Kutzers Zwischenruf: Dividenden-Anleger können wieder hoffen

Hermann Kutzer

Spielen die Ausschüttungen der Aktiengesellschaften für die Aktienperformance in diesem Jahre wieder eine größere Rolle? Mit Bestimmtheit lässt sich das noch nicht sagen. Aber es gibt hoffnungsvolle Signale. Es ist ja seit Jahren kein Geheimnis, dass die Dividenden für einen Großteil der Privatanleger mitentscheidend bei der Aktienauswahl sind - abgesehen vom Gewicht in Performance-Indizes wie dem Dax.

Die aktuellen Trends einschließlich einer Rückschau beschreibt Morningstar in einer ausführlichen Betrachtung. Dividendenanleger blicken auf ein ernüchterndes Jahr 2020 zurück. Der pandemiebedingte Wirtschaftsabschwung veranlasste eine Reihe von Unternehmen, Ausschüttungen zu kürzen oder ganz auszusetzen. Während der Morningstar Global Markets Index für Aktien aus Industrie- und Schwellenländern 2020 ein Plus von 6,5 % (in Euro) auswies, brach der Morningstar Global Dividend Yield Focus Index um knapp 10% ein. Dabei schnitten dividendenstarke Unternehmen auch während des Bärenmarkts im ersten Quartal unterdurchschnittlich ab und hinkten dann hinterher, als sich Aktien wieder erholten.

Doch im November gelang den Dividendenzahlern ein Comeback, heißt es in der Untersuchung des New Yorker Finanzinformations- und Analysehauses. Der Morningstar Global Dividend Yield Focus Index legte im vierten Quartal um knapp 8,5 Prozent zu, in den letzten zwei Monaten des Jahres entwickelte er sich parallel zum breiten Markt.

Dividendenwerte befinden sich typischerweise auf der Value-Seite des Aktienmarkts. Unternehmen in langsam wachsenden Sektoren wie defensiven Konsumgütern, Versorgern, Energie und Finanzdienstleistungen schütten eher ihre Erträge an die Aktionäre aus als in dynamisch wachsenden Bereichen wie der Technologie. Dieser Value Bias war in den ersten zehn Monaten des abgelaufenen Jahres ein großes Problem für Dividendenzahler und ihre Investoren. Der pandemiebedingte Abschwung hat viele wertorientierte Sektoren hart getroffen. Konsumorientierte Unternehmen stürzten ab. Energieaktien litten unter der sinkenden Nachfrage und einem Preiskrieg unter den Ölproduzenten. Finanzwerte fielen aufgrund niedriger Zinsen und Kreditausfällen.

Dividendentitel haben immer noch einen großen Nachholbedarf. Eine mögliche Marktrotation hin zu Value-Aktien wäre eine gute Nachricht für ausschüttungsorientierte Aktienanleger. Die langfristigen Argumente für Dividendenaktien sind nach wie vor solide. Wird jetzt alles wieder besser? Das sagen die Analysten: „Wir wissen es nicht, aber wenn man das Geschehen ab November Revue passieren lässt, können Dividenden-Anleger hoffen.“ Vielversprechende Ergebnisse von Impfstoffen und der weltweite Beginn der Impfungen können den Börsen 2021 neue Impulse verleihen. Ob die Value-Erholung und die Dividendenrenaissance anhalten, wird die Zeit zeigen. Aus Bewertungssicht scheint der Markt in dividendenstarken Value-Sektoren mehr Aufwärtspotenzial zu bieten als

auf der Growth-Seite des Marktes, so die Einschätzung von Morningstar: „Zu Beginn des neuen Jahres sehen unsere Aktienanalysten Energie als den attraktivsten Sektor an; am stärksten überbewertet sind dagegen Technologie-Aktien. Eine Konjunkturerholung wäre eine gute Nachricht für die zyklischen Sektoren, in denen sich viele Dividendenkönige befinden.“

Für mich sind die Ergebnisse dieser Betrachtung auch eine Bestätigung meiner grundsätzlichen Sowohl-als-auch-Empfehlung. Denn ich rate bekanntermaßen nicht zum Entweder-Oder (Growth oder Value), sondern sympathisiere mit einer Mischung beider Investment-Stile.

Hinweis: Die Inhalte der Kolumnen dienen ausschließlich der Information und stellen weder eine Anlageberatung oder sonstige Empfehlung im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes dar noch sind sie als Zusicherung etwaiger Kursentwicklungen zu verstehen. Die geäußerten Ansichten geben allein die Meinung des jeweiligen Autors wieder. Für den Inhalt der Kolumne ist allein der jeweilige Autor verantwortlich.
Expertenprofil
Hermann Kutzer Hermann Kutzer Freier Wirtschaftsjournalist, Finanzmarkt-Kommentator

Hermann Kutzer ist der dienstälteste journalistische Finanzmarktbeobachter in Deutschland: Seit mittlerweile 50 Jahren beobachtet er die nationalen Börsen und internationalen Wertpapier- und Rohstoffmärkte. Davon war er gut drei Jahrzehnte lang für die Verlagsgruppe Handelsblatt tätig, zuletzt als Chefredakteur des Monatsmagazins „DMEuro“.

Seit 2007 bietet der Routinier seine Erfahrung freiberuflich an: Analysen und Kolumnen, TV-Kommentare, Vorträge, Moderationen und Kommunikationsberatung. Nach seinem Hörbuch „Verstehen Sie Börse!“ (Finanzbuch Verlag, 2008) erschien im Frühjahr 2012 als Kutzers Manifest im Börsenbuchverlag „Vom Raubtierkapitalismus zur Planwirtschaft?“ Zu seinem umfangreichen Web-Auftritt gehört seit einiger Zeit „Kutzers Marktplatz“ mit Beiträgen über die unterschiedlichsten Anlagemöglichkeiten. Außerdem ist im Frühjahr 2013 der neue Internet-Kanal KUTZER-TV auf Sendung gegangen.

Der Journalist und Publizist engagiert sich seit Jahrzehnten für die privaten Anleger und in diesem Zusammenhang für die Weiterentwicklung der Aktienkultur. Er betrachtet es als seine vorrangige Aufgabe, die Vermittlung von Wissen über die Zusammenhänge des Sparens und Anlegens zu unterstützen. Dabei ist der „Marktmensch“ ein bekennender Marktwirtschaftler, der mit großer Skepsis die zunehmende Regulierung der Märkte durch die Politik auf nationaler und europäischer Ebene betrachtet.

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