Lufthansa beschließt weitere Einsparungen in Corona-Krise

Reuters

Frankfurt (Reuters) - Nach Vereinbarung des staatlichen Rettungspakets hat die Lufthansa weitere Einsparungen beschlossen.

Die Finanzierung der Gruppe sei dank Hilfen von Deutschland, der Schweiz und Österreich zunächst gesichert. "Die vollständige Rückführung der staatlichen Kredite und Einlagen inklusive der Zinszahlungen wird das Unternehmen jedoch in den kommenden Jahren zusätzlich belasten, so dass nachhaltige Kostensenkungen auch aus diesem Grund unausweichlich werden", erklärte die Lufthansa am Dienstag. Das bis Ende 2023 laufende Sparprogramm sieht vor, die Anzahl der Führungsposten zum Beispiel durch eine Verkleinerung von Leitungsgremien der Tochterunternehmen um 20 Prozent zu reduzieren. In der Verwaltung in Deutschland werden zudem 1000 Stellen gestrichen.

Die Lufthansa musste wegen des Geschäftseinbruchs infolge der Pandemie mit einem neun Milliarden Euro schweren staatlichen Finanzpaket der Bundesregierung vor der Pleite bewahrt werden. Der staatliche Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) ist im Rahmen dessen seit Montag mit 20,05 Prozent größter Aktionär der Lufthansa. Darüber hinaus haben die Schweiz für die Tochter Swiss bis zu 1,5 Milliarden Euro Kredit sowie Österreich für die Austrian Airlines 450 Millionen Euro Finanzhilfe zugesagt. Mit Belgien dauern die Verhandlungen über eine Unterstützung der Tochter Brussels Airlines noch an.

JUMBOS AUSGEFLOTTET

Die schon im April angekündigte Verkleinerung der Flotte von rund 760 um 100 Jets werde umgesetzt, teilte die Lufthansa weiter mit. Allein bei der Kernmarke mit dem Kranich wurden demnach schon 22 Flugzeuge ausgeflottet, darunter sechs große Airbus A380 und fünf ältere Boeing 747. Bis 2023 werde mit der Abnahme von maximal 80 neuen Flugzeugen für die Flotten der Airline-Gruppe das Investitionsvolumen für Neuanschaffungen halbiert. Zum Umbauplan gehört auch, dass die Kernmarke Lufthansa eine eigenständige Gesellschaft werden soll. Das vorrangige Ziel dieses schon länger geplanten Projekts ist einem Sprecher zufolge keine Personalkostensenkung, sondern eine bessere Steuerung dank klarer Abgrenzung zum Konzern.

Die neu genannten Stellenstreichungen sind Teil des Personalüberhangs von "mindestens" 22.000 Vollzeitstellen, mit dem das Management langfristig kalkuliert. Lufthansa-Chef Carsten Spohr geht davon aus, dass der Airline-Konzern auf Dauer wegen geringeren Luftverkehrs verkleinert werden muss. Damit möglichst viele der Betroffenen bleiben können, handelt die Lufthansa mit den Gewerkschaften Kostensenkungen aus. "Im Gegensatz zu vielen Wettbewerbern sollen bei Lufthansa weiterhin betriebsbedingte Kündigungen nach Möglichkeit vermieden werden", hieß es dazu. Die Flugbegleitergewerkschaft UFO einigte sich mit dem Unternehmen bereits. Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit und die vor allem für Bodenpersonal zuständige Gewerkschaft Verdi verhandeln noch.

SCHWEIZ BRAUCHT ERLAUBNIS ZUM HELFEN

Offen ist auch noch, ob die für Swiss und AUA vereinbarten Staatshilfen fließen werden. "Finanzierungszusagen europäischer Staaten sind als Finanzierungsreserve vom WSF final zu genehmigen", heißt es dazu in der deutschen Rahmenvereinbarung. Ein Grund sei, dass Deutschland die Sicherheiten für Kredite prüfe, erklärte ein Lufthansa-Sprecher. Der Schweizer Wirtschaftsminister Guy Parmelin hatte der Zeitung "Tagesanzeiger" nach einem Besuch bei Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier am Montag gesagt, er rechne bald mit einer Entscheidung. In Regierungskreisen hieß es, die Prüfung werde noch zwei, drei Tage dauern. Sollte sie negativ ausfallen, wäre es für die Schweizer Regierung nach dem vielen Aufwand für die Rettungsaktion eine politische Enttäuschung, schrieb der Tagesanzeiger. Nach der Vereinbarung zum deutschen Rettungspaket können, aber müssen die Staatshilfen aus dem Ausland nicht von den neun Milliarden Euro abgezogen werden.

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