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Kutzers Zwischenruf: Der Fluch der verschwundenen Zinsen

Hermann Kutzer
Kutzers Zwischenruf: Der Fluch der verschwundenen Zinsen

Hallo allerseits! Ich kann mir gut vorstellen, dass viele Bundesbürger in diesen Tagen von Geldanlagen nichts wissen wollen. Politik und Welthandel verbreiten auf mehreren Schauplätzen brisante Unsicherheit, die Konjunktur steckt im Nebel und die Aktienkurse torkeln. Dazu kommt, dass die mutmaßlich sicheren Anlagen nicht mehr sicher sind und nicht einmal den Geldwert sicherstellen. Dazu liefern Wissenschaft und Banken schon seit Jahren erschreckende Zahlen. Eine neue Berechnung verbreitet dazu heute die DZ Bank. Der Titel klingt brav: „Anhaltende Zinseinbußen privater Haushalte durch Niedrigzinsphase“. Die aktualisierten Zahlen sind aber fürchterlich. Und Besserung ist nicht in Sicht.

Zusammengefasst sieht es wie folgt aus: Schon vor rund zehn Jahren ging es abwärts, schwenkte die Zinslandschaft in Richtung Niedrigzinsphase ein. Seitdem summieren sich die Zinseinbußen der privaten Haushalte bei Einlagen, Rentenpapieren und Versicherungen auf 648 Mrd. Euro auf. Dem stehen Zinsersparnisse bei Krediten von 290 Mrd. Euro gegenüber. Seit 2017 reicht die nominale Durchschnittsverzinsung nicht mehr aus, um die Inflation auszugleichen. Ein negativer Realzins von 1,0 Prozent führt in diesem Jahr zu einem Wertverlust des verzinslichen Geldvermögens von voraussichtlich 47 Mrd. Euro. Die im letzten Jahr aufkeimenden Hoffnungen einer Trendwende sind verflogen. Ein Ende der Niedrigzinsphase ist noch nicht absehbar. Die Zinseinbußen der privaten Haushalte steigen weiter und die Zinsen dürften erneut nicht für einen Inflationsausgleich ausreichen. Das wäre das vierte Jahr mit negativem Realzins in Folge.

Ich will jetzt nicht auf die Gründe dieser historischen Entwicklung eingehen und auch nicht deren Vor- und Nachteile abwägen. Die lange Null-Zins-Ära fördert anderseits aber den Schwenk vom Zinssparen zum Investieren in Sachwerte. Nur - leider! - in Deutschland bisher nicht in ausreichendem Maß. Deshalb sollten sich alle Verantwortlichen noch intensiver um die Aktienanlage kümmern. Denn die Zeit ist günstig, auch wenn es momentan anders aussieht: Wer dazu veranlagt ist, kann jetzt durch Kauf von besonders gebeutelten Aktien auf Alles-wird-gut wetten, wenn er darauf setzt, dass sich die internationale Szene wieder beruhigt, weil Amerika und China über kurz oder lang ihren Handelsstreit beilegen. Dann hellt sich auch der Konjunkturhorizont auf. Andere Anlegertypen sollten endlich mit langfristigen Aktien- oder Aktienfonds-Sparplänen für die private Vorsorge beginnen - statt Cash auf Konten verschmoren zu lassen.

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Hinweis: Die Inhalte der Kolumnen dienen ausschließlich der Information und stellen weder eine Anlageberatung oder sonstige Empfehlung im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes dar noch sind sie als Zusicherung etwaiger Kursentwicklungen zu verstehen. Die geäußerten Ansichten geben allein die Meinung des jeweiligen Autors wieder. Für den Inhalt der Kolumne ist allein der jeweilige Autor verantwortlich.
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Expertenprofil
Hermann Kutzer Hermann Kutzer Freier Wirtschaftsjournalist, Finanzmarkt-Kommentator

Hermann Kutzer ist der dienstälteste journalistische Finanzmarktbeobachter in Deutschland: Seit mittlerweile 50 Jahren beobachtet er die nationalen Börsen und internationalen Wertpapier- und Rohstoffmärkte. Davon war er gut drei Jahrzehnte lang für die Verlagsgruppe Handelsblatt tätig, zuletzt als Chefredakteur des Monatsmagazins „DMEuro“.

Seit 2007 bietet der Routinier seine Erfahrung freiberuflich an: Analysen und Kolumnen, TV-Kommentare, Vorträge, Moderationen und Kommunikationsberatung. Nach seinem Hörbuch „Verstehen Sie Börse!“ (Finanzbuch Verlag, 2008) erschien im Frühjahr 2012 als Kutzers Manifest im Börsenbuchverlag „Vom Raubtierkapitalismus zur Planwirtschaft?“ Zu seinem umfangreichen Web-Auftritt gehört seit einiger Zeit „Kutzers Marktplatz“ mit Beiträgen über die unterschiedlichsten Anlagemöglichkeiten. Außerdem ist im Frühjahr 2013 der neue Internet-Kanal KUTZER-TV auf Sendung gegangen.

Der Journalist und Publizist engagiert sich seit Jahrzehnten für die privaten Anleger und in diesem Zusammenhang für die Weiterentwicklung der Aktienkultur. Er betrachtet es als seine vorrangige Aufgabe, die Vermittlung von Wissen über die Zusammenhänge des Sparens und Anlegens zu unterstützen. Dabei ist der „Marktmensch“ ein bekennender Marktwirtschaftler, der mit großer Skepsis die zunehmende Regulierung der Märkte durch die Politik auf nationaler und europäischer Ebene betrachtet.

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