Kutzers Zwischenruf: Mit „Wumms“ aus der Krise – klingt gut, ist aber nicht sicher

Hermann Kutzer

Unser oberster Kassenwart muss es wissen: Das große Konjunkturprogramm der Bundesregierung soll Deutschland nach den Worten von Bundesfinanzminister Scholz mit „Wumms“ aus der Corona-bedingten Wirtschaftskrise führen. Nun will der SPD-Politiker diesen Schwung schon bemerkt haben: Der Tiefpunkt ist überwunden. Und jeder merkt inzwischen, dass sich die wirtschaftlichen Zahlen langsam wieder verbessern. Scholz wörtlich: „Der Wumms ist schon spürbar.“ Börsianer werden derartige Meldungen kaum noch registrieren, waren sie solchem Optimismus doch weit vorausgeeilt.

Es sieht ja hoffnungsvoll aus - allerdings nicht überall (Arbeitsmarkt?). Unsere Industrie hat sich im Mai etwas von dem scharfen Einbruch in der Corona-Krise schon etwas erholt. Wie schwer die Krise wirkt, zeigt sich aber im Jahresvergleich: Die Produktion lag im Mai gegenüber dem Vorjahresmonat (nicht Vormonat) um fast 20 Prozent niedriger! Immerhin erwartet die deutsche Industrie in den kommenden drei Monaten eine weitere Zunahme ihrer Produktion. Laut Ifo hat sich die Stimmung im Juni das zweite Mal in Folge verbessert.

Spannend wird es schon in den kommenden Tagen, wenn die Berichtssaison fürs zweite Quartal beginnt. Es wird ein wichtiger Test für die Kurse von Dow und Dax. Die Wall Street rechnet im Mittel mit einem Gewinneinbruch von mehr als 40 Prozent zum Vorjahr. Allerdings liegen die Prognosen wegen der hohen Zahl an Unternehmen ohne eigenen Geschäftsausblick weit auseinander. Zuversicht signalisiert schon mal Ulrich Stephan, Chef-Anlagestratege der Deutschen Bank: „Angesichts einer bisher unerwartet zügigen Erholung der US-Konjunktur, sinkender Arbeitslosenzahlen, einer Rückkehr der Konsumlaune, gestiegener Ölpreise und der Abwertung des US-Dollars halte ich es jedoch für möglich, dass die Gewinne die Erwartungen übertreffen werden.“ Dies deuten auch die Quartalsergebnisse sogenannter „Early Reporter“ an - Unternehmen, deren zweites Geschäftsquartal schon im Mai endet: Von 16 Unternehmen konnten 13 die Analysten-Erwartungen übertreffen. Werden die positiven Erwartungen der Börsianer durch die Unternehmenszahlen (und dazu möglichst durch verbale Ausblicke) bestätigt, sollte dies eine Fortsetzung der Hausse an der Wall Street bedeuten.

Aber nicht verdrängen, geschätzte Anleger: Wir (und vor allem Nord- und Südamerika) leben immer noch in der Corona-Pandemie. Die USA erleben dazu auch noch Donald Trump. Und soeben flattert folgende Meldung aus Brüssel herein: Die Rezession wegen der Corona-Pandemie wird nach der neuesten Prognose der EU-Kommission in diesem Jahr noch stärker ausfallen als bisher angenommen.

Hinweis: Die Inhalte der Kolumnen dienen ausschließlich der Information und stellen weder eine Anlageberatung oder sonstige Empfehlung im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes dar noch sind sie als Zusicherung etwaiger Kursentwicklungen zu verstehen. Die geäußerten Ansichten geben allein die Meinung des jeweiligen Autors wieder. Für den Inhalt der Kolumne ist allein der jeweilige Autor verantwortlich.
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Expertenprofil
Hermann Kutzer Hermann Kutzer Freier Wirtschaftsjournalist, Finanzmarkt-Kommentator

Hermann Kutzer ist der dienstälteste journalistische Finanzmarktbeobachter in Deutschland: Seit mittlerweile 50 Jahren beobachtet er die nationalen Börsen und internationalen Wertpapier- und Rohstoffmärkte. Davon war er gut drei Jahrzehnte lang für die Verlagsgruppe Handelsblatt tätig, zuletzt als Chefredakteur des Monatsmagazins „DMEuro“.

Seit 2007 bietet der Routinier seine Erfahrung freiberuflich an: Analysen und Kolumnen, TV-Kommentare, Vorträge, Moderationen und Kommunikationsberatung. Nach seinem Hörbuch „Verstehen Sie Börse!“ (Finanzbuch Verlag, 2008) erschien im Frühjahr 2012 als Kutzers Manifest im Börsenbuchverlag „Vom Raubtierkapitalismus zur Planwirtschaft?“ Zu seinem umfangreichen Web-Auftritt gehört seit einiger Zeit „Kutzers Marktplatz“ mit Beiträgen über die unterschiedlichsten Anlagemöglichkeiten. Außerdem ist im Frühjahr 2013 der neue Internet-Kanal KUTZER-TV auf Sendung gegangen.

Der Journalist und Publizist engagiert sich seit Jahrzehnten für die privaten Anleger und in diesem Zusammenhang für die Weiterentwicklung der Aktienkultur. Er betrachtet es als seine vorrangige Aufgabe, die Vermittlung von Wissen über die Zusammenhänge des Sparens und Anlegens zu unterstützen. Dabei ist der „Marktmensch“ ein bekennender Marktwirtschaftler, der mit großer Skepsis die zunehmende Regulierung der Märkte durch die Politik auf nationaler und europäischer Ebene betrachtet.

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