Kutzers Zwischenruf: V wie Volatilität – die schreckt viele Bundesbürger ab

Hermann Kutzer

Steigen die Kurse, freut sich der Mensch. Gilt das für alle Menschen? Nein, für einen Großteil der Bundesbürger nicht. Denn geht es an der Börse steil aufwärts, nachdem es zuvor steil abwärts gegangen war, wirkt diese „Volatilität“ eher abschreckend - ähnlich abschreckend wie die ständige Angst deutscher Sparer vor Vermögensverlusten durch Schwächephasen am Aktienmarkt. Börsenprofis sehen im „V“-Verlauf auch eine Chance, denn man kann in starke Bewegungen ja auch kurzfristig investieren (besser: spekulieren) - durch Vola-Trading mit Derivaten und Zertifikaten beispielsweise. Auch Volkswirte hoffen auf ein V. Dann würde sich eine tiefe Rezession wieder rasch und dynamisch erholen. Blickt man aber über das aktuelle Auf und Ab (und seine Ursachen) hinweg, dann muss man leider auch den Kollateralschaden sehen.

Erst vor wenigen Wochen hatte ich dieses Thema angesichts der neuen DAI-Statistik aufgegriffen („Die deutschen Aktionärszahlen sind eine Schande!“): Die Zahl der Aktienbesitzer ist nämlich im vergangenen Jahr überraschend von 10,3 Millionen auf 9,7 Millionen gesunken. Eine große Enttäuschung für alle Aktienförderer und Börsianer, die seit langem versuchen, den Bundesbürgern klar zu machen, dass die langfristige Aktienanlage alle populären Kontensparformen weit überragt - und das nicht nur, aber gerade im Zeitalter von Nahe-Null-Zinsen. Tatsächlich predigen öffentliche und private Finanzmarktteilnehmer schon seit Jahrzehnten den Sparern, dass die langfristige Aktienanlage trotz aller Kursschwankungen und Schwächephasen eine weit überdurchschnittliche Rendite von 6 bis 9 Prozent p.a. abwirft - und dazu noch sicherer ist als Anleihen!

Obwohl der Dax steigt im vergangenen Jahr um fast 26 Prozent (!) stieg, sank die Zahl der Anteilseigner hierzulande um 660.000. Die Deutschen bleiben also Aktienmuffel. Die dramatische Entwicklung der zurückliegenden Wochen lässt befürchten, dass 2020 noch mehr Deutsche der Börse den Rücken zukehren - auch im Falle einer kraftvollen Erholung der Kurse. Zugegeben, einen höheren Cash-Bestand zu fahren, macht kurzfristig auch Sinn. Ein konkretes Signal liefern bereits die zum Teil erheblichen Mittelabflüsse bei Investmentfonds. Nicht zum letzten Mal sei aber deshalb an dieser Stelle doppelt unterstrichen: Langfristig führt auch für Privatanleger kein Weg an Aktien vorbei, denn sie waren und bleiben die aussichtsreichste Anlageklasse.

Ihnen alles Gute, geschätzte Anleger, und tun Sie alles, um gesund zu bleiben!

Hinweis: Die Inhalte der Kolumnen dienen ausschließlich der Information und stellen weder eine Anlageberatung oder sonstige Empfehlung im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes dar noch sind sie als Zusicherung etwaiger Kursentwicklungen zu verstehen. Die geäußerten Ansichten geben allein die Meinung des jeweiligen Autors wieder. Für den Inhalt der Kolumne ist allein der jeweilige Autor verantwortlich.
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Expertenprofil
Hermann Kutzer Hermann Kutzer Freier Wirtschaftsjournalist, Finanzmarkt-Kommentator

Hermann Kutzer ist der dienstälteste journalistische Finanzmarktbeobachter in Deutschland: Seit mittlerweile 50 Jahren beobachtet er die nationalen Börsen und internationalen Wertpapier- und Rohstoffmärkte. Davon war er gut drei Jahrzehnte lang für die Verlagsgruppe Handelsblatt tätig, zuletzt als Chefredakteur des Monatsmagazins „DMEuro“.

Seit 2007 bietet der Routinier seine Erfahrung freiberuflich an: Analysen und Kolumnen, TV-Kommentare, Vorträge, Moderationen und Kommunikationsberatung. Nach seinem Hörbuch „Verstehen Sie Börse!“ (Finanzbuch Verlag, 2008) erschien im Frühjahr 2012 als Kutzers Manifest im Börsenbuchverlag „Vom Raubtierkapitalismus zur Planwirtschaft?“ Zu seinem umfangreichen Web-Auftritt gehört seit einiger Zeit „Kutzers Marktplatz“ mit Beiträgen über die unterschiedlichsten Anlagemöglichkeiten. Außerdem ist im Frühjahr 2013 der neue Internet-Kanal KUTZER-TV auf Sendung gegangen.

Der Journalist und Publizist engagiert sich seit Jahrzehnten für die privaten Anleger und in diesem Zusammenhang für die Weiterentwicklung der Aktienkultur. Er betrachtet es als seine vorrangige Aufgabe, die Vermittlung von Wissen über die Zusammenhänge des Sparens und Anlegens zu unterstützen. Dabei ist der „Marktmensch“ ein bekennender Marktwirtschaftler, der mit großer Skepsis die zunehmende Regulierung der Märkte durch die Politik auf nationaler und europäischer Ebene betrachtet.

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