Kutzers Zwischenruf: Spezielle Anleihetypen zur Beimischung empfohlen

Hermann Kutzer

Fondsmanager und Vermögensverwalter sind gerade in der aktuell so schwierigen Marktphase bemüht, auch ergänzende Anlageformen zu Dow und Dax schmackhaft zu machen. Das übergeordnete Thema Nachhaltigkeit taucht dabei (zu Recht) besonders häufig auf. Gleichzeitig werden Investments auf dem weiten Feld des Gesundheitswesens (Healthcare) empfohlen - nicht allein unter dem Eindruck der Corona-Pandemie.

Grundsätzlich haben Gesundheitsaktien (vor allem die klassischen Pharmawerte) eher defensiven Charakter, dazu aber auch Wachstumsfantasie. Dennoch sollten Sie, geschätzte Anleger, bei der Einzelauswahl genau hinschauen oder sich für einen entsprechenden Investmentfonds entscheiden. Denn diese Beteiligungen bieten nicht nur große Chancen, sondern können auch große Verlustrisiken beinhalten. Aus einer defensiven Perspektive betrachtet profitiert der Sektor von einem stetigen Strom von Kunden, die seine vielfältigen Produkte und Dienstleistungen benötigen. Gleichzeitig verändert die rasante Innovation im Gesundheitswesen alles, von der Diagnostik und Roboterchirurgie bis hin zu minimal-invasiven Therapien und Technologien.

Als Fan von Aktien und Gold mag ich grundsätzlich keine Anleihen - nicht nur wegen der nicht enden wollenden Nullzins-Phase. Doch gibt es Segmente des breiten Bondsmarkts (neben den klassischen Staatsanleihen), die für viele Anleger attraktiv genug sind, um sie zumindest als Depotbeimischung zu nutzen. Ich erinnere bei dieser Gelegenheit wieder einmal an die „Core-Satellite-Strategie“, bei der um die Kernanlage herum (= Schwerpunkt des Portfolios) ergänzende Anlageklassen mit kleinerem Anteil positioniert werden. Momentan sind „Social Bonds“ in der Coronavirus-Krise stark gefragt. Die Erlöse aus der Emission dieser Anleihen fließen in soziale Projekte, beispielsweise zur Sicherstellung einer medizinischen Grundversorgung in Entwicklungsländern. Einen sehr starken Zuwachs verzeichnen auch „Sustainability Bonds“, bei denen die finanzierten Projekte nicht nur eine soziale, sondern auch eine umweltpolitische Zielsetzung verfolgen.

Anleger müssen bei Social und Sustainability Bonds nicht auf Rendite verzichten: Die Erfahrung zeigt, dass sich mit diesen Anleihen häufig sogar ein höherer Ertrag erzielen lässt als mit „herkömmlichen“ Anleihen. Das gilt ebenso für Industrieanleihen - solide deutsche Adressen und Industrieanleihefonds liefern ein Rendite von immerhin mehr als 4 Prozent p.a.

Gerne verweise ich immer wieder auf Wandelanleihen wegen ihres besonderen Charakters und ihrer Nähe zum Aktienmarkt. Im bisherigen Jahresverlauf konnten die Convertibles ihr Versprechen halten und Anlegern in Relation zum globalen Aktienmarkt einen gewissen Schutz bieten: Während der MSCI All Countries World Index in Euro seit Jahresbeginn (Stand Mitte Mai 2020) etwa 11 Prozent an Performance einbüßte, konnten Wandelanleihen im gleichen Zeitraum einen positiven Ertrag von 1,6 Prozent generieren. Grund dafür ist das asymmetrische Rendite-Risiko-Profil: Bei steigenden Aktienmärkten partizipieren Wandelanleihen in hohem Maße an der Aufwärtsbewegung, im Fall eines starken Rückgangs der Kurse nimmt die Aktiensensitivität von Wandelanleihen jedoch ab und sie verhalten sich Anleihen-ähnlich.

Hinweis: Die Inhalte der Kolumnen dienen ausschließlich der Information und stellen weder eine Anlageberatung oder sonstige Empfehlung im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes dar noch sind sie als Zusicherung etwaiger Kursentwicklungen zu verstehen. Die geäußerten Ansichten geben allein die Meinung des jeweiligen Autors wieder. Für den Inhalt der Kolumne ist allein der jeweilige Autor verantwortlich.
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Expertenprofil
Hermann Kutzer Hermann Kutzer Freier Wirtschaftsjournalist, Finanzmarkt-Kommentator

Hermann Kutzer ist der dienstälteste journalistische Finanzmarktbeobachter in Deutschland: Seit mittlerweile 50 Jahren beobachtet er die nationalen Börsen und internationalen Wertpapier- und Rohstoffmärkte. Davon war er gut drei Jahrzehnte lang für die Verlagsgruppe Handelsblatt tätig, zuletzt als Chefredakteur des Monatsmagazins „DMEuro“.

Seit 2007 bietet der Routinier seine Erfahrung freiberuflich an: Analysen und Kolumnen, TV-Kommentare, Vorträge, Moderationen und Kommunikationsberatung. Nach seinem Hörbuch „Verstehen Sie Börse!“ (Finanzbuch Verlag, 2008) erschien im Frühjahr 2012 als Kutzers Manifest im Börsenbuchverlag „Vom Raubtierkapitalismus zur Planwirtschaft?“ Zu seinem umfangreichen Web-Auftritt gehört seit einiger Zeit „Kutzers Marktplatz“ mit Beiträgen über die unterschiedlichsten Anlagemöglichkeiten. Außerdem ist im Frühjahr 2013 der neue Internet-Kanal KUTZER-TV auf Sendung gegangen.

Der Journalist und Publizist engagiert sich seit Jahrzehnten für die privaten Anleger und in diesem Zusammenhang für die Weiterentwicklung der Aktienkultur. Er betrachtet es als seine vorrangige Aufgabe, die Vermittlung von Wissen über die Zusammenhänge des Sparens und Anlegens zu unterstützen. Dabei ist der „Marktmensch“ ein bekennender Marktwirtschaftler, der mit großer Skepsis die zunehmende Regulierung der Märkte durch die Politik auf nationaler und europäischer Ebene betrachtet.

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