Kutzers Zwischenruf: Konjunktur und Kurse – Für jeden was dabei

Hermann Kutzer

Viele Fachleute liegen wieder einmal daneben - aber nur knapp: Die Konjunktur läuft etwas besser als mehrheitlich erwartet. Aber eben nur etwas. Für die Börse sind die mit Spannung erwarteten BIP-Zahlen ein Grund zum erleichterten Aufatmen, andererseits aber kein Impuls zum Jubeln. Bullen und Bären, also beide Seiten, können die heute veröffentlichte Statistik für ihre Argumentation heranziehen. Insofern ist es keine besondere Überraschung, dass die Aktienkurse spontan nicht reagiert haben.

Unsere Wirtschaft ist also an einer leichten Rezession vorbei geschrammt. Das Bruttoinlandsprodukt war im dritten Quartal 0,1 Prozent höher als im Vorquartal. Analysten hatten dagegen im Schnitt ein Minus von 0,1 Prozent erwartet. Es geht somit um das Minimum, eine Nachkommastelle. Zudem wurde die Schrumpfung im zweiten Vierteljahr wurde von 0,1 auf 0,2 Prozent nach unten korrigiert. Bei zwei Quartalen infolge mit schrumpfender Wirtschaftskraft sprechen Ökonomen von einer technischen oder rechnerischen Rezession. Insgesamt hat sich die deutsche Konjunktur in den vergangenen zwölf Monaten deutlich abgekühlt. Die Überauslastung der Produktionskapazitäten aus den Boomjahren 2017/18 ist weitgehend abgebaut, so dass der Auslastungsgrad derzeit in etwa seinem langfristigen Mittelwert entspricht. In den kommenden Monaten sei jedoch keine tiefgreifende gesamtwirtschaftliche Rezession zu befürchten, schreiben mir jetzt neutrale Wissenschaftler und zählen diverse Gründe dafür auf. Schon glaubt man, das gerne zitierte Licht das Ende des Konjunkturtunnels zu erkennen.

Warten wir’s ab - zunächst geht es um das mitentscheidende Thema Handelskonflikte (Mehrzahl, denn es betrifft ja nicht allein den Konflikt USA/China). Die dämpfen schon jetzt das Wachstum der Weltwirtschaft. Für Dax & Co. wichtig ist zugleich das Verhalten der marktbestimmenden Großanleger. Denn die heimischen Institutionellen sind zuletzt den optimistischen internationalen Kapitalströmen kaum gefolgt: Die jüngste Umfrage von BofA Merrill Lynch offenbart nicht nur starke Wachstumszuversicht, sondern auch, dass netto 13 Prozent (Vormonat 1 Prozent) der befragten Fondsmanager, die berichteten, in Aktien der Eurozone übergewichtet zu sein. Daraus folgern Frankfurter Verhaltensforscher, dass die heimischen Investoren im Falle von Rücksetzern durch dann nachgeholte Käufe dem Dax eher eine Stütze sein werden.

Hinweis: Die Inhalte der Kolumnen dienen ausschließlich der Information und stellen weder eine Anlageberatung oder sonstige Empfehlung im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes dar noch sind sie als Zusicherung etwaiger Kursentwicklungen zu verstehen. Die geäußerten Ansichten geben allein die Meinung des jeweiligen Autors wieder. Für den Inhalt der Kolumne ist allein der jeweilige Autor verantwortlich.
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Expertenprofil
Hermann Kutzer Hermann Kutzer Freier Wirtschaftsjournalist, Finanzmarkt-Kommentator

Hermann Kutzer ist der dienstälteste journalistische Finanzmarktbeobachter in Deutschland: Seit mittlerweile 50 Jahren beobachtet er die nationalen Börsen und internationalen Wertpapier- und Rohstoffmärkte. Davon war er gut drei Jahrzehnte lang für die Verlagsgruppe Handelsblatt tätig, zuletzt als Chefredakteur des Monatsmagazins „DMEuro“.

Seit 2007 bietet der Routinier seine Erfahrung freiberuflich an: Analysen und Kolumnen, TV-Kommentare, Vorträge, Moderationen und Kommunikationsberatung. Nach seinem Hörbuch „Verstehen Sie Börse!“ (Finanzbuch Verlag, 2008) erschien im Frühjahr 2012 als Kutzers Manifest im Börsenbuchverlag „Vom Raubtierkapitalismus zur Planwirtschaft?“ Zu seinem umfangreichen Web-Auftritt gehört seit einiger Zeit „Kutzers Marktplatz“ mit Beiträgen über die unterschiedlichsten Anlagemöglichkeiten. Außerdem ist im Frühjahr 2013 der neue Internet-Kanal KUTZER-TV auf Sendung gegangen.

Der Journalist und Publizist engagiert sich seit Jahrzehnten für die privaten Anleger und in diesem Zusammenhang für die Weiterentwicklung der Aktienkultur. Er betrachtet es als seine vorrangige Aufgabe, die Vermittlung von Wissen über die Zusammenhänge des Sparens und Anlegens zu unterstützen. Dabei ist der „Marktmensch“ ein bekennender Marktwirtschaftler, der mit großer Skepsis die zunehmende Regulierung der Märkte durch die Politik auf nationaler und europäischer Ebene betrachtet.

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