Kutzers Zwischenruf: Gold bleibt die Alternative zum Geld

Hermann Kutzer

Wie lang und wie weit steigt die Inflation noch? Seit Monaten schon diskutieren Fachwelt und Medien, ob der Anstieg der Verbraucherpreise längerfristig oder nur von vorübergehender Dauer sein wird. An dieser spekulativen Perspektive will ich mich nicht beteiligen, sondern die Brille der Bundesbürger aufsetzen. Denn es fällt sicher nicht leicht, gelassen zu bleiben. Diese These vom letzten Zwischenruf sei heute bekräftigt. Wie kann man sich langfristig vor Inflation schützen, also dem Geldwertverfall (= Kaufkraftverlust) begegnen? Tatsächlich ist eine hohe Teuerungsrate jedoch seit vielen Monaten in den Geldbeuteln der Bürger angekommen - man denke nur an die Spritpreise und Immobilienpreise, außerdem an Teile unserer Lebensmittel. Währenddessen verliert das Geld auf dem Sparbuch weiterhin schleichend an Wert.

Seit Jahren gehöre mich zu den Befürwortern von Sachinvestments anstelle des klassischen Kontensparens - auch ungeachtet der für lange Zeit extrem niedrigen Teuerungsraten und Zinsen. Das Plädoyer umfasst ein Trio aus Immobilien, Aktien und Gold. Dass der Goldpreis von der beschleunigten Teuerung in diesem Jahr noch nicht profitieren konnte, lässt viele Anleger ratlos zurück. Sie hatten im letzten Jahr eine Gold-Party gefeiert und sich auf weitere Kursgewinne gefreut. Doch dann kam eine unerwartete Gegenbewegung, die bis heute anhält. Doch es bleibt dabei: Gold ist seit über 5.000 Jahren der beste Inflationsschutz. Und wer dem Gold auch in schlechten Zeiten die Treue gehalten hat, wurde auf lange Sicht nicht enttäuscht.

Nur wenige von Ihnen, geschätzte Anleger, werden sich dran erinnern, dass vor einem halben Jahrhundert der damalige US-Präsident Richard Nixon mit einem Federstrich der über lange Zeit geltenden Bindung des Dollars an Gold ein jähes Ende setzte. Die Entscheidung vom 15. August 1971 ging als „Nixon-Schock“ in die Annalen der Geschichte ein und bedeutete einen Dammbruch für die weitere Geld- und Wirtschaftspolitik rund um den Globus.

Bis zu diesem Zeitpunkt war der US-Dollar die weltweite Ankerwährung, wobei sich die USA nach dem Bretton-Woods-System von 1944 verpflichteten, den Dollar jederzeit in Gold einzutauschen. Der Wechselkurs wurde dabei auf 35 Dollar je Feinunze festgesetzt. Entsprechend gigantisch waren die dafür nötigen Goldreserven, die im legendären Fort Knox im US-Bundesstaat Kentucky lagern. So verfügten die USA gegen Ende des Zweiten Weltkriegs über Goldbestände von 574 Millionen Unzen (rund 17,8 Tonnen). Das war mehr als die Hälfte der gesamten Goldreserven aller Notenbanken der Welt.

Doch im Zuge der boomenden Weltwirtschaft in den 1950er- und 1960er-Jahren sowie der teuren Kriege in Vietnam und Korea hatten sich die USA finanziell übernommen und dabei im Verhältnis zu den vorhandenen Goldreserven zu viele Dollar in Umlauf gebracht. Dadurch wurde das Vertrauen in den (zumindest teilweise) goldgedeckten Greenback erschüttert, und es drohte ein Ausverkauf der zwar immensen aber doch begrenzten US-Goldreserven, weshalb Nixons Entscheidung, die Goldbindung des Dollars endgültig aufzuheben unvermeidlich war, aber gleichzeitig eine Zäsur im Geldsystem bedeutete. Die Folge: Geld verliert an Wert. Die exzessive und willkürliche Ausdehnung der Geldmenge samt der damit verbundenen Geldentwertung ist systembedingt und gewollt, schreibt Thomas Driendl, Gold-Experte des Rosenheimer TM Börsenverlags.

Dagegen ist und bleibt Gold ein sicherer Hafen, der zwar kurzfristigen Schwankungen unterliegen mag, aber als Krisenwährung par excellence gilt und für langfristige Wertbeständigkeit steht. Denn Gold ist selten, nicht beliebig vermehrbar und praktisch unzerstörbar. Entsprechend wird Gold seit Menschengedenken rund um den Globus in allen Kulturkreisen als Wertaufbewahrungs- bzw. Zahlungsmittel und vor allem wirksamer Schutz gegen die fortschreitende Inflation geschätzt. Und: Kein anderes „Material“ wird von seinen Eigentümern so geschützt und bewacht wie Gold - es geht eben um die Sicherheit für hohe Werte.

Wieviel Gold sollte man besitzen? Ich halte nichts von pauschalen Empfehlungen, wie sich die Bürger verhalten sollten. Denn je nach Risikoaversion bzw. Sicherheitsbedürfnis und Vermögensverhältnissen muss jeder individuell entscheiden, welche Sachwerte für ihn Priorität haben. Gold - mit welchem Anteil auch immer - sollte jedenfalls dabei ein.

Hinweis: Die Inhalte der Kolumnen dienen ausschließlich der Information und stellen weder eine Anlageberatung oder sonstige Empfehlung im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes dar noch sind sie als Zusicherung etwaiger Kursentwicklungen zu verstehen. Die geäußerten Ansichten geben allein die Meinung des jeweiligen Autors wieder. Für den Inhalt der Kolumne ist allein der jeweilige Autor verantwortlich.
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Expertenprofil
Hermann Kutzer Hermann Kutzer Freier Wirtschaftsjournalist, Finanzmarkt-Kommentator

Hermann Kutzer ist der dienstälteste journalistische Finanzmarktbeobachter in Deutschland: Seit mittlerweile 50 Jahren beobachtet er die nationalen Börsen und internationalen Wertpapier- und Rohstoffmärkte. Davon war er gut drei Jahrzehnte lang für die Verlagsgruppe Handelsblatt tätig, zuletzt als Chefredakteur des Monatsmagazins „DMEuro“.

Seit 2007 bietet der Routinier seine Erfahrung freiberuflich an: Analysen und Kolumnen, TV-Kommentare, Vorträge, Moderationen und Kommunikationsberatung. Nach seinem Hörbuch „Verstehen Sie Börse!“ (Finanzbuch Verlag, 2008) erschien im Frühjahr 2012 als Kutzers Manifest im Börsenbuchverlag „Vom Raubtierkapitalismus zur Planwirtschaft?“ Zu seinem umfangreichen Web-Auftritt gehört seit einiger Zeit „Kutzers Marktplatz“ mit Beiträgen über die unterschiedlichsten Anlagemöglichkeiten. Außerdem ist im Frühjahr 2013 der neue Internet-Kanal KUTZER-TV auf Sendung gegangen.

Der Journalist und Publizist engagiert sich seit Jahrzehnten für die privaten Anleger und in diesem Zusammenhang für die Weiterentwicklung der Aktienkultur. Er betrachtet es als seine vorrangige Aufgabe, die Vermittlung von Wissen über die Zusammenhänge des Sparens und Anlegens zu unterstützen. Dabei ist der „Marktmensch“ ein bekennender Marktwirtschaftler, der mit großer Skepsis die zunehmende Regulierung der Märkte durch die Politik auf nationaler und europäischer Ebene betrachtet.

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