungsprozess für ein Investment aus Überzeugung unterstützen. Dabei spielen auch Mischkriterien aus Value-lastigen und Growth-lastigen Indikatoren eine große Rolle, was bedeutet „Wachstum hoher Qualität zum akzeptablen Preis“. Dazu gehören Kriterien, welche die Stabilität des Wachstums unterstreichen, zum Beispiel Aspekte wie Markt- und Preisführerschaft, Transparenz und Prognostizierbarkeit der Umsatzentwicklung, hohe Margenstabilität aber auch niedriger

Verschuldungsgrad und hohe Ausgaben für Forschung und Entwicklung für den Aufbau neuer Wachstumsfelder.

Es geht ausdrücklich hier um das klassische langfristige Investment in Aktien, nicht um das kurz- bis mittelfristige Engagement am Aktienmarkt, das seit Jahren immer beliebter wird. Die nur auf wenige Monate oder etwa ein bis zwei Jahre eingestellten spekulativen Aktienfans folgen oft keinem Investmentstil, sondern eher dem Herdentrieb,

Qualitätsaktien für den weiten Anlagehorizont können Sie, geschätzte Anleger, unter anderem auf der Liste der internationalen Champions des Rosenheimer TM Börsenverlags finden. Denn als „Champions“ kommen nur die 100 Top-Aktien mit den langfristig vielversprechendsten Chance-Risiko-Profilen infrage. Grundlage dafür sind die aus dem Kursverlauf der vergangenen zehn Jahre berechneten Performance-Kennzahlen. Bei der jüngsten Quartalsüberprüfung wurden drei langjährige Top-Performer herausgefiltert, die zum Oktober-Ultimo zum Kreis der Champions gehören: MSCI (WKN A0M63R) - der ehemals als Morgan Stanley Capital International firmierende US-Konzern zählt zu den bedeutendsten Indexanbietern der Finanzindustrie mit dem MSCI World als wohl bekanntestem Aushängeschild. Darüber hinaus bietet MSCI institutionellen Kunden verschiedene Finanzanalyse-Tools für das Risiko- und Portfoliomanagement an. Als Investment kann die im S&P 500 notierte Aktie mit Kursgewinnen von stolzen 26% pro Jahr überzeugen. Dazu als deutscher Hidden Champion Atoss Software (WKN 510440), ein Münchner Softwareanbieter. Wenig bekannt auch der dritte neue Champion: McCormick (WKN 858250). Dabei ist der US-Konzern die weltweite Nummer eins im Gewürzgeschäft. Zum Kundenkreis zählen sowohl private Verbraucher in rund 150 Ländern als auch praktisch viele namhafte Lebensmittelhersteller und Restaurantketten.

Bleiben Sie gesund!

Hinweis: Die Inhalte der Kolumnen dienen ausschließlich der Information und stellen weder eine Anlageberatung oder sonstige Empfehlung im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes dar noch sind sie als Zusicherung etwaiger Kursentwicklungen zu verstehen. Die geäußerten Ansichten geben allein die Meinung des jeweiligen Autors wieder. Für den Inhalt der Kolumne ist allein der jeweilige Autor verantwortlich.
Expertenprofil
Hermann Kutzer Hermann Kutzer Freier Wirtschaftsjournalist, Finanzmarkt-Kommentator

Hermann Kutzer ist der dienstälteste journalistische Finanzmarktbeobachter in Deutschland: Seit mittlerweile 50 Jahren beobachtet er die nationalen Börsen und internationalen Wertpapier- und Rohstoffmärkte. Davon war er gut drei Jahrzehnte lang für die Verlagsgruppe Handelsblatt tätig, zuletzt als Chefredakteur des Monatsmagazins „DMEuro“.

Seit 2007 bietet der Routinier seine Erfahrung freiberuflich an: Analysen und Kolumnen, TV-Kommentare, Vorträge, Moderationen und Kommunikationsberatung. Nach seinem Hörbuch „Verstehen Sie Börse!“ (Finanzbuch Verlag, 2008) erschien im Frühjahr 2012 als Kutzers Manifest im Börsenbuchverlag „Vom Raubtierkapitalismus zur Planwirtschaft?“ Zu seinem umfangreichen Web-Auftritt gehört seit einiger Zeit „Kutzers Marktplatz“ mit Beiträgen über die unterschiedlichsten Anlagemöglichkeiten. Außerdem ist im Frühjahr 2013 der neue Internet-Kanal KUTZER-TV auf Sendung gegangen.

Der Journalist und Publizist engagiert sich seit Jahrzehnten für die privaten Anleger und in diesem Zusammenhang für die Weiterentwicklung der Aktienkultur. Er betrachtet es als seine vorrangige Aufgabe, die Vermittlung von Wissen über die Zusammenhänge des Sparens und Anlegens zu unterstützen. Dabei ist der „Marktmensch“ ein bekennender Marktwirtschaftler, der mit großer Skepsis die zunehmende Regulierung der Märkte durch die Politik auf nationaler und europäischer Ebene betrachtet.

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