Kutzers Zwischenruf: Der Blick nach Asien lohnt sich wieder

Hermann Kutzer

Wenn sich immer mehr Marktteilnehmer zu den „Bullen“ bekennen, müssen die nicht unbedingt Recht bekommen. Zur Erinnerung eine alte Börsenweisheit: Wenn alle auf einer Seite stehen, solltest Du auf die andere Seite gehn. Ich bleib dabei: Der „Lockdown“ droht - nicht aber dem Aktienmarkt. 2022 ist an den Finanzmärkten vieles möglich, doch zeichnet sich für Dax & Co. aus heutiger Sicht keine Katastrophe ab - im Gegensatz zu unserem Gesundheitssystem. Der Jahreswechsel und die ersten Monate können schwierig, vielleicht sogar abschreckend werden. Im Verlauf von 2022 sollte die Preise der Sachinvestments aber wieder steigen.

So dramatisch und folgenschwer sich die die vierte Corona-Welle auch zuspitzt - die Finanzmärkte spiegeln noch keine Krisenstimmung wider. Nicht einmal Gold hat mit Preisglanz reagiert. Und zahlreiche Analysten verpacken Ihre Unsicherheit (wieder einmal) mit der Prognose „hoher Volatilität“ - diese Warnung kehrt alljährlich wieder. Ich finde, wirklich extrem waren die Schwankungen im auslaufenden Jahrgang gar nicht.

Vermehrt tauchen jetzt die Aktien der Emerging Markets (EM) wieder auf den Empfehlungslisten auf. Die haben ein relativ schwieriges Jahr hinter sich. Schwellenländeraktien lagen im Jahresverlauf leicht im Minus im Vergleich zu einem deutlichen Aufschwung sowohl des Nasdaq als auch des S&P 500. Schließt man China aus, liegen die Schwellenländermärkte allerdings insgesamt sogar leicht höher als die Industrieländermärkte. Dennoch lastet seit dem unruhigen Abwärtstrend jede Menge negativer Druck auf dem Markt. Wann wird dieser Druck nachlassen und werden Fundamentaldaten in den Vordergrund treten?

Wir sind der Meinung, dass diese Übergangsphase nicht sehr lange anhalten wird, heißt es in einer neuen Studie der GAM. Aber nicht allein der Zürcher Vermögensverwalter macht Mut und ist überzeugt, dass die EM schon bald wieder in einer starken Position sein werden, um von der „relativ starken Normalisierung nach der Covid-Krise“ zu profitieren. In diesem Sinne werden also die Fundamentaldaten und die Erträge ausschlaggebend sein.

Die attraktivsten Möglichkeiten sehen die GAM-Experten derzeit auf der Value-Ebene - insbesondere mit Blick auf nachhaltige Materialien, welche dieses Jahr stark an Wert gewonnen haben; sei es Impala Platin, seltene Erden, Kupfer- und Lithiumwerte - diese Werte erlitten Rückschläge von 20 bis 30%. Was die Inlandsnachfrage betrifft - abgesehen von den weltweiten geopolitischen Risiken -, schaffen Indien und China ein enormes inländisches Nachfragewachstum. Außerdem bieten sich einige nicht korrelierte Werte an, so auch in „VARPS“ (Vietnam, Argentinien, Rumänien, Pakistan und Saudi-Arabien), dem Frontierländer-Universum.

Und die Politik? Die Analysten rechnen damit, dass die chinesische Regierung ihre Aktivitäten eng aufeinander abstimmen wird und eine geordnete Schuldenrestrukturierung des Immobilienentwicklers Evergrande veranlassen wird - zumal die soziale und finanzielle Stabilität zu den obersten Prioritäten der Regierung gehören. Wir sind davon überzeugt, dass die regulatorische Verschärfung und die Abschwächung auf dem Immobilienmarkt bereits zu einer wirtschaftlichen Entschleunigung in China geführt haben. Dies wird die Regierung veranlassen unterstützende Maßnahmen zur Ankurbelung der Wirtschaft zu ergreifen. GAM hat beobachtet, dass der chinesische Aktienzyklus weitgehend den politischen Zyklen entspricht. Für die kommenden Wochen geht man von einem günstigeren politischen Umfeld aus, welches sich positiv auf die Stimmung der Anleger und die Entwicklung der Aktienkurse auswirken wird.

Hinweis: Die Inhalte der Kolumnen dienen ausschließlich der Information und stellen weder eine Anlageberatung oder sonstige Empfehlung im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes dar noch sind sie als Zusicherung etwaiger Kursentwicklungen zu verstehen. Die geäußerten Ansichten geben allein die Meinung des jeweiligen Autors wieder. Für den Inhalt der Kolumne ist allein der jeweilige Autor verantwortlich.
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Expertenprofil
Hermann Kutzer Hermann Kutzer Freier Wirtschaftsjournalist, Finanzmarkt-Kommentator

Hermann Kutzer ist der dienstälteste journalistische Finanzmarktbeobachter in Deutschland: Seit mittlerweile 50 Jahren beobachtet er die nationalen Börsen und internationalen Wertpapier- und Rohstoffmärkte. Davon war er gut drei Jahrzehnte lang für die Verlagsgruppe Handelsblatt tätig, zuletzt als Chefredakteur des Monatsmagazins „DMEuro“.

Seit 2007 bietet der Routinier seine Erfahrung freiberuflich an: Analysen und Kolumnen, TV-Kommentare, Vorträge, Moderationen und Kommunikationsberatung. Nach seinem Hörbuch „Verstehen Sie Börse!“ (Finanzbuch Verlag, 2008) erschien im Frühjahr 2012 als Kutzers Manifest im Börsenbuchverlag „Vom Raubtierkapitalismus zur Planwirtschaft?“ Zu seinem umfangreichen Web-Auftritt gehört seit einiger Zeit „Kutzers Marktplatz“ mit Beiträgen über die unterschiedlichsten Anlagemöglichkeiten. Außerdem ist im Frühjahr 2013 der neue Internet-Kanal KUTZER-TV auf Sendung gegangen.

Der Journalist und Publizist engagiert sich seit Jahrzehnten für die privaten Anleger und in diesem Zusammenhang für die Weiterentwicklung der Aktienkultur. Er betrachtet es als seine vorrangige Aufgabe, die Vermittlung von Wissen über die Zusammenhänge des Sparens und Anlegens zu unterstützen. Dabei ist der „Marktmensch“ ein bekennender Marktwirtschaftler, der mit großer Skepsis die zunehmende Regulierung der Märkte durch die Politik auf nationaler und europäischer Ebene betrachtet.

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