Kutzers Zwischenruf: Tipp für ungeduldige Aktienanleger: Das kleine Krisendepot

Hermann Kutzer

Es sieht nicht gut aus (= vorläufig keine Hoffnung). Dennoch weiß ich aus diversen Anfragen, dass mancher Anleger ungeachtet der dramatischen Ausbreitung des Coronavirus seine Probleme mit Geduld und Demut hat: Auch der hyperaktive Börsenfan kennt zwar die alte Weisheit „Greife nie in ein fallendes Messer!“ Doch nur zuzusehen, ist für diesen Anlegertyp (ich spreche nicht vom Trader) kaum auszuhalten. Leider, aber ich kann es verstehen. Noch einmal sei betont: Es geht jetzt in erster Linie um Verlustbegrenzung und nicht um Chancensuche.

Vielleicht hängt es auch damit zusammen, dass sich die ersten Mutmacher unter den professionellen Vordenkern wieder rühren mit dem Motto „Nach der Rally ist vor der nächsten“. So argumentiert der Senior-Makrostratege bei Nordea Asset Management Sébastien Galy, der Strom von Gewinnwarnungen und enttäuschenden ökonomischen Indikatoren sei wenig hilfreich für die globalen Aktienmärkte. Er vermutet, dass der Corona-Schock wie auch andere eingeordnet und in wenigen Tagen verfliegen wird. Und Patrick Zweifel, Chief Economist bei Pictet Asset Management, geht mit Fokus auf China und die Schwellenländer davon aus, dass trotz der jüngsten Entwicklungen die Zahl der weltweiten Fälle von Covid-19 in der ersten Märzhälfte ihren Höhepunkt erreichen wird. Folglich dürften die größten wirtschaftlichen Auswirkungen im ersten Quartal 2020 zu spüren sein, gefolgt von einer vollständigen Erholung im zweiten Quartal. Die Hauptrisiken bestehen allerdings darin, dass die Phase der Ansteckung länger andauern und/oder das Virus virulenter werden könnte. „Vollständige Erholung“ schon im zweiten Quartal halte ich momentan für eine sehr mutige Prognose.

So oder so - den Ungeduldigen möchte ich eine Art Notlösung vorschlagen, die von meinem „Bisschen-Ansatz“ abgeleitet ist: Wer unbedingt etwas auf der Kaufseite tun möchte, kann über ein „kleines Krisendepot“ nachdenken. Das könnte Aktien enthalten, deren Kurse in den letzten Tagen besonders stark verprügelt wurden, die aber ohne die Viruspandemie-Folgen fundamental gut dastehen - internationale Loser, die zu den Qualitätsaktien gehören. Dabei würde ich defensive Werte gegenüber Wachstumsunternehmen bevorzugen. Vorsichtshalber. Wichtig erscheint mir, dass zunächst einmal nur ein relativ kleiner Teil des verfügbaren Anlagekapitals eingesetzt wird, und das am besten in Form eines separat geführten Depots. Die Mutigen unter Ihnen, geschätzte Anleger, sollten nicht übermütig werden!

Hinweis: Die Inhalte der Kolumnen dienen ausschließlich der Information und stellen weder eine Anlageberatung oder sonstige Empfehlung im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes dar noch sind sie als Zusicherung etwaiger Kursentwicklungen zu verstehen. Die geäußerten Ansichten geben allein die Meinung des jeweiligen Autors wieder. Für den Inhalt der Kolumne ist allein der jeweilige Autor verantwortlich.
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Expertenprofil
Hermann Kutzer Hermann Kutzer Freier Wirtschaftsjournalist, Finanzmarkt-Kommentator

Hermann Kutzer ist der dienstälteste journalistische Finanzmarktbeobachter in Deutschland: Seit mittlerweile 50 Jahren beobachtet er die nationalen Börsen und internationalen Wertpapier- und Rohstoffmärkte. Davon war er gut drei Jahrzehnte lang für die Verlagsgruppe Handelsblatt tätig, zuletzt als Chefredakteur des Monatsmagazins „DMEuro“.

Seit 2007 bietet der Routinier seine Erfahrung freiberuflich an: Analysen und Kolumnen, TV-Kommentare, Vorträge, Moderationen und Kommunikationsberatung. Nach seinem Hörbuch „Verstehen Sie Börse!“ (Finanzbuch Verlag, 2008) erschien im Frühjahr 2012 als Kutzers Manifest im Börsenbuchverlag „Vom Raubtierkapitalismus zur Planwirtschaft?“ Zu seinem umfangreichen Web-Auftritt gehört seit einiger Zeit „Kutzers Marktplatz“ mit Beiträgen über die unterschiedlichsten Anlagemöglichkeiten. Außerdem ist im Frühjahr 2013 der neue Internet-Kanal KUTZER-TV auf Sendung gegangen.

Der Journalist und Publizist engagiert sich seit Jahrzehnten für die privaten Anleger und in diesem Zusammenhang für die Weiterentwicklung der Aktienkultur. Er betrachtet es als seine vorrangige Aufgabe, die Vermittlung von Wissen über die Zusammenhänge des Sparens und Anlegens zu unterstützen. Dabei ist der „Marktmensch“ ein bekennender Marktwirtschaftler, der mit großer Skepsis die zunehmende Regulierung der Märkte durch die Politik auf nationaler und europäischer Ebene betrachtet.

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