Kutzers Zwischenruf: Für Stockpicker gibt’s noch reichlich Futter

Hermann Kutzer

Der Dax (und nicht nur der) signalisiert zwar anderes, dennoch bleibe ich bei meiner kurz- bis mittelfristigen Skepsis für die Aktienmärkte. Meine Sorgen wachsen mit den täglichen Corona-Infektionszahlen. Über uns schwappt momentan die vierte Welle einer Pandemie, deren (wirtschaftliche) Folgen gar nicht abzusehen sind. Dennoch sieht es so aus, als würden sich führende internationale Investment-Profis wieder zunehmend zum Lager der Börsen-Bullen bekennen. Sie setzen aufs kommende Jahr, das eine Beschleunigung des wirtschaftlichen Wachstums und eine Normalisierung der Inflationsraten bescheren soll. Schön wär’s ja. Allein mir fehlt noch der Glaube.

Ein Beispiel für den Optimismus liefert der Investment-Gigant AllianceBernstein: Das Wirtschaftswachstum vermittelt weiterhin einen robusten Eindruck, denn die Einführung von Impfstoffen hat zusammen mit den auf globaler Ebene fortgesetzten geld- und fiskalpolitischen Maßnahmen dazu geführt, dass die Weltwirtschaft wieder in Fahrt gekommen ist. Wir gehen davon aus, dass die aufgestaute Nachfrage von Konsumenten und Unternehmen das Wachstum weiter unterstützen wird, während sich die Volkswirtschaften zunehmend wieder öffnen und die Erwartungen an die Unternehmensgewinne weiter nach oben korrigiert werden. Dies deutet darauf hin, dass die Corona-Pandemie kaum langfristigen wirtschaftlichen Schaden nach sich ziehen wird.

Ganz ähnlich liest sich der positive Ausblick auf 2022 der Deutschen Bank: Die Gewinne der börsengelisteten Unternehmen sollten „kräftig zulegen“ und damit dem deutschen Aktienmarkt Rückenwind verschaffen. Angesichts der im Vergleich zu anderen Regionen wie den USA eher moderaten Bewertung - das Kurs/Gewinn-Verhältnis für die erwarteten Gewinne in den kommenden zwölf Monaten steht aktuell bei 14,8 - ist der Chef-Anlagestratege Ulrich Stephan mit Blick auf den Dax „weiterhin optimistisch“.

Wie auch immer, für den Aktienkäufer bleibt das Stockpicking die angesagte Taktik. Das lässt sich auch aus den täglichen Lageberichten und Prognosen der börsennotierten Unternehmen ableiten. Denn die sind so unterschiedlich wie die anschließenden Kursreaktionen in beide Richtungen. Für Anfänger: Als Stockpicking wird das gezielte Investieren in einzelne, börsennotierte Unternehmen bezeichnet. Durch Auswahl von Aktien nach bestimmten Kriterien wird versucht, eine überdurchschnittliche Rendite zu erzielen.

Interessant ist für meinen Geschmack auch eine Liste von defensiven europäischen Aktien, die von der unabhängigen Analyse- und Ratinggesellschaft Morningstar jetzt vorgelegt worden ist. Dabei wurden Unternehmen mit strategischen Wettbewerbsvorteilen herausgesucht, die sich in einem Umfeld niedrigen Wachstums robust entwickeln könnten: Anheuser-Busch InBev, Novartis, Roche Holding, Sanofi, British American Tobacco, GlaxoSmithKline, Imperial Brands, Unilever, Reckitt Benckiser Group, Elekta.

Vielleicht fühlen sich die Bullen unter Ihnen, geschätzte Anleger, auch durch den Karnevals-Auftakt motiviert. Da gilt das Kölsche Grundgesetz „Et hätt noch emmer joot jejange“ (Es ist bisher noch immer gut gegangen). Was gestern gut gegangen ist, wird auch morgen funktionieren.

Hinweis: Die Inhalte der Kolumnen dienen ausschließlich der Information und stellen weder eine Anlageberatung oder sonstige Empfehlung im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes dar noch sind sie als Zusicherung etwaiger Kursentwicklungen zu verstehen. Die geäußerten Ansichten geben allein die Meinung des jeweiligen Autors wieder. Für den Inhalt der Kolumne ist allein der jeweilige Autor verantwortlich.
Expertenprofil
Hermann Kutzer Hermann Kutzer Freier Wirtschaftsjournalist, Finanzmarkt-Kommentator

Hermann Kutzer ist der dienstälteste journalistische Finanzmarktbeobachter in Deutschland: Seit mittlerweile 50 Jahren beobachtet er die nationalen Börsen und internationalen Wertpapier- und Rohstoffmärkte. Davon war er gut drei Jahrzehnte lang für die Verlagsgruppe Handelsblatt tätig, zuletzt als Chefredakteur des Monatsmagazins „DMEuro“.

Seit 2007 bietet der Routinier seine Erfahrung freiberuflich an: Analysen und Kolumnen, TV-Kommentare, Vorträge, Moderationen und Kommunikationsberatung. Nach seinem Hörbuch „Verstehen Sie Börse!“ (Finanzbuch Verlag, 2008) erschien im Frühjahr 2012 als Kutzers Manifest im Börsenbuchverlag „Vom Raubtierkapitalismus zur Planwirtschaft?“ Zu seinem umfangreichen Web-Auftritt gehört seit einiger Zeit „Kutzers Marktplatz“ mit Beiträgen über die unterschiedlichsten Anlagemöglichkeiten. Außerdem ist im Frühjahr 2013 der neue Internet-Kanal KUTZER-TV auf Sendung gegangen.

Der Journalist und Publizist engagiert sich seit Jahrzehnten für die privaten Anleger und in diesem Zusammenhang für die Weiterentwicklung der Aktienkultur. Er betrachtet es als seine vorrangige Aufgabe, die Vermittlung von Wissen über die Zusammenhänge des Sparens und Anlegens zu unterstützen. Dabei ist der „Marktmensch“ ein bekennender Marktwirtschaftler, der mit großer Skepsis die zunehmende Regulierung der Märkte durch die Politik auf nationaler und europäischer Ebene betrachtet.

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