Kutzers Zwischenruf: Neue Prognosen für Anleihen, Aktien und Gold

Hermann Kutzer

Mal angenommen, die aktuellen Börsenkurse würden zwar weiter schwanken - aber ohne klaren Trend. Und am Jahresende stellen wir dann fest, dass sich die großen Indizes praktisch nicht verändert haben. Wäre das schlimm? Nein, natürlich nicht. Denn es geht doch nur um ein Jahr, einen kurzen Zeitabschnitt für die Bewertung von Kapitalanlagen (abgesehen von kurzfristigem Trading). Ich will die Performance-Ungeduldigen beruhigen: Es gibt derart schwankungsarme Jahre, natürlich, aber sie sind selten. Und 2021 verspricht mehr Bewegung der Kurse.

Gerade heute sind wieder mehrere ziemlich konkrete Vorschauen namhafter Strategen auf meinem Schirm gelandet. Im Folgenden daraus Auszüge für Anleihen, Aktien und Gold. Dazu das gelassen klingende Resümee der wöchentlichen Stimmungsumfrage an der Börse Frankfurt durch den Verhaltensanalyst Joachim Goldberg: „Alle Faktoren zusammengenommen, bleibt das Umfeld für deutsche Aktien aus Sentiment-technischer Sicht weiterhin günstig, aber von Euphorie kann hierzulande keine Rede sein.“

Die Kurse vieler festverzinslicher Anleihen sind weltweit seit Jahresbeginn auf dem Rückzug, die Kurse von Staatsanleihen dabei stärker als die von Unternehmensanleihen. Ein von Bloomberg kalkulierter Index, der die Wertentwicklung von Anleihen aus 24 Ländern misst, verlor so stark wie zuletzt zu Beginn des Jahres 2013 - dem Jahr, in dem die US-Notenbank Fed das Auslaufen ihrer Anleihekäufe ankündigte. Auch 2021 könnten sowohl bei der Fed als auch bei manchen anderen Zentralbanken wegen der steigenden Inflationserwartungen die Diskussionen über einen Ausstieg aus der sehr expansiven Geldpolitik beginnen, glaubt Deutsche-Bank-Chefstratege Ulrich Stephan. Da diese zumindest kurzfristig aber weiter fortgesetzt wird, sind insbesondere langlaufende Anleihen von Kursverlusten betroffen. Anleihen, die eine Fälligkeit von weniger als fünf Jahren haben, verloren global nur 0,3 Prozent seit Jahresbeginn, solche mit einer Fälligkeit von mehr als zehn Jahren hingegen rund 4 Prozent. Ulrich warnt: „Obgleich es kurzfristige Gegenbewegungen geben könnte, erachte ich das Risiko für weitere Kursverluste bei langlaufenden Anleihen als hoch.“

Im Gegensatz dazu macht Luke Barrs von Goldman Sachs Asset Management den Aktienanlegern Mut. Wenngleich es aktuell weltweit nicht in gleichem Tempo voran geht, bringen die Covid-19-Impfungen auch weiteres Wirtschaftswachstum mit sich. Das BIP-Wachstum könnte 2021 in den Industrieländern 5 % und in den Schwellenländern rund 6 % übersteigen. Diese Zahlen spiegeln jedoch in erster Linie die zyklische Erholung von der globalen Rezession im vergangenen Jahr wider - und verschleiern die Tatsache, dass zwischen einzelnen Ländern deutliche Unterschiede herrschen. Die Zinsen dürften außergewöhnlich niedrig bleiben, während die Zentralbanken die fragile Erholung genau beobachten. Der vom Markt erwartete Konjunkturaufschwung birgt das Potenzial für ein robustes Gewinnwachstum. Das lässt erwarten, dass die Aktienrenditen 2021 weltweit dem langfristigen Durchschnitt von rund 8 % entsprechen oder leicht darüber liegen: „Wir gehen davon aus, dass sich das makroökonomische und das Gewinnwachstum über alle Branchen, Börsenkapitalisierungen und Regionen zwar ausbreiten, aber nicht gleichmäßig verteilen wird.“

