Kutzers Zwischenruf: Wird unsere Wirtschaft an den Amis und den Chinesen genesen?

Hermann Kutzer

Einige Anfragen besorgter Privatanleger zum Thema Crash-Risiko haben mich in den letzten Wochen erreicht - zuletzt nach den Warnungen des prominenten Volkswirts Otmar Issing in einem Interview. Meine klare Ansage, ohne hier auf die Pros und Cons im Einzelnen einzugehen: Nein, ein Börsenkrach in historischer Dimension ist nicht in Sicht. Irgendwann wird es sicher wieder einen Crash der Aktienkurse geben. Irgendwann. Schließlich wird diese Welt immer verrückter und die Politik immer unberechenbarer. Aber für die kommenden Monate sehe ich keine Katastrophe. Im Gegenteil, man kann die Politik auch für eine optimistische Prognose 2020 heranziehen.

Streichen wir erst einmal den ärgerlichen Brexit (das Hin und Her geht ja noch weiter) sowie andere europäische Probleme und konzentrieren uns auf die beiden führenden Weltmächte. These 1: Amerikaner und Chinesen werden (so unterschiedlich ihre Systeme und Denkweisen auch sind) ihre gemeinsame Verantwortung für die globale Entwicklung begreifen und sich verständigen. Schon aus ganz eigenem Interesse. Deshalb sollte man aktuelle Konjunkturerwartungen auch nicht überbewerten.

Heute wurde die Dezember-Umfrage zu den Konjunkturerwartungen für China veröffrentlicht. Der CEP-Indikator, der auf Basis des China Economic Panel (CEP) erhoben wird und die Konjunkturerwartungen internationaler Finanzmarktexperten auf Sicht von zwölf Monaten wiedergibt, ist um 5,0 Punkte im Vergleich zum Vormonat auf den neuen Wert von -8,9 Punkten. Die Prognosen für das Wachstum des realen Bruttoinlandsprodukts (BIP) wurden ebenfalls leicht reduziert von 6,1 auf 5,9 Prozent. Aber für 2020 geht die BIP-Prognose auf 5,5 Prozent zurück - das ist ein sehr markanter Rückgang und drückt die wachsende Besorgnis über die weitere Wirtschaftsentwicklung Chinas aus. Was haben die Chinesen jetzt vor? Sie wollen die Schleusen für Konjunkturmaßnahmen nicht öffnen, sondern Großprojekte wissenschaftlich unterlegt vorantreiben, teilte die Sprecherin der Nationalen Entwicklungs- und Reformkommission heute mit.

Und die Vereinigten Staaten? These 2: Donald J. Trump will wiedergewählt werden (wird er wohl auch). Das Impeachment wird scheitern. Und es ist wahrscheinlich, dass sich der vielerorts verhasste Präsident trotz und gerade wegen „America first“ zunehmend versöhnlich gibt - nicht nur gegenüber seiner Notenbank Fed, sondern auch auf der internationalen Ebene. Das sollte - hoffentlich! - auch zu einem Abbau der aktuellen Spannungen mit Europa führen.

These 3: Wenn die Verständigung zwischen den USA und China 2020 weit genug vorankommt, wird davon auch die zurzeit lahmende Wirtschaft Europas profitieren. Die Börse wird’s freuen.

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Expertenprofil
Hermann Kutzer Hermann Kutzer Freier Wirtschaftsjournalist, Finanzmarkt-Kommentator

Hermann Kutzer ist der dienstälteste journalistische Finanzmarktbeobachter in Deutschland: Seit mittlerweile 50 Jahren beobachtet er die nationalen Börsen und internationalen Wertpapier- und Rohstoffmärkte. Davon war er gut drei Jahrzehnte lang für die Verlagsgruppe Handelsblatt tätig, zuletzt als Chefredakteur des Monatsmagazins „DMEuro“.

Seit 2007 bietet der Routinier seine Erfahrung freiberuflich an: Analysen und Kolumnen, TV-Kommentare, Vorträge, Moderationen und Kommunikationsberatung. Nach seinem Hörbuch „Verstehen Sie Börse!“ (Finanzbuch Verlag, 2008) erschien im Frühjahr 2012 als Kutzers Manifest im Börsenbuchverlag „Vom Raubtierkapitalismus zur Planwirtschaft?“ Zu seinem umfangreichen Web-Auftritt gehört seit einiger Zeit „Kutzers Marktplatz“ mit Beiträgen über die unterschiedlichsten Anlagemöglichkeiten. Außerdem ist im Frühjahr 2013 der neue Internet-Kanal KUTZER-TV auf Sendung gegangen.

Der Journalist und Publizist engagiert sich seit Jahrzehnten für die privaten Anleger und in diesem Zusammenhang für die Weiterentwicklung der Aktienkultur. Er betrachtet es als seine vorrangige Aufgabe, die Vermittlung von Wissen über die Zusammenhänge des Sparens und Anlegens zu unterstützen. Dabei ist der „Marktmensch“ ein bekennender Marktwirtschaftler, der mit großer Skepsis die zunehmende Regulierung der Märkte durch die Politik auf nationaler und europäischer Ebene betrachtet.

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