Kutzers Zwischenruf: Die Aktienkurse werden wieder aufstehen

Hermann Kutzer · Uhr (aktualisiert: Uhr)

Es sind Tage hoher Volatilität und großer Zahlen. Schwächeanfälle der Aktien von Dow bis Dax, zeitweise scharfe Korrekturen bei Bitcoin und Öl. Nur Gold erweist sich als Stabilitätsanker. Durch Corona, insbesondere nach dem Anrollen der Omikron-Welle müssen wir uns an erschreckende Volumen gewöhnen. Die Pandemie hat in den vergangenen beiden Jahren auch schon zu riesigen wirtschaftlichen Schäden geführt: Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln kommt in einer Analyse zum Ergebnis, dass der Wertschöpfungsausfall bei rund 350 Milliarden Euro liegt. Ein Großteil davon geht auf Ausfälle beim privaten Konsum zurück, unter anderem wegen Lockdown-Maßnahmen.

Die Bundesregierung wird Insidern zufolge ihre Wachstumsprognose für die deutsche Wirtschaft nächste Woche deutlich senken. Es werde dann für dieses Jahr nur noch mit einem Plus von 3,6 Prozent gerechnet, sagten zwei mit den Überlegungen vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Die Vorgängerregierung war im Herbst noch von 4,1 Prozent Wachstum in diesem Jahr ausgegangen.

Die deutschen Unternehmen kämpfen gerade mit vielen Problemen - die Industrie mit Lieferengpässen und hohen Energiekosten, die Dienstleister einschließlich des Handels mit den Pandemiefolgen. Und dennoch gibt es eine Chance, glauben Analysten, dass im Januar das wichtigste Stimmungsbarometer Deutschlands - das Ifo-Geschäftsklima - nicht weiter fällt. Das liegt einzig an den Geschäftserwartungen für die kommenden sechs Monate. In diesem Zeitraum sollten die Probleme entweder witterungsbedingt in den Hintergrund rücken (wie Corona) oder sich zumindest ansatzweise entspannen (Lieferengpässe). Die Lageeinschätzung könnte sich dagegen noch einmal verschlechtern (Veröffentlichung am 25. Januar).

Noch intensiver werden die Märkte in der neuen Woche nach Amerika blicken: Gibt es richtungsweisend Neues von der Federal Reserve? Die Leitzinswende der Fed in den USA rückt immer näher. Gleichwohl geht es bei diesem Zinsentscheid vordergründig darum, den Fuß vom geldpolitischen Gaspedal zu nehmen. Denn bislang kauft die Fed im Rahmen ihres monatlichen Kaufprogramms noch Anleihen. In zwei Schritten, also mit einer Reduzierung im Februar sowie im März, wird dieses Programm von den Währungshütern nun beendet werden. An den Kapitalmärkten wird inzwischen die Leitzinswende für den Zinsentscheid im März nach dem Eindruck zahlreicher Akteure voll eingepreist. Andere befürchten allerdings noch anhaltenden Druck durch die Ungewissheit über die nächsten geldpolitischen Schritte.

Hinzu kommt die Anfälligkeit der Technologie-Aktien. In ihrem aktuellen Flash Report sieht M.M. Warburg darin die Gründe für die derzeit schwache Verfassung der Aktienmärkte. Während vor allem hoch bewertete Growth-Aktien unter Druck stehen, haben sich viele Value-Titel positiv entwickelt. Wird diese Entwicklung anhalten und kommt es zu einer Renaissance dieses Anlagestils, der in den letzten Jahren das Nachsehen hatte? Man sollte nicht übersehen, dass der Markt bereits jetzt sehr heftig auf den näher rückenden Zinsanstieg reagiert hat.

Man kann in diesen Tagen (wie selten) Argumentationsketten mit unterschiedlichen Vorzeichen für die Börse knüpfen. Ich denke dabei unter anderem an eine drohende Eskalation der Ost-West-Spannungen wegen der Ukraine sowie den Einfluss der chinesischen Wirtschaftspolitik auf den Welthandel. Als Optimist hoffe ich darauf, dass die letzte Januarwoche auf allen Ebenen tendenziell Fortschritte bringen wird, die zu einer gewissen Beruhigung der Märkte beitragen. Vorab sei betont, geschätzte Anleger: Anlagebereites Geld ist reichlich vorhanden und wird auf absehbare Zeit auch nicht knapp. Und die hohe Inflation wird durch die kommende Zinswende nicht eingeholt - das heißt, die Realzinsen werden im Minus bleiben. Das spricht unverändert für Aktien.