Auch Gold verdient nach Einschätzung von Gilles Seurat, Fondsmanager bei La Française, wieder Beachtung. Dank der weltweiten drastischen geld- und fiskalpolitischen Lockerungen hat das Edelmetall 2020 ein beeindruckendes Jahr hingelegt (+25 % auf Dollar-Basis). Obwohl die Pariser Strategen nicht davon ausgehen, dass sich eine solch beachtliche Performance im Jahr 2021 wiederholen wird, sind sie für Gold optimistisch. Der erste Grund hierfür ist der US-Dollar, der sich weiter abschwächen dürfte. Diese Währung ist überbewertet, wenn man ihren langfristigen realen effektiven Wechselkurs betrachten. Darüber hinaus wird die neue Regierung wahrscheinlich weniger scharf bei den Zöllen durchgreifen. Der Aufwärtstrend des Dollars ist daher gebremst. Ein weiterer positiver Aspekt für Gold ist, dass viele Anleger sich Sorgen über einen Inflationsanstieg machen. Historisch gesehen neigen sie dazu, Gold zu kaufen, um sich dagegen abzusichern, sodass wir in diesem Jahr zusätzliche Zuflüsse in Gold erwarten dürften.

Diese Einschätzungen sind im Tenor meinen aktuellen Erwartungen für 2021 ganz ähnlich: Die Kombination von Aktien + Gold bietet sich weiter als Kernanlage eines langfristigen Portfolios an.

Hinweis: Die Inhalte der Kolumnen dienen ausschließlich der Information und stellen weder eine Anlageberatung oder sonstige Empfehlung im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes dar noch sind sie als Zusicherung etwaiger Kursentwicklungen zu verstehen. Die geäußerten Ansichten geben allein die Meinung des jeweiligen Autors wieder. Für den Inhalt der Kolumne ist allein der jeweilige Autor verantwortlich.
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Expertenprofil
Hermann Kutzer Hermann Kutzer Freier Wirtschaftsjournalist, Finanzmarkt-Kommentator

Hermann Kutzer ist der dienstälteste journalistische Finanzmarktbeobachter in Deutschland: Seit mittlerweile 50 Jahren beobachtet er die nationalen Börsen und internationalen Wertpapier- und Rohstoffmärkte. Davon war er gut drei Jahrzehnte lang für die Verlagsgruppe Handelsblatt tätig, zuletzt als Chefredakteur des Monatsmagazins „DMEuro“.

Seit 2007 bietet der Routinier seine Erfahrung freiberuflich an: Analysen und Kolumnen, TV-Kommentare, Vorträge, Moderationen und Kommunikationsberatung. Nach seinem Hörbuch „Verstehen Sie Börse!“ (Finanzbuch Verlag, 2008) erschien im Frühjahr 2012 als Kutzers Manifest im Börsenbuchverlag „Vom Raubtierkapitalismus zur Planwirtschaft?“ Zu seinem umfangreichen Web-Auftritt gehört seit einiger Zeit „Kutzers Marktplatz“ mit Beiträgen über die unterschiedlichsten Anlagemöglichkeiten. Außerdem ist im Frühjahr 2013 der neue Internet-Kanal KUTZER-TV auf Sendung gegangen.

Der Journalist und Publizist engagiert sich seit Jahrzehnten für die privaten Anleger und in diesem Zusammenhang für die Weiterentwicklung der Aktienkultur. Er betrachtet es als seine vorrangige Aufgabe, die Vermittlung von Wissen über die Zusammenhänge des Sparens und Anlegens zu unterstützen. Dabei ist der „Marktmensch“ ein bekennender Marktwirtschaftler, der mit großer Skepsis die zunehmende Regulierung der Märkte durch die Politik auf nationaler und europäischer Ebene betrachtet.

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20.04.2021, 19:34, Deutsche Bank Indikation
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